Die Angst zum Freund machen

Angst ist richtig übel. Am allerübelsten ist Angst im Dunkeln. Aber wie Orion, der kleine Held der Geschichte, diese Angst zu seinem Freund macht, ist wirklich außergewöhnlich.

Junge im Lichtschatten einer Jalousie

Text: Ralf Ruhl
Foto: Elisabeth Bergdolt, photocase.de

 
Mama hat keine Ahnung, also von den Dingen, vor denen Orion Angst hat. Wie Spinnen, Gewitter, Monster, das Weltall, Mädchen, der Kleiderschrank. »Blühende Fantasie«, sagt Mama. Davor müsse man ja nun wirklich keine Angst haben. Hat Orion aber doch, und da nützt so ein Gerede rein gar nichts … »Orion und das Dunkel« ist ein witziges, wunderbar illustriertes Bilderbuch von Emma Yarlett für Kinder ab 3 Jahre.

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Aggression als Ressource für Beziehungen

Seminarreihe über 4 Wochenenden ab 27. April 2024 (bis November) in Hamburg

Zwei Frauen, die sich von Angesicht zu Angesicht anschreien

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: nektarstock, photocase.de

 
»Konflikte wagen, Aggression entgiften, Klarheit gewinnen« – zu dieser Herausforderung laden Thomas Scheskat (Göttinger Institut für Männerbildung) und Heide Gerdts Frauen, Männer und diverse Menschen ein. Ob als Einzelne, als Paare oder zusammen mit Freund*innen geht es über diese vier Reisestationen:

:: Aggression – im erweiterten Sinn als Grundkraft und Ressource;
:: Sexualität als erotische Lebenskraft;
:: Abschied, Endlichkeit und Loslassen von idealen Beziehungserwartungen;
:: Lebenserfüllung im Alltag zwischen Wollen und Sollen.

Gearbeitet wird in einer festen Gruppe auf der Grundlage von Körperpsychotherapie, Tiefenpsychologie und weiteren Humanistischer Disziplinen. Details zur Reihe wie Ort, Anmeldung, Termine, Kosten etc. finden sich hier.

Es sind aktuell noch 3 Plätze frei.

Der hat uns gerade noch gefehlt!

Zukünftig melden wir uns regelmäßig bei euch – mit einem Newsletter

Mann mit Zeitung im Café

Text: Frank Keil
Foto: inuit, photocase.de

 
Neulich stand ich mit meinem Sohn auf der Wiese vor dem Bundestag. Wir waren zwei von gut Hunderttausend, die gegen den Rechtsruck in unserem Land demonstrierten. Es lag Schnee, es war kalt, aber uns war warm. Ich mit meinem Vater auf einer Demo? Undenkbar. Er hätte das nicht gewollt und ich vermutlich auch nicht.
Eine Generation weiter ist vieles anders. Zum Glück. Was auch notwendig ist, schaut man in die Welt und wie sie bedroht ist, wie sie zum Teil in Flammen steht. Und wie zugleich die alten, überwunden geglaubten Rollenbilder zurückkehren. Wie ein Mann zu sein hat und wie eine Frau und was eine Familie ist und was nicht und ein Dazwischen soll es nicht (mehr) geben. Der ganze alte Scheiß ist wieder da – so denke ich an schlechten Tagen. Und zugleich ist viel Aufbruch, viel Hoffnung, viel Erproben, was möglich ist und jedem und jeder guttun könnte, mit allem Recht zum Irrtum. Unsere Felder, unsere Anliegen. Unsere Männerwege, auf denen wir gehen, sozusagen.

Wir haben bisher keinen Newsletter verschickt, um gezielt auf unsere Texte und Interviews und Rezensionen und Fotos aufmerksam zu machen. Falsche Bescheidenheit? Vielleicht. Scheu vor der Arbeit? Möglich. Skepsis, ob ein Newsletter wirklich gelesen wird? Auch das.
Aber: Probieren wir es doch aus! Ab jetzt wird es einen Newsletter geben, einmal im Monat.

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Männer und Trauma

Ursachen, Reaktionen, Beispiele und weitere Informationen des Arbeitskreis MännerGesundheit Hamburg

Mann hinter verregneter Glasscheibe
Texte: Frank Omland, Sigurd Sedelies, Dr. Wolfgang John, Detlef Gause, Alexander Bentheim
Foto: Z2sam, photocase.de (Symbolbild)

 
Alle Menschen können traumatische Erlebnisse erfahren haben. Das öffentliche Bewusstsein zum Thema »Männer und Traumata« ist aber eher gering ausgeprägt. Das gilt auch für viele Männer persönlich: Sie wissen oft nicht, ob sie ihren Wahrnehmungen und Empfindungen trauen können und wie sie belastende Erlebnisse bewerten dürfen.

In der anhängenden Dokumentation haben wir zentrale Erkenntnisse zu Ursachen und Reaktionsweisen von Männern auf ein Trauma zusammengestellt, erläutern Traumata anhand von Fallbeispielen und informieren über Hilfeangebote. Unsere Erkenntnisse sollen betroffene Männer und deren Angehörige bei der Suche nach Wegen aus schwierigen Situationen unterstützen. Wir hoffen, dass das gelingt.

Die Informationen unseres Arbeitskreis MännerGesundheit Hamburg (2003-2019) wurden für die Dokumentation im Herbst 2023 sowie für die Website aktualisiert.

»Aus dem Tagebuch eines Blindgängers«

Jürgen Flegers »Schmunzelgeschichten aus dem lichtleeren Raum« als Verständigungsangebot für sehende Menschen.

Text: Alexander Bentheim
Foto: ozzuboy, photocase.de

 
Für sehende Menschen ist es oft ein Rätsel: Wie kann man ohne Augenlicht überleben? »Ganz gut!«, findet Jürgen Fleger, »hilfreich ist allerdings, wenn man genügend Erfahrungen sammeln konnte und ein paar Tricks und Kniffe gelernt hat«.
Jürgen Fleger ist seit gut 30 Jahren komplett blind und weiß, wovon er spricht. Denn er ist schon recht viel herumgekommen in der Welt. Alleine, oder in Begleitung seiner Blindenführhunde, hat er fast alle Länder Europas bereist, war auch in Indien, Nord- und Südamerika. Und hat von überall her »wirklich erlebte« Anekdoten mitgebracht, in denen er kurzweilig und mit Humor beschreibt, was einem blinden Menschen passieren kann, wenn er offenen Ohres durch’s Leben geht. Er beschreibt Erlebnisse, in denen es mal lustig und mal schon einigermaßen gefährlich zuging. Dabei erklärt er anschaulich, wo die Probleme für blinde Menschen liegen können und macht sehenden Menschen Lust, nochmal über ihre bisherigen Strategien für Hilfsangebote nachzudenken. Jürgen Fleger nimmt mit in seine unsichtbare Welt und gibt praktische Tipps, wie jede*r blinde Menschen im Alltag gut unterstützen kann.

Zur Geschichte

»Du machst mir Angst!«

Neues Video der Männerberatung der AWO Werra-Meißner und des Institut NoMos im YouTube-Kanal »Täterberatung Häusliche Gewalt«

Clown mit Maske im Halbdunkel

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Alexander Bentheim

 
Angst kennt jeder. Niemand will sie spüren. Weil sie mit Gefühlen von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein verbunden ist. Werden diese Gefühle ersetzt und überlagert mit Aggression und Gewalt, lösen sie Verunsicherung und genau diese Ängste aus bei jenen, die man liebt oder die einem sonst wichtig sind: Partner*in, Kinder, Angehörige.
Ralf Ruhl, Männerberater der AWO im Werra-Meißner-Kreis, und Robert Moos, Täter*innenberater beim Institut NoMos, zeigen in ihrem neuen Video:
_ welche Wirkung Angst auf die körperliche, seelische und soziale Gesundheit hat,
_ welche psychischen und sozialen Ursachen hinter angstauslösendem Verhalten stecken,
_ wie man* einen Weg aus diesem schmerzhaften Kreislauf finden kann.

NEU: »Du machst mir Angst!« (6’18“)

Die weiteren Videos als Einzelbeiträge:
:: Empathie – So lernst du Mitgefühl (4’54“)
:: Du hast es in der Hand – Vorstellung des Tutorials (4’30“)
:: Dein Krisenthermometer (4’04“)
:: Wut, Kränkung, Provokation (4’13“)
:: Dein Notfallplan (3’25“)
:: Bilanz und Konsequenzen der Tat (6’56“)
:: Gewaltspirale und Kreislauf der Liebe (6’40“)
:: Kinder und Häusliche Gewalt (5’23“)
:: Häusliche Gewalt und Kinder – Experte Manuel Schwab (7’09“)
:: Verhalten entsteht im Kopf (3’45“)
:: So gelingt Kommunikation (6’32“)
:: Wenn die Polizei kommt (7’25“)
:: Paardynamik (7’55)

Zum Videokanal Täterberatung Häusliche Gewalt mit allen Beiträgen

Gefühle lernen

Empathie lernen und die eigenen Gefühle wahrnehmen – wie das geht, wird in diesem Kinderbuch für die Jüngsten deutlich.

glücklicher Junge mit geschlossenen Augen

Text: Ralf Ruhl
Foto: LP, photocase.de

Was geht in dem Jungen vor, dem die Haare zu Berge stehen, dessen Gesicht rot angelaufen ist, der den Mund weit aufgerissen hat und der wild gestikuliert? Wie geht es dem Mädchen, das die Hände vor dem Bauch kreuzt, dessen Augen groß sind und leicht grau, das zusammengesunken da steht und offensichtlich nicht mit den anderen im Hintergrund spielen darf? Mit »In mir … und in den anderen« schreiben und zeichnen Karen Glistrup und Pia Olsen ein Buch über Kinder und ihre Gefühle. Höchst empfehlenswert vor allem für Eltern und pädagogisches Personal.

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Nicht allzu viele Worte und dennoch enorm viel Bedeutung

Immer diese langen Texte. Immer diese endlosen Romane. 1000 Seiten – und mehr. Es geht auch anders: runterdimmen, um wieder auf Touren zu kommen.

Mann sitzt mit Stift über einem Papier

Text: Frank Keil
Foto: aoo3771, photocase.de

Männerbuch der Woche, 22te KW. – Kurz, sehr kurz und sehr, sehr kurz und immer wieder sehr komisch: Jürgen Hosemann versammelt in »Papierkorb« wunderbarste Miniaturen und textliche Erprobungen zum Bewahren und also Aufheben und Bedenken.

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Erektion auf Rezept

Vor 25 Jahren wurde das Potenzmittel Viagra zugelassen, damals eine pharmazeutische Sensation. Medizin und Sexualtherapie streiten aber bis heute über die Wirksamkeit.

ein Mann macht eine Fingerbewegung für einen Größenvergleich

Text: Thomas Gesterkamp
Foto: fabsn, photocase.de


Erektionsprobleme sind nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu. Den betroffenen Männern sind ihre Schwierigkeiten oft peinlich, sie reden darüber nicht mal mit engen Freunden. Stattdessen kaufen und schlucken sie heimlich potenzfördernde Mittel, oft ohne jede medizinische Beratung. Dieser rein pharmakologische Zugang war wissenschaftlich stets umstritten. Wichtiger als die Einnahme von Medikamenten sei die psychische Auseinandersetzung mit den eigenen Schwierigkeiten, kritisieren vor allem Sexualtherapeuten. Hinter der Kontroverse steckt auch die Rivalität der heilenden Professionen. Während die Medizin auf physiologische Befunde wie verengte Blutgefäße verweist, betont die Psychologie die vorrangige Rolle der Seele. Zum Wesen der Sexualität gehöre ihre Unkalkulierbarkeit, kein Mann könne die körperlichen Anzeichen von Erregung willkürlich hervorrufen.

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»Herr Süfke, wieso arbeiten Sie in Teilzeit?«

Interviews, die ein bisschen sind wie Achterbahn-Fahren: eine perverse Freude beim ersten Mal, aber auf Dauer wird einem schlecht davon.

Achterbahn

Text: Björn Süfke
Foto: pepipepper, photocase.de

Telefonanruf Journalist*in: »Herr Süfke, darf ich Sie ganz direkt fragen: Wieso arbeiten Sie in Teilzeit?«
Ich: »Weil wir drei Kinder haben.«
Journalist*in: »Ja, ich weiß … ich meinte natürlich: Was ist Ihre Motivation, in Teilzeit zu arbeiten?«
Ich: »Naja, würde ich Vollzeit arbeiten, wären ja die Kinder alleine zuhause …«
Journalist*in: »Nein … also: Ja, sicher! Aber ich meine eher Ihre ganz persönliche, ganz emotionale Motivation?«
Ich: »Ah, Emotionen, das ist gut, das gefällt mir. Warten Sie … Ich schätze, dass ich einfach Angst habe, dass das Jugendamt käme, wenn ich die Kinder alleine zuhause ließe. Außerdem widerspräche das meinem Anspruch an …«
Journalist*in (unterbricht): »Nein, das ist klar, natürlich können die nicht alleine zuhause bleiben … ich meinte: Warum haben Sie entschieden, die Kinder mit ihrer Frau 50/50 zu betreuen?«
Ich: »Äh … weil das unsere gemeinsamen Kinder sind.«
Journalist*in: »Ja, verstehe ich … mich interessieren Ihre Gründe, warum Sie überhaupt …«
Ich (unterbreche): »Ach so, Sie meinen meine Gründe, warum ich überhaupt Vater werden wollte. Ja, das ist tatsächlich mal eine spannende Frage: Warum macht man das? Also, ich im Speziellen … Nun, ich schätze, bei mir war es vor allem …«
Journalist*in (unterbricht): »Ja, das stimmt, das wäre tatsächlich interessant, aber meine Redaktion möchte einen Artikel speziell über Teilzeit bei Vätern und dafür müsste ich wissen, wieso Sie persönlich sich dafür entschieden haben?«
Ich: »Entschieden? Was meinen Sie mit entschieden? Als meine Frau und ich zusammengezogen sind, haben wir doch auch nicht entschieden, die Miete zu teilen. Eine Entscheidung wäre es, die Miete vollständig allein zu übernehmen, vor allem bei diesen Miet …«
Journalist*in (unterbricht): »Okay, vergessen Sie mal den Begriff entscheiden! Unsere Zeitung möchte Ihnen einen Preis verleihen Aktiver Vater des Monats und dafür bräuchte ich ein paar Worte zu Ihrer Entscheidung … also, Ihrer … äh …«
Ich: »Ein Preis? Für mich? Das ist ja großartig, dann könnte ich das so machen wie Marlon Brando damals bei den Oscars … Ich schicke dann einfach eine alleinerziehende Mutter mit 4 Kindern und 3-Zimmer-Wohnung, die auch Teilzeit arbeitet, die kann dann den Teilzeit-Preis in meinem Namen entgegennehmen … Hallo? Sind Sie noch da?«

Boah, einfach aufgelegt … vielleicht hätte ich das mit Marlon Brando nicht sagen sollen …

Meine Frau: »Wer war denn dran?«
Ich: »Ach, es wollte wieder jemand wissen, warum ich Teilzeit arbeite.«
Meine Frau: »Mein Güte, dass diese Snobs sich nicht vorstellen können, dass wir dein Gehalt einfach brauchen.«

Björn Süfke lebt in Bielefeld und arbeitet als Männertherapeut und Autor. Infos zu Büchern, Vorträgen und mehr finden sich auf seiner Website. News zu seiner Arbeit gibt es auch auf seinem Instagram-Profil.