Vollendete Drehmomente

Kampf allein reicht nicht, es bedarf auch der Beherrschung von Körperkünsten

Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«, #24 | EM-Special »rund & kantig«


Hier war es eine drohende Abseitsfalle, meine Kamera und ich hatten genau hingesehen. Die elegante Bremsung aus vollem Lauf samt hingebungsvoller Wende, die nächste Laufrichtung bereits im Blick, Oberkörper und anatomische Unterkonstruktion in formvollendeter Drehung … das zusammen ist hohe Kunst, kommt nicht so daher, will und soll trainiert sein. Auf dem Platz ist ja nicht nur Kampf, zählen nicht allein Taktiken und Tore, zu bewundern sind auch Spielwitz und Ballbeherrschung wie etwa bei Rene Higuita und Jay-Jay Okocha, aber auch bei der Freestylerin Aylen Yaren – und faszinieren und begeistern, weil man sich den so mitgeteilten Leidenschaften einfach nicht entziehen kann.



Reihe »Bilder und ihre Geschichte«
#23 | Alexander Bentheim, Ballerspiele
#22 | Alexander Bentheim, Taubenauflauf
#21 | Alexander Bentheim, Jugend forscht!
#20 | Alexander Bentheim | Ursula Schäfer | Manfred »Doci« Flucht | Andreas Kleve, Neugieriges Spielen mit Images
#19 | Alexander Bentheim, Eine Frage der Perspektive
#18 | Ina Buskens, »Männer mögen es, wenn sie etwas härter dargestellt werden, als sie in Wirklichkeit sind.«
#17 | Alexander Bentheim, Zeitenwende / Beleidigungen in der Postmoderne
#16 | Frank Keil, Warten auf den nächsten Zug
#15 | Alexander Bentheim, Im Bistro am Ölberg
#14 | Alexander Bentheim, »Riskanter, als Aktien zu haben …«
#13 | Rolf Lüüs, Geschenkte Momente
#12 | Christian Thiel, Ein Augenblick der Ruhe und Verbundenheit
#11 | Tom Focke, Berliner Trompeten
#10 | Kerstin Maier, 9 Tage Glück / Familiensachen
#09 | Jo Fröhner, Rollentausch am Arbeitsplatz / Wenn Männer Männer pflegen
#08 | Kerstin Maier, Roadmovie / Männersachen
#07 | Caio Jacques, Von Luis zu Mina / Eine Reise zwischen den Geschlechtern
#06 | Alexander Bentheim und Frank Keil, Stephen Sondheim’s Musical »Assassins«
#05 | Soumita Bhattacharya, Mandeep Raikhy’s »A MALE ANT HAS STRAIGHT ANTENNAE«
#04 | Gilles Soubeyrand, Portraits und ein Interview
#03 | Jens Kuhn, Fotografische Männergeschichten und ein Interview
#02 | Kerstin Maier, 11 Freunde
#01 | Sebastian Ansorge, malender Kreativitätsbegleiter

Ballerspiele

Dumpfe Geräusche, freie Künste und das Klingeln in den fremden Kassen

Abdruck eines Fußballs auf einer Wand

Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«, #23 | EM-Special »rund & kantig«


An der Wand der Turnhalle hinter der Schule am Walde bei uns gibt es gelegentlich seltsame Zeichen. Rätseln muss, wer nie einen feuchten Ball gegen eine Wand getreten hat und die Abdrücke aus Matsch und Dreck nicht kennt, die beim Aufprall entstehen – wobei der Winkel des Aufpralls eine variantenreiche Rolle für das Gesamtwerk spielt, denn er verursacht und hinterlässt nicht unmittelbar zu identifizierende Schlieren, Streifen, Muster, sondern eher abstrakte Kunst. Und ja, Ballerspiele, es knallt so (un)schön, oft dumpf, mal metallisch, aber immer vernehmbar. Auf dem richtigen Platz ist es meist das Aluminium, selten auch mal die Kniescheibe des eigenen Mitspielers.
Wer neben Spielplänen, -zeiten, -orten, -paarungen auch Interesse hat zu erfahren, was der ganze EM-Spaß eigentlich kostet (also weniger die UEFA, mehr die Steuerzahler*innen), ist mit einem Beitrag des Satiremagazins extra 3 bestens versorgt.



Reihe »Bilder und ihre Geschichte«
#22 | Alexander Bentheim, Taubenauflauf
#21 | Alexander Bentheim, Jugend forscht!
#20 | Alexander Bentheim | Ursula Schäfer | Manfred »Doci« Flucht | Andreas Kleve, Neugieriges Spielen mit Images
#19 | Alexander Bentheim, Eine Frage der Perspektive
#18 | Ina Buskens, »Männer mögen es, wenn sie etwas härter dargestellt werden, als sie in Wirklichkeit sind.«
#17 | Alexander Bentheim, Zeitenwende / Beleidigungen in der Postmoderne
#16 | Frank Keil, Warten auf den nächsten Zug
#15 | Alexander Bentheim, Im Bistro am Ölberg
#14 | Alexander Bentheim, »Riskanter, als Aktien zu haben …«
#13 | Rolf Lüüs, Geschenkte Momente
#12 | Christian Thiel, Ein Augenblick der Ruhe und Verbundenheit
#11 | Tom Focke, Berliner Trompeten
#10 | Kerstin Maier, 9 Tage Glück / Familiensachen
#09 | Jo Fröhner, Rollentausch am Arbeitsplatz / Wenn Männer Männer pflegen
#08 | Kerstin Maier, Roadmovie / Männersachen
#07 | Caio Jacques, Von Luis zu Mina / Eine Reise zwischen den Geschlechtern
#06 | Alexander Bentheim und Frank Keil, Stephen Sondheim’s Musical »Assassins«
#05 | Soumita Bhattacharya, Mandeep Raikhy’s »A MALE ANT HAS STRAIGHT ANTENNAE«
#04 | Gilles Soubeyrand, Portraits und ein Interview
#03 | Jens Kuhn, Fotografische Männergeschichten und ein Interview
#02 | Kerstin Maier, 11 Freunde
#01 | Sebastian Ansorge, malender Kreativitätsbegleiter

Taubenauflauf

Jugendliche Mutproben in Krakau

Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«, #22


Reise nach Krakau, Juni 2009. Viele neue Eindrücke gibt es. Zum Beispiel machen Kinder mit Schildern Werbung auf den Straßen, für die örtlichen Restaurants. Oder in den Straßenbahnen wird gleich Platz gemacht für die älteren Menschen, keine Diskussion, kein Danke. Es gibt auch kaum Alkohol in der Öffentlichkeit zu sehen, Männer tragen vor allem Bürstenhaarschnitt und viele Frauen ab 50 sind am Krückstock unterwegs.
Auf dem Hauptmarkt mit den Krakauer Tuchhallen gibt es unendlich viele Tauben. Die Jungs machen sich einen Spaß daraus, mit einem Becher Getreide möglichst viele Tauben anlocken und gleichzeitig auf Arm und Kopf balancieren zu können. In diesem Geflatter und Chaos – keine Taube gönnt der anderen etwas – sind manche kaum mehr zu sehen, einer schaffte es auf acht Vögel gleichzeitig. Skurrile Mutprobe, aber vergleichsweise ungefährlich, man könnte den Becher ja fallenlassen.



Reihe »Bilder und ihre Geschichte«
#21 | Alexander Bentheim, Jugend forscht!
#20 | Alexander Bentheim | Ursula Schäfer | Manfred »Doci« Flucht | Andreas Kleve, Neugieriges Spielen mit Images
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Jugend forscht!

Neugier geweckt. Studium der Chemie oder Wasserwirtschaft folgt später.

Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«, #21


Spaziergang mit Freunden durch Hamburg-Altona, Sommer 2007, die Kamera liegt locker in der Hand. Wir biegen um eine Ecke, vor uns diese Szene. Jetzt nicht lange zögern, das kenne ich schon, Kamera hoch, kein Justieren von Brennweite oder Belichtungszeit, einfach auslösen, vielleicht habe ich Glück. Der Junge ist auch nicht sofort erkennbar, und das ist gut so.
Eine Sekunde später ist die Szene vorbei. Der Vater hatte den Jungen gerufen, der sich erhob, umdrehte und ihm nachlief. Der Fotograf hinterher.
»Darf dieses Bild veröffentlicht werden?« Der Vater runzelt die Stirn, das sei doch kein richtiges Foto, da sei doch nichts zu erkennen (er hat offenbar andere Vorstellungen von einem interessanten Bild), murmelt dann ein »Okay«. Er sei jedoch in Eile, ein Geschäft schließe gleich, Adressen können also nicht mehr getauscht werden. Ich bleibe zurück mit einem Foto, das zu einem meiner Lieblingsbilder werden wird.



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Neugieriges Spielen mit Images

Eine fotografische Inszenierung zur »Kunst der Verwandlung«

Porträt eines Menschen hälftig als Frau und als Mann

Text: Alexander Bentheim (»Bilder und ihre Geschichte« #20)
MakeUp: Ursula Schäfer
Model: Manfred »Doci« Flucht
Foto: Andreas Kleve


Eine Visagistin wird inspiriert von der Fotoserie eines Wochenmagazins, ein Künstlerfreund bietet sich als Model an, ein Fotograf ist ebenfalls bald gefunden. Die Haare werden gelegt, der Bart hälftig rasiert, der Lippenstift angesetzt, der Kajal aufgetragen – eine Verwandlung auf kurze Zeit, die nicht nur optisch eine Spur hinterlässt. »Das hat etwas mit mir gemacht«, sagt das Model, »vor allem neugierig – und meine weibliche Seite hat mich angenehm an meine Tante erinnert«.
Das Bild hängt als Plakat im Laden der Visagistin, das Model wird erkannt und interessiert angesprochen, es gibt durchweg positive Resonanzen. Erst zwei Tage später geht es zurück in den ursprünglichen Look. Aber das Foto bleibt, und mit diesem die Chance, sich mit eigenen Impulsen beim Betrachten des Bildes zu beschäftigen.



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»Er sah grauenvoll aus«

Manchmal hat man Glück und entdeckt ein Buch von zeitloser Prägnanz wie Schönheit. Und kann nun immer wieder eintauchen in eine eigene Welt, die so verstört wie betört.

Kind als Engel verkleidet vor einem Lost Place

Text: Frank Keil
Foto: Gundula Schulze Eldowy

Männerbuch der Woche, 19te KW. – Die Fotografin Gundula Schulze Eldowy nähert sich in ihren Berliner Geschichten »Am fortgewehten Ort« den Tiefen des Lebens. Eine Entdeckung.

Zur Rezension

Eine Frage der Perspektive

Der kleine Kasten am Rande des großen Tempelsaals

Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«, #19


Wie man das manchmal so macht in fremden Städten, selbst als kirchenferner Mensch: man schaut in eine solche, z.B. um kühlenden Schutz vor der Sommerhitze zu finden, um sich einigen leise anerkennenden »Ooohs« und »Aaahs« hinzugeben oder um einen Moment die Stille von der Hektik der Stadt zu genießen. Auf dem kurzen Weg durch den Saal dann ein kleiner schwarzer Blechkasten in einem Seitengang, etwas unscheinbar, sein Hals viel zu eng, da passen vielleicht wenige kleine Münzen auf einmal hindurch, Scheine sicher nur gut vorgefaltete. Und warum ist der Kasten so schwarz, dass man ihn zwischen dem vielen Prunk und Gold als hässlich und fast schon selbst beschämt wahrnimmt? Frühe Gerechtigkeitsimpulse werden wach, Fragmente vom Schein und Sein alles Religiösen und Weltlichen verdichten sich auf einer mehr als nur kurzen Achterbahn durch Hirn und Herz, wilde Aktionsideen blitzen auf, aber mir fehlen gerade kommentierende Mittel für eine anhaftend sichtbare Bemerkung. Und nach Passau komme ich so schnell nicht wieder.



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»Männer mögen es, wenn sie etwas härter dargestellt werden, als sie in Wirklichkeit sind.«

Die Close-Up-Portraits der Fotografin Ina Buskens

Portrait Mann Titel Ina

Interview: Alexander Bentheim
alle Fotos: Ina Buskens
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«, #18


Close-Up-Portraits, die »nah dran« oder »hautnah« fotografiert werden, brauchen Vertrauen auf beiden Seiten der Kamera, viel Vertrauen, manchmal überhaupt erst den Mut dazu. Und sie leben eben dadurch, wenn sie genau dies zeigen: Echtes, Einzigartiges, oft auch Privates, zuweilen Intimes. Ina gelingt genau dies: den Männern nahe zu kommen ohne aufdringlich zu sein, und die selbst vielleicht auch nicht zeigen würden, was sie in den Bildern nachdenklich oder auch verletzlich erscheinen lässt, wäre da nicht die Fotografin, die einen passenden Zugang offenbar gefunden hat. Sich einzulassen ist nicht selbstverständlich, aber eine Bereicherung für alle Seiten, wenn es gelingt, den Kreis des Vertrauens zu schließen.
Ina habe ich im September 2015 kennengelernt, und seitdem freue ich mich immer wieder über ihre neuen Portraits, die zugleich einer mir höchst angenehmen und vertrauten Bildsprache folgen. Nun war es endlich an der Zeit, ihr einige Fragen zu stellen.

Ina, wie bist du zur Fotografie gekommen?
Mit 50 habe ich mir meine erste »vernünftige« Kamera (Bridge) gekauft. Mich faszinierten Detailaufnahmen, Makros von Pflanzen, Tieren, Strukturen. Nach einiger Zeit merkte ich aber, dass mich diese Art zu fotografieren einsam machte. Ich war ständig alleine unterwegs, man war nicht wirklich begeistert davon, mit mir durch das Unterholz zu streifen und Ewigkeiten um einen Busch herumzuschleichen, nur um ein Bild einer Fliege einzufangen.
Durch eine Einladung zu einem Aktworkshop kam ich zur »Menschenfotografie«. Ich merkte damals, dass ich die Fähigkeit habe, recht zügig Kontakt zu meinem Gegenüber aufzunehmen. Ich komme sehr schnell mit Menschen auf eine Wellenlänge. Ich schaffte es während eines »Rudelshootings« bei dem »Model«, das einzige und ehrliche Lachen des ganzen Tages auf ihr Gesicht zu zaubern.
Erst 5 Jahre später habe ich dann die Leidenschaft zur Portraitfotografie entwickelt. Ich fotografiere vorwiegend Männer.

 
(Slideshow by click on pic)

 
Wo findest du die Männer, die du portraitierst?
Anfangs habe ich auf Facebook Männer kontaktiert, deren Gesichter mir zugesagt haben. Irgendwann kam dann auch Instagram dazu. In der Zwischenzeit hat sich da nicht sehr viel geändert. Ich hoffe immer noch, dass mit der Zeit die Mundpropaganda als Hauptfindungsquelle heraussticht.

Musst du die Männer zum Foto überreden, oder sind sie selbst schnell bereit dazu?
Männer sind einfacher zu händeln als Frauen. Zum größten Teil sind sie mit ihrem Aussehen zufrieden. Da meine Bilder durch meine Bearbeitung die Menschen nicht unbedingt jünger machen, kommen sie auch mit diesen Bearbeitungsergebnissen eher klar.

Deine Portraits zeigen die Männer meist im Halbdunkel, harte Kontraste spielen oft auch eine Rolle, ebenso schwarzweiß. Was bewegt dich, sie vorzugsweise in diesem Stil zu fotografieren?
Mir ist es wichtig, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Eben auf das Gesicht des Models. So wenig Licht wie möglich und so viel wie nötig. Farben lenken m.E. vom Hauptmotiv ab. Deshalb sind 99 % meiner Bilder in SW gehalten. Übrigens habe ich das Gefühl, dass Männer es durchaus mögen, wenn sie etwas härter dargestellt werden, als sie in Wirklichkeit sind.

Interessieren dich auch die Biografien der Männer, die du fotografierst, oder reicht dir der bildliche Ausdruck von ihnen?
Mich interessiert die Biografie eines jeden Menschen. Ich bin eine gute Zuhörerin. Ein Shootingtermin dauert bei mir recht lange. Meistens treffe ich die Menschen vorher zum Gespräch. Das MUSS sein. Ich nehme mir Zeit für die Menschen. Nur wenn sie sich bei mir wohl fühlen und genügend Vertrauen zu mir gefasst haben, können meine Bilder entstehen. Also, man muss schon mit bis zu vier Stunden pro Shooting rechnen. Auf jeden Fall beim ersten Termin. Wenn man sich schon einige Male getroffen hat, kommt man natürlich schneller zum Thema 😉

Wo fotografierst du die Männer? Kannst du ein Studio nutzen?
Ich habe die Möglichkeit, in meinem kleinen Home-Studio zu fotografieren. Dort kenne ich das Licht, weiß was ich machen kann. Hin und wieder, aber sehr selten, fotografiere ich auch draußen, wobei ich da die Ergebnisse, die ich haben möchte, meistens nicht erreiche. Es gibt leider (oder zum Glück) wenige solche dunkle Ecken in unserer Welt 😉

Hast du einen Lieblingsmenschen, den du gern fotografierst?
Einen Lieblingsmenschen? Nein, das kann ich so nicht behaupten. Manche dieser Models sind in der Zwischenzeit richtig gute Freunde für mich geworden. Ich behaupte mal, die Portraitfotografie ist wie ein spannendes Buch zu lesen. Ich lese ein Buch auch gerne zweimal. Es muss aber schon extrem schwierig oder spannend sein, damit ich es ein drittes Mal in die Hand nehme. Dann lese ich lieber ein neues Buch und lasse mich auf die neue Geschichte ein. Beim ersten Shooting ist es sehr spannend zu sehen, zu welchen Ergebnissen man kommt. Spannend für beide. Beim zweiten Shooting weiß ich eigentlich schon ungefähr, welche Bilder, welche Lichtstimmungen ich einfangen will. Beim dritten ist es nur noch Inszenierung. Und das mag ich nicht.

Mit welchem Blick schaust du auf Männer, mit welchem auf Frauen – die du ja auch fotografierst? Was ist gleich, was ist anders für dich als Fotografin?
Wenn man fotografiert, vor allem Portraits und sehr oft Close-Ups wie ich es tue, kann man nicht mehr normal sehen. Immer ist im Hinterkopf der Gedanke, wie könnte ich diese Person fotografieren, wie kann ich die Züge dieses »Wesens« einfangen. Manche(r) Fotograf(in) findet es einfacher, Frauen zu fotografieren. Ich bin genau der gegensätzlichen Meinung. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Frauen auf Bildern so aussehen möchten, wie sie in Wirklichkeit sein möchten. Das ist bei Männern meistens nicht der Fall. Sie akzeptieren, wie sie aussehen. Manchmal kommt der Spruch: »Jetzt weiß ich, wie ich in 10-20 Jahren aussehen werde«. Von Zeit zu Zeit werden Bilder von mir als »Rohmaterial« behandelt. Ich tobe mich dann gerne daran aus. Diese Bilder haben dann allerdings mit der Realität nicht mehr sehr viel zu tun. Die Menschen sehen dann sehr viel älter, härter, eckiger und kantiger aus.

Möchtest du etwas erreichen mit deinen Bildern? Was?
Mit meinen Shootings bzw. meinen Bildern möchte ich einiges erreichen. Als erstes der persönliche Aspekt: Für mich ist die Fotografie eine Möglichkeit, wenn nicht sogar DIE Möglichkeit, mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen. Ich liebe es, mich zu unterhalten oder Unterhaltungen zu lauschen. Und sehr oft fällt mir nach einem Shooting auf, wie glücklich ich eigentlich sein sollte, bei den Schicksalen, die mir oft erzählt werden.
Und der andere Aspekt ist die Zufriedenheit des fotografierten Menschen. Sehr viele Menschen, die nicht »modelmäßig« vor der Kamera stehen, empfinden sich als nicht fotogen. Und genau das Gegenteil möchte ich beweisen. Ich möchte zeigen, dass jeder Mensch seine ureigene Schönheit hat. Wenn ich diese aufzeigen kann, dann hat sich für mich das Shooting »gelohnt«.

Was macht dich glücklich in der Fotografie?
Glücklich macht mich der Moment, in dem die Menschen, die vorher ziemlich »klein« zu mir kamen, mit geradem Rücken und einem Lächeln im Gesicht mein Studio verlassen. Einfach gesagt: Es macht mich glücklich, Menschen glücklich machen zu dürfen oder es sogar zu können.

 
Ina Buskens, Jg. 1958, lebt und arbeitet in Duisburg. Ihre Bilder, von denen hier nur ein sehr kleiner Teil zu sehen ist, sind zu finden in ihren Accounts bei Facebook sowie bei Instagram. Wer sich von Ina fotografieren lassen möchte, darf gern Kontakt aufnehmen und die Konditionen erfragen.



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Luftalarm

Schauen wir in den Himmel, sehen wir was ist. Und gehen entspannt oder besorgt in den Tag. Der was wohl bringen wird?

Frau mit geschlossenen Augen in einem lost place

Text: Frank Keil
Foto: jodofe, photocase.de

Aus leider düsterem Anlass: ein Männerbuch-der-Woche-Special, 8te KW. Heute ist es ein Jahr her, dass der russische Staat samt seinem Militär die souveräne Ukraine überfallen hat. Beobachtungen, Eindrücke, Verarbeitungen, Bewältigungen von Yevgenia Belorusets (»Anfang des Krieges – Tagebuch aus Kyjiw«), Irina Rastorgueva (»Das Russlandsimulakrum«), Alhierd Bacharevič (»Sie haben schon verloren – Repression und Revolte in Belarus«) und Katja Petrowskaja (»Das Foto schaute mich an«) zu einer Invasion, deren Ende nicht in Sicht ist.

Zu den Rezensionen

Zeitenwende

Beleidigungen in der Postmoderne

Parkbank mit Grafitti

Text und Foto: Alexander Bentheim | »Bilder und ihre Geschichte« #17

Satire, ein Orthographieproblem oder einfach nicht zugehört? Jedenfalls war der Schmunzler perfekt, als wir im Hamburger Stadtpark an dieser Bank vorbeikamen. »Ein Sohn mit nur einer Uhr?«, »Jemand, der es mit der Pünktlichkeit so genau nimmt, dass er auf seine Verabredung keine 5 Minuten wartet?« Fragen über Fragen. »Hauptsache, er tickt noch ganz richtig«, bemerkte ein Freund. Alles andere ist dann egal.



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