Die Angst zum Freund machen

Angst ist richtig übel. Am allerübelsten ist Angst im Dunkeln. Aber wie Orion, der kleine Held der Geschichte, diese Angst zu seinem Freund macht, ist wirklich außergewöhnlich.

Junge im Lichtschatten einer Jalousie

Text: Ralf Ruhl
Foto: Elisabeth Bergdolt, photocase.de

 
Mama hat keine Ahnung, also von den Dingen, vor denen Orion Angst hat. Wie Spinnen, Gewitter, Monster, das Weltall, Mädchen, der Kleiderschrank. »Blühende Fantasie«, sagt Mama. Davor müsse man ja nun wirklich keine Angst haben. Hat Orion aber doch, und da nützt so ein Gerede rein gar nichts … »Orion und das Dunkel« ist ein witziges, wunderbar illustriertes Bilderbuch von Emma Yarlett für Kinder ab 3 Jahre.

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Die Welt, in Stücke zerlegt

Ein gutes Buch, das einen durcheinander wirbelt, muss nicht neu und auf irgendeiner Bestseller-Liste zu finden sein. Gut, das sollte es schon sein. Und manchmal ist es auch mehr als das.

ein Soldat 1915 im Lazarett

Text: Frank Keil
Foto: Archiv Alexander Bentheim

 
Männerbuch der Woche, 22te KW. – Miloš Crnjanski zerlegt in »Tagebuch über Carnojevic« fortlaufend die Welt und baut sie immer wieder neu auf.

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Die Einsamkeit des Anglers

Man(n) kann einen schweren Fehler machen, ja. Doch dann muss man alles daransetzen, ihn zu korrigieren zu versuchen. Wenn nicht, wird es bitter.

Mensch mit Fangnetz und Tauchhelm steht im Fluss

Text: Frank Keil
Foto: Seleneos, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 20te KW. – Matthias Jügler erzählt in »Maifliegenzeit« von einem grund-verzweifelten Angler, der mit dem Sprechen und Offenlegen ringt.

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Der ganz große Fußballtraum

Einmal zum Probetraining bei einem großen Verein eingeladen werden – kann dieser Traum für einen Einwandererjungen wahr werden? Bei all den rassistischen Vorurteilen und sozialen Ausgrenzungen?

zwei Jungen spielen Fußball

Text: Ralf Ruhl
Foto: Karlsbart, photocase.de

 
Den ganzen Abend in der Frittenbude seines Vaters stehen, das nervt Kian gewaltig. Nicht nur der Mief des Fettes. Oder die blöden Sprüche der Kids aus der Schule. Vor allem nervt es, dass er nur einmal in der Woche zum Fußballtraining darf. Zusätzlich am Wochenende zu den Spielen. »Das reicht«, meint sein Vater. Und verweist darauf, dass schließlich seine Pommes mit Currysoße die ganze Familie ernähren, und das nicht nur wortwörtlich … – »Kian geht aufs Ganze!« von Bali Rai ist weit mehr als eine klassische Fußballgeschichte!

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»Wer Bock hat, mir zu folgen, der folgt.«

Ein digitaler, in allererster Linie aber analoger Weg zu sich selbst.

Text: Alexander Bentheim
Foto: Alexander Bentheim | Sascha Bolte

 
Der Nord-Süd-Trail ist ein Fernwanderweg durch Deutschland, vom nördlichsten Punkt an der Nordspitze der Insel Sylt zum südlichsten Punkt am Haldenwanger Eck im Allgäu. Als inoffizieller, aber mit über 3.600 Kilometern längster Fernwanderweg nutzt der Nord-Süd-Trail das vorhandene Wegenetz vieler Wanderwege, aber auch freie Querverbindungen zwischen den einzelnen Fernwanderwegen. So wurden 35 traditionelle Wanderwege und über 30 National- und Naturparks in 10 Bundesländern für den Nord-Süd-Trail miteinander verbunden, dass er auch als »der kulturhistorische Fernwanderweg im Herzen Europas« bezeichnet wird.
Sascha Bolte, in Hamburg auch bekannt als »Der Educat« für Schulungen, Beratungen, Marketingfragen und digitale Teilhabe im Bereich Social Media, hat diesen Weg, den manche auch einen Soultrail nennen, für sich entdeckt und ist nun unterwegs. »Ich hab‘ die Reißleine gezogen. Und diese Leine, die schnapp ich jetzt, denn irgendjemand hat sich bei mir angeklinkt und hat mich langsam, aber sicher über eine ganze Zeit lang immer weiter runtergezogen. Und das hat dazu geführt, dass ich irgendwie weniger Antrieb hatte, weniger Motivation, weniger Emotionen, alles ziemlich traurig, und ich konnte einfach nicht mehr. Und dann hab‘ ich gesagt: Pause! Und jetzt versuche ich den Nord-Süd-Trail zu wandern. (…) Ich habe 3620 Kilometer Zeit und ich hoffe, dann kann ich Herr oder Frau Depression zur Rede stellen und wieder eine richtige Gefühls-WG eröffnen, mit Emotionen, Freude, Trauer, Leute vermissen, alles. Das wäre ein Traum. Also: Let‘s go!«
Man kann Sascha, der seinen Weg am 29. April im Norden Sylts startete, auf seiner Wanderung folgen, die er auf seinem Instagram-Account mit Fotos und Videos kommentiert. Und ab und an beantwortet er auch Fragen. – Allzeit guten Weg, Sascha!

Lottoglück Finnland

Wie will ich leben und wo ist mein Platz? Wie muss ich leben, weil es nun mal mein Leben ist? Und dann ist da noch die Frage, nach dem eigenen Lebensraum, den man sich nimmt.

Mann mit Rad und Schirm in einer albanischen Stadt

Text: Frank Keil
Foto: myn, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 18te KW. – Pajtim Statovci erzählt in »Meine Katze Jugoslawien« vom Aufeinanderprallen und Auseinanderbrechen verschiedener Daseinswelten, wo man doch nur für sich sein Leben gestalten und glücklich sein möchte.

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Von der Insel zum Festland, möglicherweise

So wächst man also heran. Wird groß und erwachsen, wie man so sagt. Doch was ist unterwegs passiert, das wir noch herumtragen mit uns?

Frau in einem Treppenhaus

Text: Frank Keil
Foto: maximka11, photocase.de (Symbolbild)

 
Männerbuch der Woche, 17te KW. – Dilek Güngör nähert sich in ihrem Roman »A wie Ada« Szene um Szene anrührend dem komplizierten Leben und setzt sich ihm aus.

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Wenn Mama brüllt …

… wird Papa immer kleiner. Und das macht dem achtjährigen Aaron Angst. Denn die Familie, die eigentlich Sicherheit bieten sollte, wird so zum Ort der Gefahr.

ein kleiner trauriger Junge hält sich die Ohren zu

Text: Ralf Ruhl
Foto: LP, photocase.de (Symbolbild)

 
Endlich greift ein Kinderbuch – von Clemens Fobian (Text) und Eva Planet (Illustration), angeregt von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz – das Thema »Häusliche Gewalt gegen Männer« auf. Und zwar richtig gut!

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Von Männern für Männer

Das Bundesweite Männertreffen findet vom 8.-12. Mai im Jugendgästehaus Duderstadt zum 42. Mal statt – und mann kann noch teilnehmen, ganz ohne Bollerwagen.

Text und Interview: Alexander Bentheim
Foto: Orga-Team 2024

 
Seit 1983 gibt es das Bundesweite Männertreffen, das jährlich über die Himmelfahrtstage stattfindet, immer an wechselnden Orten, selbst organisiert von engagierten Teilnehmern, mit und für Männer jeden Alters und Vätern mit ihren Kindern. Dabei ist das Männertreffen so lebendig, emotional und vielseitig wie die Männer, die daran teilnehmen und sich in Workshops, zu Spaziergängen und Gesprächen finden. Das Männertreffen lebt durch das, was die Teilnehmer daraus machen: etwa kulturell-musikalische Angebote wie Trommeln, Didgeridoo, tanzen, Chor-Singen und malen, oder Bewegendes und Sportliches wie Boxen, Bogenschießen, Schwertkunst, Aikido, Fußball, Volleyball. Es kann aber auch philosophiert und gemeinsam zurückgeschaut werden auf gemeinsame Erfahrungen und Freundschaften, die über die Jahre entstanden sind. Ebenso gibt es Selbsterfahrungsangebote, eine Schwitzhütte, Meditationen, Entspannungsmassagen. Auch Gesprächsrunden zu vielen aktuellen Männerthemen finden statt. Ob kollektiv oder ganz individuell ausgerichtet: es ist schön und tut gut, jemanden zu finden, der die eigenen Interessen oder Erfahrungen teilt. Jeder Teilnehmer kann auch sein persönliches Projekt vorstellen und sich Anregungen und Feedback bei anderen Männern holen. Das Treffen bietet somit auch ein Testfeld, auf dem man in einem geschützten Rahmen etwas ausprobieren kann.

Philipp und Thorsten, ihr seid Teil des Orga-Teams des diesjährigen Treffens – was waren die Motive, euch in diesem Team zu engagieren? Und wird es einen Kickertisch geben?
[Philipp] Für mich ist das Motiv, eine Idee lebendig zu erhalten, und dafür einen Beitrag zu leisten, vielleicht auch etwas zurückzugeben an und in eine Gemeinschaft, die mir wichtig geworden ist, weil sie mein Leben bereichert. Neben den verpflichtenden Arbeiten macht es über die zwei Jahre aber auch viel Spaß, solch ein Treffen vorzubereiten und festzustellen, wie wir alle im Team Lösungen auch für unerwartete Probleme finden können. Und ja, einen Kicker gibt es im Haus, damit der Kopf auch mal freigeräumt werden kann 🙂
[Thorsten] Das Bundesweite Männertreffen ist für mich eine Antwort auf die Frage nach einer friedvollen Welt. Und das 42. Männertreffen ist natürlich – mit Douglas Adams gesprochen – die Antwort auf die Frage aller Fragen, nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

Warum sollte Mann am Männertreffen teilnehmen?
[Philipp] Weil die Teilnahme so oder so eine Bereicherung bedeutet und Impulse für die eigene Weiterentwicklung geben kann. Ob in den Workshops oder in den Begegnungen mit den anderen teilnehmenden Männern während der vier Tage: es gibt immer etwas Neues zu entdecken, zu erleben, zu erfahren.
[Thorsten] Das Männertreffen ist ein Ort von Männern, die auf dem Weg sind für Männer, die auf dem Weg sind. Bunt, hierarchiefrei, selbstbestimmt, mit viel Erfahrung und offen für Neues und neue Wege; von Profis bis Schnupperern sind alle dabei. Es entwickelt sich seit 42 Jahren immer wieder neu.

Welche Männer kommen zum Männertreffen?
[Philipp] Die Bandbreite an Teilnehmern kann man als kleinen Spiegel der Gesellschaft bezeichnen, altersmäßig, berufsbezogen, beziehungsorientiert. In der Regel sind es Männer, die sich auf den Weg gemacht haben, um ihr Mannsein zu erforschen, Antworten auf Fragen zu finden und ihre Perspektiven zu erweitern.
[Thorsten] Die Männer, die da sind, bringen eine (mehr oder weniger große) Offenheit mit, sich zu zeigen und mit anderen Männern in Kontakt zu kommen. Männer, die teilweise ganz schön anders sind als man selbst. Und manchmal (im Kern) viel näher oder ähnlicher, als zunächst erwartet. Das Treffen spricht eher Männer an, die sich selbst einbringen wollen, als Männer, die ein durchgeplantes Männerseminar erwarten. Mit der Möglichkeit für alle anwesenden Männer, Workshops anzubieten oder zu besuchen, bleibt viel Freiraum, auch in dem Austausch dazwischen.

Was sagen Männer am Ende über das Treffen, wenn sie zum ersten Mal dabei waren?
[Philipp] Das beantwortet jeder Mann individuell und anders. Aber er verlässt das Treffen mit vielen neuen Eindrücken und vielleicht auch Ideen, wie er diese in seinem alltäglichen Leben umsetzen kann. Wenn er die Tage für sich und mit anderen genutzt und genossen hat, wird er vielleicht wiederkommen. Das haben wir oft erlebt und ist auch meine eigene Geschichte.
[Thorsten] Ja, und auch meine Geschichte. Ich bin im Jahre 2009 mit einem großen Gefühl der Freude und Verbundenheit nach Hause gefahren. Und wiederholt wiedergekommen.

 
Interessierte Männer können sich noch anmelden. Alle Infos und überhaupt viel zu stöbern gibt es hier: www.maennertreffen.info.

Der Sohn als Herausforderung

Wird es ein Mädchen? Oder wird es ein Junge? Das ist nicht egal, gerade wenn man sich alle Mühe gibt, dass es egal sein soll.

Kleiner Junge auf dem Arm seiner Mutter

Text: Frank Keil
Foto: tschanga, photocase.de (Symbolbild)

 
Männerbuch der Woche, 16te KW. – Shila Behjat streitet sich in ihrem klugen Buch »Söhne grossziehen als Feministin« mit sich selbst.

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