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Unterwegs sein, wieder ankommen

Buchmesse ist in Frankfurt. Und Gastland ist diesmal Norwegen. Eine gute Wahl, ist das Land doch ein Hort bester Literaturen.

Ein Mann gießt einem anderen Mann Tee ein

Frank Keil

Männerbücher der Woche, 42te KW. – Zwei Romane von Per Petterson und Odd Klippenvåg und eine Graphic Novel von Steffen Kverneland erzählen von den Leiden, gelegentlich auch Freuden des Mannseins zwischen Fjorden, Bergen, Wäldern und den Städten dazwischen. (Foto © davidpereiras | photocase.de)

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»Da war noch was«

Filmpremieren über sexualisierte Gewalt gegen Jungen – in Wuppertal am 30. September

Mann hält sich die Hand vors Gesicht

Alexander Bentheim (Redaktion)

Detlev kommt mit drei Jahren ins Kinderheim der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal. In den folgenden 10 Jahren wird er – wie mehrere hundert andere Kinder in diesem Heim – immer wieder beleidigt, geschlagen, vergewaltigt und beschädigt von mehreren Täterinnen und Tätern. Erst viele Jahrzehnte später ist er so weit, die Gewalt, die ihm angetan wurde, therapeutisch aufzuarbeiten und zusammen mit anderen Opfern Schuldeingeständnisse und Entschädigungen einzufordern. Aus einem Opfer, dem die Würde genommen wurde, wird ein aktiver Überlebender, der für die Rechte der Betroffenen kämpft.
Michael wird als Kind erstmals während einer Geburtstagsfeier von einem Familienfreund missbraucht. Der zweite Täter ist ein katholischer Priester des Don Bosco-Jugendzentrums, der vorgibt, den »schwierigen« Jungen zu therapieren, und ihn dabei immer wieder sexuell missbraucht und vergewaltigt. Als Teenager ist ein Hausfreund der dritte Täter. Michael fühlt sich selbst schuldig am Missbrauch und isst sich eine Schutzschicht an. Die Therapien haben ihn gerettet, sagt der schwule Mann heute.
Ingo wächst Ende der 60er Jahre in Berlin-Kreuzberg auf. Der Fotograf von nebenan, dem er sein Vertrauen schenkt, missbraucht ihn und setzt ihn mit sexuellen Fotos unter Druck. Von einem zweiten Täter wird er dann auf den Kinderstrich am Bahnhof-Zoo geschickt. Mit Selbstverletzungen, Drogen und Alkohol versucht er sich abzuschirmen und zu überleben. Erst viele Jahre später kann er darüber reden und hilft nun anderen Betroffenen in der Selbsthilfe.
Hermann wird in seiner Kindheit zuhause von seinem Vater jahrelang missbraucht. Über langjährige Therapien versucht er, den schwierigen Weg aus der Einsamkeit zurück ins Leben und in Liebesbeziehungen zu finden.
Uwe wird über viele Jahre im Kinder- und Jugendheim in Weißwasser in der DDR-Zeit durch ältere jugendliche Heimbewohner drangsaliert und sexuell missbraucht. Viele Jahre später gründet er eine eigene Selbsthilfegruppe.

Jungen und Männer sind in großer Zahl von sexualisierter Gewalt in verschiedenster Weise betroffen. Viele Betroffene schweigen aus Scham lange über das, was ihnen angetan wurde. In der Dokumentarfilmreihe »Da war noch was« erzählen Männer im Alter zwischen 19 und 57 Jahren von ihren Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch, Übergriffen und Vergewaltigungen in ihrer Kindheit und Jugend durch Familienangehörige, im Heim, in der Jugendarbeit, von katholischen Priestern oder evangelischen Mitarbeitern – Menschen, die das Vertrauen der Jungen für ihren Missbrauch böse ausnutzten und sie damit nachhaltig verletzten.

»Ich bin nicht schuld – ich konnte mich nicht wehren!« Die Betroffenen beschreiben, welche physischen und psychischen Folgen die Taten für sie hatten und wer oder was ihnen geholfen hat, mit ihren Verletzungen wieder zurück ins Leben zu finden und ihre Ohnmachtsituation als Opfer zu überwinden. Weitere Themen sind, wie die Täter das Vertrauen der Betroffenen erschlichen und sie manipulierten, wie die Polizei, Gerichte und Täterorganisationen mit ihnen als Opfer umgingen, die erschwerte Entwicklung ihrer Identität als Mann sowie der Umgang in der Familie, unter Freunden und in Liebesbeziehungen.

Die Filmreihe wurde zu Aufklärungszwecken für die Präventionsarbeit produziert, um den Betroffenen eine Stimme zu geben, zur Unterstützung von Jungen und Männern mit ähnlichen Erfahrungen und zur Sensibilisierung gegenüber Jungen und Männern. »Das Wichtigste ist: Reden!«, sagt ein Betroffener am Ende des Films.

Premiere: 30.09.2019, 19 Uhr | Ort: Rex Filmtheater Wuppertal (Kipdorf 29) | Eintritt: frei für junge Menschen bis 27 Jahre und Personen, die Leistungen nach dem SGB II / SGB XII erhalten oder einen Wuppertalpass besitzen. Alle anderen zahlen 4 Euro | Publikumsdiskussion im Anschluss an die Filmaufführung | Kartenreservierung: Medienprojekt Wuppertal. Dort ist auch eine DVD-Bestellung (Kauf oder Ausleihe; 62 Min. plus Bonus 157 Min., freigegeben ab 12 Jahren) möglich | Zum Trailer | Mehr Infos (Foto © altanaka | photocase.de)

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Warum böse Buben prügeln

Wie es dazu kommt und was helfen kann

Junge streckt seine Faust Richtung Kamera

Ralf Ruhl

Ein Zehnjähriger quält jüngere Kinder. Wiesoweshalbwarum – und: gibt es Hilfe und Auswege? Davon erzählt Jutta Nymphius in ihrem Kinderroman »Schlägerherz«. Denn auch Schläger haben ein solches, aber wollen oder können (noch) nicht fühlen, was sie anderen zufügen – es sei denn … (Foto © Juttaschnecke | photocase.de)

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Und eines Tages geht es nach Hause

Nicht einfach, wenn einem der eigene Vater beim Arbeiten zuschaut, und das über Wochen. Doch auch eine Chance, sich noch mal ganz neu zu begegnen.

Zwei Männer im Abendlicht auf einem Segelboot

Frank Keil

Männerbuch der Woche, 37te KW. – Daniel Mendelsohn verwebt in »Eine Odyssee – Mein Vater, ein Epos und ich« ganz wunderbar (s)eine Vater-Sohn-Geschichte mit Homers Epos der Odyssee. (Foto © joexx | photocase.de)

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