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»Ein seltsamer Wachtraum«

Eine Kultur des Dialogischen in Zeiten des Direktiven

Zwei Männer auf einer Bank unterhalten sich

Frank Keil

Männerbuch der Woche, 21te KW. – Was werden wir erinnern? Und was wird an Erinnertem bleiben? Noch sind wir darin verfangen, die Gegenwart auch nur ansatzweise zu begreifen. Die plötzlich so anders ist als geplant. Da trifft es sich gut, dass Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach sich in dem Trostbüchlein »Trotzdem« über die Corona-Krise unterhalten und die Rechtsgeschichte der Einschränkung diskutieren. (Foto © deVante | photocase.de)

Zur Rezension

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0800 123 9900

Neue Hotline für von Gewalt betroffene Männer und Männer*

Ein nachdenklicher Mann

Alexander Bentheim (Redaktion)

Männer erleben Gewalt, erleiden Gewalt, erdulden Gewalt – in der Kindheit, auf der Straße, in Institutionen oder auch in der Partnerschaft. So weisen etwa die polizeilichen Kriminalstatistiken jährlich wiederkehrend aus, dass etwa 3/4 aller von körperlicher Gewalt betroffenen Menschen männlich sind.

Während Frauen sich bereits seit den 1970er Jahren auf breiter gesellschaftlicher Ebene für ihren Schutz, für Rat und Hilfe einsetzten, lautete ein traditionelles männliches Mantra zu oft noch: »Indianer kennen keinen Schmerz«, oder: »Was einen nicht umbringt, macht einen härter«. Die Geschichte der Kritik an solchen (pädagogischen) Überzeugungen ist lang und kennt insbesondere aus der Jungen- und Männer(bewegungs)arbeit viele Initiativen, Projekte und Förderungen mit dem Ziel, solch ungesunden Einstellungen praktisch und emphatisch entgegenzuwirken. – Daher nun äußerst erfreulich: mit dem »Hilfetelefon Gewalt an Männern« gibt es einmal mehr eine auch geschlechterpolitisch relevante Maßnahme, Rat und Hilfe für von Gewalt betroffene Männer zu bündeln und ein Unterstützungsnetz mit bundesweiter Bedeutung aufzubauen.

Das Hilfetelefon ist zu erreichen unter 0800 1239900 zu diesen Sprechzeiten: montags-donnerstags von 9-13 Uhr sowie 16-20 Uhr und freitags von 9-15 Uhr. Parallel gibt es die Möglichkeit, Kontakt auch per Mail an beratung@maennerhilfetelefon.de aufzunehmen und sich auf der Website www.maennerhilfetelefon.de vorab oder weiter zu informieren. Dort wird u.a. erläutert, was unter Gewalt verstanden wird und welche Formen und Dimensionen es gibt: Häusliche Gewalt, Gewalt im öffentlichen Raum, Sexualisierte Gewalt, physische Misshandlungen in der Kindheit, Zwangsheirat, Mobbing, Stalking/Cyberstalking, psychische Gewalt, Gewalt mit Diskriminierungsbezug.

Finanziell gefördert wird es von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Bayern, umgesetzt wird das Männerhilfetelefon von der man-o-mann männerberatung in Bielefeld und der Beratungsstelle »via – Auswege aus der Gewalt« der AWO Augsburg.
Neben der Beratung für direkt betroffene Männer gibt es eine Unterstützung für Angehörige oder Fachpersonal, sich über Hilfsmöglichkeiten für gewaltbetroffene Männer zu informieren; die Sprechstunde für Fachpersonal wird in Bielefeld montags von 9-10 Uhr unter der Telefonnummer 0521. 68676 angeboten, die in Augsburg gibt es mittwochs von 15-16 Uhr unter der Telefonnummer 0821. 45033920. (Foto © Meder | photocase.de)

Weitere Links:
> gemeinsame Pressemitteilung der Länder NRW und Bayern
> das Statement der NRW-Ministerin Ina Scharrenbach zum Start des Hilfetelefons
> Pilotstudie »Gewalt gegen Männer in Deutschland« (im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2004) als Kurzfassung oder als Langfassung

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Sozialraumanalyse mit Jungengruppen

Das Lernfeld Stadtteilbegehung und die Technik der Autofotografie

Ein fotografierener Junge

Matthias Scheibe

Dass sozialraumanalytische Techniken in der Jungenarbeit gewinnbringend eingesetzt werden können, lässt sich anhand konzeptionell und methodisch strukturierter Stadtteilbegehungen gut darstellen. Innovativ ist hierbei, dass die Lebenswelten von Jungen gemeinsam mit ihnen auf Bedeutungszusammenhänge hin »abgeklopft« werden und damit für sie zusätzliche, auch neue Erkentnnisse über die Verortung in den eigenen Lebenswelten, Wertvorstellungen, Bedürftigkeiten erbringen können. Zusammen mit neun Studenten des Vertiefungsmoduls »Genderreflektierende Jungen- und Männerarbeit« testete der Autor – unter Einsatz der Autofotografie – eine solche (simulierte und dann ausgewertete ) Stadtteilbegehung. (Foto © Jonathan Schöps | photocase.de)

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Survival-Kit für Männer unter Druck

Ein Merkblatt für Männer, die in der Corona bedingten Krise Verhaltenshinweise suchen, um besser mit Sorgen, Ängsten und schlechten Gefühlen umzugehen

Mann mit geschlossenen Augen denkt nach

Alexander Bentheim (Redaktion)

Corona stresst? Alles zu viel? Stimmung am Siedepunkt? In einer Krisensituation steigt das Risiko, die Kontrolle zu verlieren. Mit dem Survival-Kit für Männer unter Druck erscheint eine konkrete 10-Schritte-Handlungsempfehlung, die betroffene Männer dabei unterstützt, Stressmomente in der Corona-Krise zu bewältigen und zur Prävention häuslicher Gewalt beizutragen. Sie enthält auch Hinweise zu Beratungsstellen (z.b. über www.männerberatungsnetz.de), damit Gewalt als Ventil für Stress nicht zur Option wird.

Das Survival-Kit für Männer unter Druck geht hervor aus einer gemeinsamen Initiative der Dachorganisationen für Jungen-, Männer- und Väterarbeit aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, der männer.ch, dem Dachverband Männerarbeit Österreich und dem Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer & Väter e.V., in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Agredis, dem männerbüro züri und der Fachstelle Gewalt Bern.

Um der angespannten Lage in der Corona-Krise schnell Rechnung zu tragen, wurde das Projekt mit hohem Tempo umgesetzt. Erfahrene Fachmänner aus drei Gewaltberatungsstellen (Agredis Luzern, mannebüro züri, Fachstelle Gewalt Bern) haben zusammen mit den Dachverbänden die Empfehlungen in kürzester Zeit erarbeitet und fachlich abgestützt. Sie liegen bereits in acht Sprachen vor (albanisch, deutsch, englisch, französisch, italienisch, polnisch, spanisch, ungarisch), neun weitere sind in Kürze verfügbar (arabisch, dari/farsi, kurdisch, portugiesisch, russisch, serbokroatisch, Ttamil, tigrinya, türkisch) und werden nach und nach zum Download bereitgestellt.

Die deutche Fassung befindet sich hier im Anschluss, die anderen Sprachen sind downloadbar vom Portal des Bundesforum Männer. Wir freuen uns, wenn die Merkblätter einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und Männer über diese miteinander ins Gespräch kommen. (Foto © obeyleesin | photocase.de)

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