Einmal durch den Kopf von Karl Ove Knausgård spazieren

Heute will alles fokussiert sein. Auf den Punkt gebracht, effektiv und zeitersparend. Um so besser, wenn man sich mal wieder verliert. Wohin auch immer.

Text: Frank Keil
Foto: ausdemweltall, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 2te KW. – »Im Augenblick« des norwegischen Romanciers Karl Ove Knausgård erweist sich als ein vergnüglich-praller Band mit Reportagen, Essays und Vorlesungen.

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Tiefensuche mit Heinz

Man meint, so gut wie alles über das Schicksal der so genannten Heimkinder zu wissen. Doch genauer hinzuschauen, noch genauer, lohnt immer.

Text: Frank Keil
Foto: Mikhail Nilov, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 50te KW. – Christiane Florin erzählt in »Keinzelfall«, wie Heinz ein katholisches Heim überlebte. Und berichtet von fortlaufender Deklassierung und der bis heute verschleppten Aufarbeitung der Leiden bundesdeutscher Heimkinder gleich mit.

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Eine Kugel im Buch

Bald könnten es vier Jahre sein, die der Angriffskrieg gegen die Ukraine dann wütet. Wie schreibt man darüber, wie vermittelt man das selbstverständliche und alltägliche Grauen den Menschen, die Sicherheit gewohnt sind?

Auto fährt doch vernebelte Berge

Text: Frank Keil
Foto: Callum Hilton, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 47te KW. – Der ukrainische Romancier, Essayist und Lyriker Andriy Lyubka blickt in »Die Rückseite des Krieges« auf die sich ständig verschiebenden Zonen zwischen Front, Hinterland und zuschauendem Ausland.

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»Ganz oben, letzte Reihe«

Trump. Die hohen Zustimmungswerte für die AfD. Der fortlaufende Krieg gegen die Ukraine, der Völkermord im Sudan, dazu die Klima-Krise und all das private Ungemach – Tag für Tag mehr als genug Gelegenheiten wie Gründe, um zu verzweifeln. Und nun?

Text: Frank Keil
Foto: nicolasberlin, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 46te KW. – Heike Geißler nähert sich in ihrem mäandernden und vor allem offenherzigen Essay »Verzweiflungen« den Grundgefühlen unserer Tage.

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Nach dem Schock

Sich einzugestehen, dass man mit seinen Einschätzungen falsch lag, dass man das offensichtliche Unheil nicht hat kommen sehen, obwohl man es hätte erkennen können, ist ein großes Vermögen. Und auch eine Kunst.

Winterlandschaft mit Dörfern von oben

Text: Frank Keil
Foto: Денис Лобанов (Denis Lobanov), pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 43te KW. – Der Historiker, Essayist und Osteuropa-Experte Karl Schlögel schaut in den beiden fulminanten Sammelbänden »Auf der Sandbank der Zeit« und »Entscheidung in Kiew – Ukrainische Lektionen« über die Ukraine und deren Geschichte und Gegenwart immer auch auf sich und wie er so lange unwissend auf dieses grundeuropäische Land geblickt hat.

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Heldenreise über den Kniepsand

Fatih Akin hat die Kindheitserinnerungen von Hark Bohm überzeugend umgesetzt: AMRUM ist ein bewegender Film über die letzten Tage der NS-Diktatur in Nordfriesland, eine komplexe Jungenfreundschaft und eine verschlungene Heldenreise.

Text: Frank Keil
Foto: Gordon Timpen | bombero international GmbH & Co. KG | Rialto Film GmbH | Warner Bros. Entertainment GmbH

 
Morgen schon wird es aus dem Volksempfänger tönen: Der Führer ist tot! Ist gefallen in seinem unermüdlichen Kampf gegen den Bolschewismus. Bis zum letzten Atemzug habe er gerungen, doch es hat nicht geholfen. Nun muss das deutsche Volk ohne ihn auskommen; muss sehen, wie es klarkommt. Und während die einen sich für eine neue Zeit bereithalten, was immer sie auch bringen mag, packt die anderen eine Mischung aus brutalem Trotz und nicht mehr niederzuhaltender Verzweiflung.
Wir sind auf der nordfriesischen Insel Amrum, in stoischer Formation ziehen die alliierten Bomber ihrer Wege, lassen dann und wann noch eine Bombe ins Watt fallen, Ballast abwerfen, denn bald, so sieht es aus, ist es geschafft. Ihnen nach schauen Nanning und Hermann, beste Freunde sind sie, 12 Jahre jung und gerade damit beschäftigt, Kartoffeln zu stecken, statt in der Schule zu sein. Die Erde ist schwer und nass und kaum zu bändigen, der Frühling zeigt sich mürrisch und abweisend und gräulich …

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Durch die Schichten des Schweigens

Wenn etwas vorbei ist, beginnt bald etwas Neues. Das weiß man, auch wenn es nicht hilft, denn alles braucht seine Zeit.

Eine Frau und ein Mann gehen im Lichtkegel einer beschatteten Straße

Text: Frank Keil
Foto: N.O.B., photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 40te KW. – Sehr behutsam verknüpft Sylvain Prudhomme in seinem fabelhaften Roman »Der Junge im Taxi« eine Familiensuche mit dem Ende einer Liebe.

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Was Männlichkeit ist und sein kann

Der Schwerpunkt »Alles für den Mann« in der GenderMediathek der Heinrich-Böll-Stiftung.

Mann hockt zwischen Menschen auf einem Platz und schaut nach oben

Text: Alexander Bentheim
Fotos: froodmat, photocase.de (o.) / Sebastianus, photocase.de (u.)


Historien, Perspektiven, Schnittmengen, Gegenentwürfe … Debatten um Männer und Männlichkeiten gibt es seit den späten 1970er Jahren, sie sind und bleiben auch weiterhin aktuell. Seit Juni 2025 bietet die GenderMediathek der Heinrich-Böll-Stiftung Materialien zur Auseinandersetzung mit diesen Debatten, darunter Videoclips, Erklärfilme, Dokumentationen, Texte und Audioformate zu geschlechterpolitischen und (pro)feministischen Themen: Was sind Herausforderungen für Männer und Männer* heute? Wie kann Vaterschaft (neu) gelebt werden? Wieso sind rechte Strömungen gerade bei jungen Männern beliebt und erfolgreich? Wie kann Gleichberechtigung in der Erziehung aussehen und welche Hürden gibt es dabei? Gibt es eine »toxische Männlichkeit« an sich oder kann sich diese nur kulturell, kontextuell, interaktiv, situativ herstellen? Was macht Männer* aus, insbesondere wenn Männlichkeitsideale nicht überall und für alle gleich sind, weil es zum Beispiel für Männer of Colour, schwule, bisexuelle, heterosexuelle, cis und trans Männer je (gänzlich oder graduell) differierende Ausgangslagen, Entwicklungs- und Ausdrucksmöglichkeiten als auch Perspektiven gibt, die von weiteren sozialen, ökonomischen, kulturellen Faktoren beeinflusst sind?

Erweiterungsoffenheiten vorausgesetzt und eben diese Differenzierungen im Blick, kann man die gängigen und möglichen Ideen von Männlichkeit hinterfragen, bewegen, erproben und nur dadurch die Freiheit erlangen, selber zu bestimmen, was jeden persönlich und lebensweltorientiert ausmacht oder ausmachen könnte. »Doch das wird nicht nur als Chance gesehen«, heißt es erläuternd von der Stiftung zur Veröffentlichung des Schwerpunktes, denn »in den letzten Jahren wurde deutlich, dass viele Männer (und auch Frauen) die alten Rollenbilder erhalten wollen. Sie sehnen sich nach bekannten Richtungen und Strukturen, was leider nicht selten in Politik gegen die Selbstbestimmung aller umschlägt«. Hier mit Klärungshilfen und Bildungsmaterialien die Debatten- und Aktionsfelder gewinnbringend zu erhellen ist Anliegen der umfangreichen Mediathek, die – auch mit Hilfe interessierter Engagierter – weiter wachsen soll. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass »wir keine Medien auf(nehmen), die antifeministische, rassistische, sexistische, trans- und interfeindliche oder andere diskriminierende Inhalte transportieren, Geschlechterstereotype reproduzieren oder Geschlecht essentialisieren« – wobei »uns bewusst (ist), dass es auch da unterschiedliche Sichtweisen und Grauzonen in der Bewertung gibt.«

Die GenderMediathek ist ein kollaboratives Projekt vom Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung mit den 16 Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung; sie entstand im Rahmen des Schwerpunktprojekts »Sichtbar und aktiv – Haltung zeigen!«, das Dozent*innen, Trainer*innen, Multiplikator*innen und Interessierte auf der Suche nach (pro)feministischen und geschlechterbezogenen audiovisuellen Lehr- und Lernmaterialien thematisch systematisiert und zielgruppenspezifisch unterstützt, etwa indem die Materialien über Volltext- oder Schlagwortsuche und Filterfunktionen gefunden werden können und es neben der Beschreibung der Inhalte, den Produzent*innen, technischen Angaben und Bezugsquellen auch Hinweise zum Einsatz der Medien in der Bildungsarbeit gibt.


Theaterleute in lockerer Gesellschaft

Das sitzt!

Neulich im Kunstmuseum – realistisch, gruselig, jugendlich.

Ron Mueck - Plastik Hockender Junge

Text und Foto: Frank Keil
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«



»Ey Digga, Kunst ist echt nicht nice«, das mögen sie gedacht, sich einander zugeflüstert haben, die Jugendlichen, wie sie sich in Klassenstärke an einem Vormittag demonstrativ gelangweilt durch die Räume des ARoS schleppten, dem legendären Kunstmuseum im dänischen Aarhus. Doch dann war plötzlich Stille. War Aufmerksamkeit, war Ergriffenheit: als sie im abgedunkelten Untergeschoss vor der Skulptur »Boy« von Ron Mueck standen. Einer wie sie hockte vor ihnen, nur in riesengroß. Verletzlich, seltsam, dabei naturgetreu, irgendwie auch gruselig, schwer zu verstehen. Und sie zückten ihre Handys.
Mueck, Jahrgang 1958, hat lange fürs britische Kinderfernsehen gearbeitet, für die Sesamstraße, für die Muppet-Show; später gründete er eine Werbeagentur. Bis er genug vom kommerziellen Arbeiten hatte und es ihn zur Kunst zog, wo er zum Glück blieb. Hierzulande wurde er bekannt durch seine Skulptur »Dead Dad«, die lange im Landesmuseum Hannover zu sehen war: sein toter Vater lag vor einem, geschaffen aus Silikon und Fiberglas; kleiner, als er je als Vater war.



Mehr Bilder aus der Reihe »Bilder und ihre Geschichte« gibt’s im Archiv.

Beste Freunde

Ein Kurzurlaub mit dem Rad.

zwei Männer mit Fahrrädern am Fluss

Text und Fotos: Georg Schierling
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Mein Vater mit seinem Freund, 1953, unterwegs auf einer mehrtägigen Radtour mit Kochgeschirr und Zelt, hier zur Erfrischung am Fluss, ob Rhein oder Mosel, Hauptsache Abkühlung. Nach dem Bad hatten die beiden offensichtlich einigen Spaß, sie machten sich verrückte Frisuren, vielleicht hatten sie schon etwas vom Rockabilly gehört, der sich ab etwa Mitte der 1950er Jahre als jugendkultureller Sound und Style etablierte. Vielleicht aber auch nicht, ich erinnere mich, dass das nicht so das »Ding« meines Vaters war. Die Freundschaft aber, eine Verbindung aus der Jugendzeit, hat lange Jahre gehalten.


zwei Männer beim Badespaß


Mehr Bilder aus der Reihe »Bilder und ihre Geschichte« gibt’s im Archiv.