Ist Stehlen gerecht?

Den Begüterten nehmen, den wirklich Bedürftigen geben. Der alte Robin-Hood-Mythos ist vor allem in linken Kreisen sehr beliebt. Aber stimmt das in jedem Fall? Wer zahlt zuletzt? Und welche Motive stecken wirklich dahinter?

Hand rafft Geldscheine zusammen

Text: Ralf Ruhl
Foto: Tima Miroshnichenko, pexels.com

 
Fragen über Fragen, in jeder Generation neu gestellt, und Nina Weger geht ihnen nach, in ihrem äußerst spannenden Jugendbuch »Fair. Ohne Kompromisse«, mit empathischem Blick für die Jungen und Mädchen.

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Vaterschaft, die stille Revolution im Körper

Vater zu werden ist ein sowohl emotional als auch körperlich einschneidendes Ereignis im Leben eines Mannes; Neurobiologie und Anthropologie befassen sich zunehmend mit diesen Zusammenhängen. Eine ARTE-Dokumentation zeigt, dass Männer in einem förderlichen gesellschaftlichen Rahmen ihr väterliches Potenzial voll entfalten können.

zwei Männer pflegen ein Kleinkind

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Karola G, pexels.com


Seit 1965 verbringen Väter in Deutschland, Frankreich und vielen anderen westlichen Ländern viermal so viel Zeit mit ihren Kindern wie früher. Doch was bedeutet das für sie? Mit dem wissenschaftlich lange vernachlässigten Thema Vaterschaft befassen sich heute Forschende verschiedener Disziplinen, von der Neurobiologie bis zur Anthropologie.
Der US-Anthropologe Lee Gettler hat herausgefunden, dass sich bei Männern, die kürzlich Väter wurden, der Hormonhaushalt verändert: Der Testosteronspiegel sinkt, während das Stresshormon Cortisol und das »Bindungshormon« Oxytocin ansteigen. Noch überraschender: Je mehr sich ein Vater um sein Kind kümmert, desto stärker fällt dieser Effekt aus – und über die Epigenetik können diese Veränderungen sogar an die nächsten Generationen weitergegeben werden.

Doch nicht nur Biologie prägt die Vaterschaft. Der französische Bioakustiker Nicolas Mathevon widerlegt das Klischee, dass nur Mütter das Weinen ihres Babys sicher erkennen. Entscheidend dafür ist allein, wie viel Zeit ein Elternteil mit dem Kind verbringt.
Und die israelische Neurobiologin Ruth Feldman zeigt: Bei schwulen Vätern, die gemeinsam ein Kind großziehen, aktivieren sich im Gehirn sowohl typisch »mütterliche« als auch »väterliche« Areale. Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy bestätigt diese Hypothese und betont die Bedeutung der sogenannten »Allo-Eltern«, die die biologischen Erzeuger beim Großziehen des Nachwuchses unterstützen.

Dass Väter für die Entwicklung ihrer Kinder wichtig sind, ist kein modernes Phänomen. Studien an Baumsteigerfröschen und Nachtaffen belegen, dass väterliche Fürsorge in der Evolution schon früh überlebenswichtig war. Beim Menschen kommt es jedoch auf den gesellschaftlichen Rahmen an: In tansanischen Ethnien, wo Väter stark in die Kindererziehung eingebunden sind, haben sie messbar weniger Testosteron als kinderlose Männer.
Die Botschaft der Forschung ist damit klar: Väter sind nicht nur »Helfer«, sondern prägen ihre Kinder biologisch und emotional – wenn die Umstände es zulassen (was im Umkehrschluss aber auch bedeutet: wenn es die Umstände nicht zulassen oder verhindern, hat dies ebenso Auswirkungen). Die Dokumentation von Jacqueline Framer zeigt, wie Vaterschaft Männer tiefgreifend prägt und warum die Bindung zwischen Vater und Kind für unsere Gesellschaft essenziell ist.

Die ARTE-Dokumentation wird gesendet am 06.12.25 und ist dort in der Mediathek verfügbar bis einschließlich 05.02.26.

Zucker fürs Zockerhirn

Ein eindrücklicher Kinderroman über Armut, Mobbing und das tägliche Überleben in diesen Verhältnissen.

Hinterkopf einer Person vor dem laufenden Fernseher

Text: Ralf Ruhl
Foto: sör alex, photocase.de

 
Armut ist grausam. Das erfährt Jana tagtäglich. Schon, weil sich niemand in der Schule neben sie setzen will. Wie Armut das Familienleben mit Papa bestimmt und wie die clevere Zehnjährige einen Ausweg findet, das beschreibt Rachel van Kooij fast zärtlich in ihrem Kinderroman »Eher fällt der Mond vom Himmel«.

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Kinder als Mitbetroffene im Männergewaltschutz

Eine neue Publikation der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz in Dresden stellt Projekte und Perspektiven in verschiedenen europäischen Ländern vor.

ängstlicher Junge am Fenster

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Tanya Gorelova, pexels.com


Kinder erleben häusliche Gewalt zwischen Eltern oder anderen familiären Bezugspersonen direkt oder indirekt mit, sie sind damit Mitbetroffene und haben spezifische Unterstützungsbedarfe. Die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) hat aus diesem Grund Berichte von Fachakteur*innen aus Deutschland, Finnland, der Schweiz, Liechtenstein, den Niederlanden und Luxemburg zusammengetragen.
Die Publikation geht zunächst auf grundlegende Definitionen, Formen, Ursachen, Risiko- und Schutzfaktoren sowie Folgen von häuslicher Gewalt für Kinder ein. Sie liefert auch einen Überblick dazu, wie häufig und auf welche Weise Kinder von häuslicher Gewalt betroffen sind, wie häufig sie mit ihren Eltern in Schutzeinrichtungen unterkommen und welche rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland bestehen. Ergänzend werden Berichte und Beispiele aus den genannten europäischen Ländern präsentiert, die betroffenen Vätern und ihren Kindern in MSE Schutz und Ruhe sowie Beratung und Unterstützung bieten. Die Publikation beleuchtet dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Hilfesystemen. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass und wie Männer und ihre Kinder in den untersuchten Ländern von häuslicher Gewalt betroffen sind und Hilfsangebote in Anspruch nehmen, und dass Väter bisher nur selten gemeinsam mit ihren Kindern in eine Männerschutzeinrichtung (MSE) einziehen – ein deutlicher Unterschied zu den Strukturen im Frauengewaltschutz.

Die Veröffentlichung versteht sich als Ergänzung zur etablierten Expertise des Frauengewaltschutzes und verdeutlicht, dass Kinder, die Gewalt im häuslichen Umfeld erleben, eigene Unterstützungsangebote zur Verarbeitung des Erlebten benötigen. Auch Väter brauchen Hilfen, um ihre Rolle als präsente und verantwortungsvolle Bezugsperson zu gestalten. Zudem wird kritisch beleuchtet, wie stereotype Vorstellungen von Geschlechterrollen in Institutionen – etwa Polizei oder Jugendämtern – Entscheidungen beeinflussen können, die gravierende Folgen für Kinder haben. Daher richtet sich die Publikation insbesondere an Fachkräfte des Gewaltschutzes, an Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher Gewalt und deren Kinder, und an Mitarbeiter*innen der ministerialen und Verwaltungsebene. Ziel ist nicht nur, die Bedarfe und Bedürfnisse betroffener Kinder sichtbar zu machen und zu zeigen, wie Kinder in MSE Unterstützung erfahren, sondern auch empfehlend auf bestehende Entwicklungspotenziale hinzuweisen, etwa geschlechtergerechte Sensibilisierungsmaßnahmen für mit dem Thema befasste Berufsgruppen.

Zur Publikation »Kinder als Mitbetroffene im Männergewaltschutz«, die von Jana Peters und Clemens Göhler erarbeitet und im September 2025 als Nummer 7 der BFKM-Publikationsreihe veröffentlicht wurde.

Seele auf Halbmast

So wunderbar seitenstarke Bücher sein können … manchmal braucht es nur ein Bündel Seiten und man taucht anhaltend ein in eine komplex-illustrierte Welt.

Hand und Bein eines Mannes

Text: Frank Keil
Foto: Rein Van Oyen, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 33te KW. – Édouard Louis erzählt in »Wer hat meinen Vater umgebracht« unfassbar genau, zupackend und produktiv von einer Sohn-Vater-Hass-Liebe.

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Pech und Schwefel

Es gibt viele verständlich-verschlungene Gründe, in den Alkohol zu flüchten und ihn nicht mehr loszuwerden. Doch je nach Klassenlage sind sie sehr unterschiedlich angelegt.

ein Mann mit einem Glas hinter einer Rehe von Flaschen

Text: Frank Keil
Foto: Maxal Tamor, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 32te KW, im Doppelpack. – Alex Schulman erzählt in »Vergiss mich« von der tiefen Alkoholsucht seiner beruflich durchaus erfolgreichen Mutter und noch mehr von seinen eigenen Verstrickungen; Lena Schätte taucht in »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« in die keinesfalls eindimensionale Welt einer prekär-lebenden Kleinfamilie ein, in der es ebenfalls um Alkohol geht.

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Das einfache Kind

Wenn die Mutter oder der Vater älter wird, allmählich hinfällig, womöglich ernsthaft krank, dann wird es Zeit, noch einmal genau auf die Familie und ihr Leben zu schauen.

Vater und Tochter in der Küche

Text: Frank Keil
Foto: Pavel Danilyuk, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 30te KW. – Didi Drobna lässt in ihrem autofiktionalen Roman »Ostblockherz« am Ende genau dieses höher schlagen.

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Nicht nur im Himmel

Papa ist gestorben. Die Trauer ist unermesslich. Und doch können Freude und Fröhlichkeit wieder im Leben Einzug halten. Aber langsam. Langsam.

Junge liegt auf einem Sofa und schaut in die Höhe

Text: Ralf Ruhl
Foto: altanaka, photocase.de

 
»Seit Papa nicht mehr da ist, ist er einfach überall.« Mit diesen Worten beginnt der kleine Junge seine Erzählung vom Tod seines Vaters – und seiner Trauer. Alles war schwarz wie ein Tintenfleck und Papa wie ein Dinosaurier, ausgestorben, unauffindbar. Dabei sei er doch gar nicht böse gewesen, denkt der Junge, wütend vor sich hinstarrend in dem großen Sessel, der viel zu groß erscheint … Emilie Chazerand und Sebastien Pelon’s »Papa ist überall« ist ein herzerwärmendes Bilderbuch über den Tod und das, was fehlt.

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Die Stimmung zuweilen gelöst

Mit Anzug und Krawatte in die Hochschule

Studenten 1950er Jahre im Hörsaal

Text und Foto: Georg Schierling
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Studenten der Universität in Köln (Studentinnen gab es noch keine!), Klassenzimmer Anfang der 1950er Jahre: schwarze Schultafel mit Kreide, die Tische angeschrägt, die Stimmung zuweilen gelöst. Dahinter die Garderobe: manche Herren kamen mit Hut zum Unterricht, etliche von ihnen in Anzug und Krawatte. Einer von ihnen: mein Vater. Studiengang: Heizungsingenieur.

Mehr Bilder von Georg gibt es hier.


Und mehr aus der Reihe »Bilder und ihre Geschichte« gibt’s im Archiv.

Der Großvater an der Bar, hemdsärmelig

Es gibt diesen einen Sommer, wo sich so vieles ändert. Und wo man lernt, dass gerade die Erwachsenen durch ganz eigene Untiefen waten.

zwei lachende Kinder in einem Auto

Text: Frank Keil
Foto: Nestor Ovilla, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 48te KW. – Mischa Kopmann schickt in seinem wunderbaren Roman »32. August« seinen heranwachsenden Protagonisten mit offenen Augen in eine nur auf den ersten Blick idyllische Welt.

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