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Durch die Wüste

Vom afrikanischen Dorf ins deutsche Großstadtleben

Ein Schmied bearbeitet ein heißes Eisen

Stefan Moes

Als ich Abiel Ende April 2017 kennenlernte, wirkte er kindlich und verlegen. Er schaute seinem Gesprächspartner nicht ins Gesicht, sondern drehte beim Gespräch den Kopf zur Seite. Das verstärkte den Eindruck von Unsicherheit. In seiner Heimat sei es Sitte, Erwachsene nicht direkt anzusehen, erklärte er. Bis dahin hatte ihm niemand gesagt, dass sein Blick zur Seite nicht nur unhöflich wirkte, sondern in unserer Kultur auch als Zeichen für Verschlagenheit genommen werden könnte.
Abiel war damals 18 Jahre alt. Ein Flüchtling aus Eritrea. In Hamburg bekam er ein Zimmer in einer betreuten Jugendwohnung, Taschengeld und einen Platz in einer Flüchtlingsklasse der Berufsschule. Er brauchte nicht lange, um einzusehen, dass er sich nicht länger auf kulturelle Gewohnheiten aus der Heimat berufen konnte. »Kultur ist, was man ändern kann«, erklärte ich ihm. Wenn er in Deutschland Erfolg haben wolle, müsse er hiesige Verhaltensweisen anzunehmen lernen.
Drei Jahre lang hatte die Flucht durch den Sudan, die Sahara und übers Mittelmeer gedauert – eine furchtbare Erfahrung, erzählte Abiel. Er wollte sich dem Zugriff des Militärs entziehen, das Männer wie Frauen zum unbefristeten Dienst heranzieht. Und er wollte etwas aus sich machen, einen Metallbauer. Diesen Beruf hat sein Vater. (Foto © esebene | photocase.de)

Zum gesamten Rückblick
Zu den vorausgehenden Tagebuchaufzeichnungen

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Wenn Kinder verstummen

Mit Kindergartenkindern über sexuellen Missbrauch sprechen

Illustration zu einem Kinderbuch

Ralf Ruhl

Mit Kindergartenkindern über sexuellen Missbrauch sprechen ist ein schwieriges Unterfangen. In ihrem Bilderbuch »Was ist los, Joschi Bär?« zeigen Brigitte Endres (Text) und Anna Karina Birkenstock (Illustrationen), was es dazu braucht: Eltern, die präsent sind, einfühlsam – und stark. (Bild © Anna Karina Birkenstock | Aracari Verlag)

Zur Rezension

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Beratung für Männer* bei sexualisierter Gewalt

Neues Beratungsangebot von »basis-praevent« in Hamburg

Hand mit Telefonhörer

Alexander Bentheim (Redaktion)

Die Hamburger Beratungsstelle »basis-praevent« hat ihre Arbeitsbereiche erweitert um ein Beratungsangebot für Männer*, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Damit können nun Jungen*, Männer*, Angehörige und Fachkräfte unabhängig ihres Alters beraten werden – kostenlos und auf Wunsch anonym. Alle weiteren Infos finden sich im Flyer und im Internet unter www.basis-praevent.de. (Foto © rclassen | photocase.de)

Für Interessenten in diesem Themenbereich macht basis-praevent auf zwei aktuelle Fortbildungen aufmerksam (alle Infos hinter den Links):
23. September 2019: Jungen* als Betroffene von sexualisierter Gewalt
24. Oktober 2019: Psychische Traumatisierungen – Einführung

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»Ich freue mich auf Samstag treffen«

Über die Anstrengungen der Integration. Ein Tagebuch.

Verbundenheit

Stefan Moes

24. April 2017. Vor mir steht Abiel, ein schlanker, hoch aufgeschossener junger Mann mit feinen Gesichtszügen. Vor zwei Jahren floh er aus Eritrea nach Europa. Er kann das schon gut auf Deutsch erzählen. So kalt habe er sich Deutschland nicht vorgestellt. In seiner Heimat scheine immer die Sonne. Bei der Ankunft in Italien habe er am Strand schlafen können. Das muss er in Hamburg nicht. Abiel teilt sich mit zwei anderen Flüchtlingen eine betreute Jugendwohnung.
Jeden Morgen stehe er um vier Uhr auf, erzählt er, um in eine überbetriebliche Ausbildungsstätte zu fahren. In einem Praktikum lerne er dort den Umgang mit Metall. Sein Betreuer, ein Sozialpädagoge, ergänzt: Abiel gehe in die 10. Klasse. Mit dem Lesen hapere es noch, auch das Schreiben falle ihm schwer. Wir reden ein wenig über seine Pläne. Was passiert, wenn er keine Arbeit findet? (Foto © kb-photodesign | photocase.de)

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