Papa mit Herz und Hand

Eine Depression betrifft die gesamte Familie – in diesem Kinderbuch kümmert sich der Vater um alles, was die Situation erträglicher macht.

Vater versorgt die Wunde des Sohnes mit einem Pflaster

Text: Ralf Ruhl
Foto: Pavel Danilyuk, pexels.com

 
Eine seelische Krankheit, vor allem eine Depression, betrifft die gesamte Familie. Im sehr realistisch illustrierten Bilderbuch »Wilmo« von Francis Kaiser kümmert sich der Vater mit viel Herz und Hand um die Kinder und seine erkrankte Frau. Und hält damit die Familie zusammen.

Zur Rezension

Männer und Depression – das stumme Leiden

Nach neuestem Wissensstand sind wesentlich mehr Männer von Depressionen betroffen als bislang bekannt. Die ARTE-Dokumentation zeigt, warum »männliche Depressionen« oft unentdeckt bleiben, beleuchtet aktuelle Erkenntnisse zur Diagnostik und Behandlung sowie Möglichkeiten, das mitunter tödlich endende Schweigen der Männer zu überwinden.

Mann sitzt traurig an einem Tisch

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Andrew Neel, pexels.com


In den meisten europäischen Ländern sind Frauen doppelt so häufig wegen Depressionen in Behandlung wie Männer. Zugleich gelten Depressionen als Hauptursache für Suizide und unter den jährlich 47.000 Menschen, die sich in der EU das Leben nehmen, befinden sich dreimal so viele Männer wie Frauen. Wie kann das sein?

Tatsächlich sind sehr viel mehr Männer depressiv. Ihre Krankheit wird jedoch häufig nicht diagnostiziert – unter anderem, weil sie sich als vermeintlich »starkes« Geschlecht keine Hilfe suchen. Alex McClintock aus Perth in Schottland will dieses Rollenbild überwinden; er hat eine Gruppe gegründet, in der Männer über ihre Gefühle sprechen.
Depressionen bei Männern bleiben oft auch unerkannt, weil sie sich häufig hinter unerwarteten Symptomen wie etwa aggressivem Verhalten verstecken. Eine Klinik in der Nähe von Paris bietet die Behandlung von aggressivem Verhalten bei »männlichen« Depressionen an. Dort hat sich Vincent Rouchère schon mehrmals behandeln lassen. »Meine Traurigkeit kann ich nicht rauslassen. Ich weiß nicht, wie man weint«, sagt er. »Dieser Überfluss an Traurigkeit ist in Wut umgeschlagen.« In der Klinik lernt er, seine Wut zu kanalisieren und wieder Zugang zu den dahinter liegenden Emotionen zu finden.

Depressionen bei Männern geraten zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Die Dokumentation von Ole Neugebauer (Deutschland 2024, 53 Minuten) blickt auf den aktuellen Stand der Depressionsforschung und zeigt, wie männliche Betroffene von einer geschlechtersensiblen Prävention sowie einer auf Männer zugeschnittenen Diagnostik und Behandlung profitieren. Der Film ist in der ARTE-Mediathek noch verfügbar bis zum 15.01.2026.

Zucker fürs Zockerhirn

Ein eindrücklicher Kinderroman über Armut, Mobbing und das tägliche Überleben in diesen Verhältnissen.

Hinterkopf einer Person vor dem laufenden Fernseher

Text: Ralf Ruhl
Foto: sör alex, photocase.de

 
Armut ist grausam. Das erfährt Jana tagtäglich. Schon, weil sich niemand in der Schule neben sie setzen will. Wie Armut das Familienleben mit Papa bestimmt und wie die clevere Zehnjährige einen Ausweg findet, das beschreibt Rachel van Kooij fast zärtlich in ihrem Kinderroman »Eher fällt der Mond vom Himmel«.

Zur Rezension

Kinder als Mitbetroffene im Männergewaltschutz

Eine neue Publikation der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz in Dresden stellt Projekte und Perspektiven in verschiedenen europäischen Ländern vor.

ängstlicher Junge am Fenster

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Tanya Gorelova, pexels.com


Kinder erleben häusliche Gewalt zwischen Eltern oder anderen familiären Bezugspersonen direkt oder indirekt mit, sie sind damit Mitbetroffene und haben spezifische Unterstützungsbedarfe. Die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) hat aus diesem Grund Berichte von Fachakteur*innen aus Deutschland, Finnland, der Schweiz, Liechtenstein, den Niederlanden und Luxemburg zusammengetragen.
Die Publikation geht zunächst auf grundlegende Definitionen, Formen, Ursachen, Risiko- und Schutzfaktoren sowie Folgen von häuslicher Gewalt für Kinder ein. Sie liefert auch einen Überblick dazu, wie häufig und auf welche Weise Kinder von häuslicher Gewalt betroffen sind, wie häufig sie mit ihren Eltern in Schutzeinrichtungen unterkommen und welche rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland bestehen. Ergänzend werden Berichte und Beispiele aus den genannten europäischen Ländern präsentiert, die betroffenen Vätern und ihren Kindern in MSE Schutz und Ruhe sowie Beratung und Unterstützung bieten. Die Publikation beleuchtet dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Hilfesystemen. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass und wie Männer und ihre Kinder in den untersuchten Ländern von häuslicher Gewalt betroffen sind und Hilfsangebote in Anspruch nehmen, und dass Väter bisher nur selten gemeinsam mit ihren Kindern in eine Männerschutzeinrichtung (MSE) einziehen – ein deutlicher Unterschied zu den Strukturen im Frauengewaltschutz.

Die Veröffentlichung versteht sich als Ergänzung zur etablierten Expertise des Frauengewaltschutzes und verdeutlicht, dass Kinder, die Gewalt im häuslichen Umfeld erleben, eigene Unterstützungsangebote zur Verarbeitung des Erlebten benötigen. Auch Väter brauchen Hilfen, um ihre Rolle als präsente und verantwortungsvolle Bezugsperson zu gestalten. Zudem wird kritisch beleuchtet, wie stereotype Vorstellungen von Geschlechterrollen in Institutionen – etwa Polizei oder Jugendämtern – Entscheidungen beeinflussen können, die gravierende Folgen für Kinder haben. Daher richtet sich die Publikation insbesondere an Fachkräfte des Gewaltschutzes, an Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher Gewalt und deren Kinder, und an Mitarbeiter*innen der ministerialen und Verwaltungsebene. Ziel ist nicht nur, die Bedarfe und Bedürfnisse betroffener Kinder sichtbar zu machen und zu zeigen, wie Kinder in MSE Unterstützung erfahren, sondern auch empfehlend auf bestehende Entwicklungspotenziale hinzuweisen, etwa geschlechtergerechte Sensibilisierungsmaßnahmen für mit dem Thema befasste Berufsgruppen.

Zur Publikation »Kinder als Mitbetroffene im Männergewaltschutz«, die von Jana Peters und Clemens Göhler erarbeitet und im September 2025 als Nummer 7 der BFKM-Publikationsreihe veröffentlicht wurde.

Schnittstellen, die angenehmen

Ein Besuch bei Raymon, Frisenleger im niederländischen Enschede

Text: Alexander Bentheim
Fotos: Susanne Ehrchen
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Einen Termin bei Raymon hatten sie schon, Robin und Jojo, und sie schwärmten von seinen Frisierkünsten, seiner Freundlichkeit, seiner Ausstrahlung, seit vielen Jahren schon. Mein Kopf war auch mal wieder fällig, nur war ich nicht sicher, worauf ich mich einließ, als Robin sagte: »Ich ruf Raymon an, vielleicht passt es ja, und du kommst auch dran.« Es passte, Raymon hatte neben den beiden Reservierungen noch etwas Zeit, dann ging es in die Niederlande, direkt in seinen kleinen Salon in Enschede. Angenehme Düfte, viele Elvis-Bilder, noch mehr Elvis-Musik, ein Stuhl vor dem Spiegel, zwei Stühle zum Warten. Es folgte eine gute Stunde mit launigen Geschichten nach dem Woher und Wohin und Wieso und Überhaupt, über die Raymon sein professionelles und routiniertes Hand- und Kopfwerk nicht vergaß. Am Ende vollste Zufriedenheit, wir werden ihn wieder besuchen.

 
(Slideshow by click on pic)



Raymon kann man folgen auf Instagram und bei Facebook. Oder ihn in seinem Salon besuchen im Gebäude des Tetem, Stroinksbleekweg 16, 7523 ZL Enschede.



»Love me gender«

Eine persönliche Momentaufnahme

junger Mann mit Gitarre

Text: Marc Melcher
Foto: Pavel Danilyuk, pexels.com
Schwerpunkt »Endlichkeiten«


Diesen Song habe ich während meiner Weiterbildung zum Genderpädagogen beim Bayrischen Jugendring in Gauting 2007 geschrieben. Zwischen intensiven Gesprächen, Perspektivwechseln und kollektiven Aha-Momenten entstand der Text – wie ein Echo auf das, was da zwischen uns in der Gruppe passierte. Ich habe mich erinnert: an das Ringen um Begriffe, an das Loslassen alter Muster, an das Wachsen in Vielfalt.
Damals lief viel Blumfeld in meinen Kopfhörern – die »Hamburger Schule« hat meinen Blick auf‘s Schreiben und Fühlen geprägt. Diese Mischung aus poetischer Klarheit und emotionaler Wucht hat mich inspiriert, mich selbst in Sprache aufzulösen.
Jetzt, Jahre später, fühlt es sich richtig an, diesen Text zu teilen. Vielleicht, weil das Thema aktueller ist denn je. Vielleicht, weil ich heute klarer sehe, was damals schon angelegt war: ein Song zwischen Denken und Fühlen, zwischen Konstruktion und Sehnsucht. – Hier ist er:

[#1]
Teil eines Ganzen
dazu verdammt, dich zu lösen
von Ideologien & Verstand
von Mustern & Rollen
von der Realität ins Niemandsland

[Refrain]
Love me gender, hier und jetzt
immer wieder
ins Unendliche vernetzt

[#2]
den Sinn der Vielfalt zu verstehen
das Ganze zu begreifen
ohne Ende zu sehen

[Refrain]
Love me gender, hier und jetzt
immer wieder
ins Unendliche vernetzt

[Bridge]
die Komplexität des Wahnsinns trifft mich wie ein Pfeil
am Ende zieht gar nichts – nur jemand schreit
die Geschlechter vereint und trotzdem verloren
wie es scheint

[Refrain / Outro]
Love me gender, hier und jetzt
immer wieder
ins Unendliche vernetzt
Love me gender…
immer wieder…
ins Unendliche vernetzt…

Männliche Teilnehmer für sprachtherapeutische Studie gesucht

Untersuchung zur Entwicklung diagnostischer Verfahren in einfacher Sprache und über visuelle Mittel für Menschen mit Sprachproblemen.

ein Mann mit Sonnenbrille sitzt an einem Computer

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Mikhail Nilov, pexels.com


Für eine Promotion im Bereich der Sprachtherapie und Psychologie an der Universität Bielefeld führt Louise Nagel-Held aktuell eine Studie zur Erfassung negativer Befindlichkeiten durch, für die sie dringend noch sprachlich gesunde männliche Teilnehmer sucht, weil aktuell ein sehr großes Ungleichgewicht hinsichtlich der Geschlechterverteilung innerhalb der Stichprobe vorliegt. Zum Verständnis und Hintergrund: eine Beeinträchtigung der sprachlichen Gesundheit bezieht sich auf Störungen, die beispielsweise durch einen Schlaganfall ausgelöst werden können und dann z.B. die Wortfindung und/oder das Sprachverständnis betreffen. Stottern, lispeln, Aussprachestörungen etc. gehören ausdrücklich nicht dazu! Insofern kann fast jeder Mann an der Studie teilnehmen; als Teilnahmevoraussetzungen gelten nur Deutsch als Erst-/Muttersprache und ein Mindestalter von 16 Jahren.

Es handelt sich um eine Vorstudie zur Entwicklung diagnostischer Verfahren in einfacher Sprache oder über visuelle Mittel für Menschen mit Sprachproblemen, zum Beispiel im Rahmen einer Aphasie nach Schlaganfall. Die an der Befragung Teilnehmenden können dabei helfen, ein zuverlässiges Verfahren zu entwickeln, mit dessen Hilfe Menschen mit einer Sprachstörung (Aphasie) zu ihrer Befindlichkeit befragt werden können. In der Studie wird untersucht, inwiefern der Fragebogen zur Patientengesundheit (Patient Health Questionnaire PHQ) mit einer sprachlich vereinfachten Version desselben Fragebogens vergleichbar ist. Außerdem wird untersucht, inwiefern Zeichnungen die Symptome einer depressiven Verstimmung messen können.

Die Umfrage kann online ausgefüllt werden, dauert ungefähr 10-15 Minuten und erfolgt anonym. Die Studie ist leider nur auf einem Computer/Tablet durchführbar, weil die Antwortmöglichkeiten auf Mobilgeräten teilweise nicht mehr richtig zugeordnet sind.

Weitere Infos und einen Kontakt für Rückfragen gibt es im Vortext zur online-Befragung, die bis einschließlich 26. Mai hier abrufbar ist:

https://ww3.unipark.de/uc/nagel-held_Universit__t_Bielefel/dcd9/

Der junge Mann und der alte Schwede

Eine Liebe im Abendlicht.

junger Mann umarmt am Elbstrand einen Felsbrocken

Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Arne war zu Besuch in Hamburg. Arne ist mein mittlerweile erwachsenes Patenkind. Und Arne ist Boulderer. Klettert gerne auf alles, was Kanten, Ecken, Vorsprünge und Nischen hat, damit die Hand Grip und der Fuß Halt hat. Am Hamburger Elbstrand bei Oevelgönne liegt ein großer Granitstein, der alte Schwede, eine echte Herausforderung für alle, die es mit ihm aufnehmen wollen!
Eher zufällig kamen wir dort vorbei, Arnes Augen leuchteten und er checkte den Schweden von allen Seiten nach möglichen Aufstiegspunkten. Ohne aber passende Schuhe, Magnesium und zu schon vorgerückter Stunde blieb es bei einer Umarmung. Vielleicht gibt es mal ein Wiedersehen der beiden.



Mehr aus der Reihe »Bilder und ihre Geschichte« gibt’s im Archiv.

»Vorfahrten, die es längst nicht mehr geben dürfte«

In einer aktuellen Veröffentlichung wird analysiert, wie männerdominierte Netzwerke in Autokonzernen, Wissenschaft, Politik und Lobbyverbänden eine »zukunftsfähige Mobilität« verhindern.

Person mit buntem Regenschirm wird nassgespritzt von vorbeifahrendem Auto

Text/Interview: Thomas Gesterkamp
Foto: Fotoline, photocase.de

 
In einem früheren Buch hat Boris von Heesen untersucht, welchen gesellschaftlichen Preis das Patriarchat verursacht, »Was Männer kosten« lautete der plakative Titel. In seinem jüngsten Werk nimmt sich der Darmstädter Ökonom nun den »Mann am Steuer« vor: jenen (nicht unbedingt die Mehrheit bildenden) Teil des männlichen Geschlechts, der mit überdimensionierten Fahrzeugen, aggressivem Verhalten und unangemessener Lautstärke die deutschen Straßen beherrscht. – Ein Gespräch mit dem Autor.

Zur Rezension

Schmerzgewinn

Was hat ein Junge davon, wenn es weh tut?

Narbe auf einer Hand

Text: Ralf Ruhl
Foto: Alexander Bentheim

 
»Die schönste Wunde« von Emma Adbåge ist ein großartiges Bilderbuch, das zeigt, wie ein Junge – und eine ganze Schulklasse – lernen kann, mit Schmerz und Verletzung umzugehen. Denn es gibt Trost, Aufmerksamkeit, und eine bleibende Erinnerung!

Zur Rezension