Papa mit Herz und Hand

Eine Depression betrifft die gesamte Familie – in diesem Kinderbuch kümmert sich der Vater um alles, was die Situation erträglicher macht.

Vater versorgt die Wunde des Sohnes mit einem Pflaster

Text: Ralf Ruhl
Foto: Pavel Danilyuk, pexels.com

 
Eine seelische Krankheit, vor allem eine Depression, betrifft die gesamte Familie. Im sehr realistisch illustrierten Bilderbuch »Wilmo« von Francis Kaiser kümmert sich der Vater mit viel Herz und Hand um die Kinder und seine erkrankte Frau. Und hält damit die Familie zusammen.

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Kinder als Mitbetroffene im Männergewaltschutz

Eine neue Publikation der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz in Dresden stellt Projekte und Perspektiven in verschiedenen europäischen Ländern vor.

ängstlicher Junge am Fenster

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Tanya Gorelova, pexels.com


Kinder erleben häusliche Gewalt zwischen Eltern oder anderen familiären Bezugspersonen direkt oder indirekt mit, sie sind damit Mitbetroffene und haben spezifische Unterstützungsbedarfe. Die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) hat aus diesem Grund Berichte von Fachakteur*innen aus Deutschland, Finnland, der Schweiz, Liechtenstein, den Niederlanden und Luxemburg zusammengetragen.
Die Publikation geht zunächst auf grundlegende Definitionen, Formen, Ursachen, Risiko- und Schutzfaktoren sowie Folgen von häuslicher Gewalt für Kinder ein. Sie liefert auch einen Überblick dazu, wie häufig und auf welche Weise Kinder von häuslicher Gewalt betroffen sind, wie häufig sie mit ihren Eltern in Schutzeinrichtungen unterkommen und welche rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland bestehen. Ergänzend werden Berichte und Beispiele aus den genannten europäischen Ländern präsentiert, die betroffenen Vätern und ihren Kindern in MSE Schutz und Ruhe sowie Beratung und Unterstützung bieten. Die Publikation beleuchtet dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Hilfesystemen. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass und wie Männer und ihre Kinder in den untersuchten Ländern von häuslicher Gewalt betroffen sind und Hilfsangebote in Anspruch nehmen, und dass Väter bisher nur selten gemeinsam mit ihren Kindern in eine Männerschutzeinrichtung (MSE) einziehen – ein deutlicher Unterschied zu den Strukturen im Frauengewaltschutz.

Die Veröffentlichung versteht sich als Ergänzung zur etablierten Expertise des Frauengewaltschutzes und verdeutlicht, dass Kinder, die Gewalt im häuslichen Umfeld erleben, eigene Unterstützungsangebote zur Verarbeitung des Erlebten benötigen. Auch Väter brauchen Hilfen, um ihre Rolle als präsente und verantwortungsvolle Bezugsperson zu gestalten. Zudem wird kritisch beleuchtet, wie stereotype Vorstellungen von Geschlechterrollen in Institutionen – etwa Polizei oder Jugendämtern – Entscheidungen beeinflussen können, die gravierende Folgen für Kinder haben. Daher richtet sich die Publikation insbesondere an Fachkräfte des Gewaltschutzes, an Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher Gewalt und deren Kinder, und an Mitarbeiter*innen der ministerialen und Verwaltungsebene. Ziel ist nicht nur, die Bedarfe und Bedürfnisse betroffener Kinder sichtbar zu machen und zu zeigen, wie Kinder in MSE Unterstützung erfahren, sondern auch empfehlend auf bestehende Entwicklungspotenziale hinzuweisen, etwa geschlechtergerechte Sensibilisierungsmaßnahmen für mit dem Thema befasste Berufsgruppen.

Zur Publikation »Kinder als Mitbetroffene im Männergewaltschutz«, die von Jana Peters und Clemens Göhler erarbeitet und im September 2025 als Nummer 7 der BFKM-Publikationsreihe veröffentlicht wurde.

Junge-sein. Mann-werden.

Neue Filmreihe des renommierten Medienprojekt Wuppertal mit Kurzspielfilmen und Kurzdokus als Streaming, Download, DVD.

4 Jungs im Stadtbild

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Kat Wilcox, pexels.com


»Verantwortung«: Cool sein, sensibel sein und später das Geld ranschaffen: Welchen Erwartungen sind Jungs und junge Männer heute ausgesetzt? Im Interview sprechen sie über ihr Bild vom Mann sein und das Erwachsenwerden und ihre persönliche Erfahrung.
»Nordstadt Junge«: In dem Coming-of-Age-Film begleiten wir den 14-jährigen Semih, der in der Dortmunder Nordstadt lebt und seine Urlaubsvideos aus der Türkei mit seinem Leben in der Nordstadt vergleicht. Durch inszenierte Szenen mit den Blickwinkeln seines kleinen Bruders wird Semihs Geschichte lebendig. Durch Einblicke in sein Familienleben und seine Zukunftsvisionen versucht der Film zu zeigen, wie das Aufwachsen in einem multikulturellen Umfeld von Kontrasten und Hoffnungen geprägt sein kann.
»Am Ende sind wir alle nur Knochen«: Almir hat sich früher sehr für sein Körpergewicht und seinen Bauch geschämt. Heute fühlt er sich wohl und erzählt, wie er es geschafft hat, seine große Scham zu überwinden. Auch Connor kennt ähnliche Schamgefühle. Er versucht diese aber nicht zu ernst zu nehmen und schlüpft gerne beim Kostümieren charakterlich und körperlich in die unterschiedlichsten Rollen.
»Eine eigene Art von Body Horror«: Die Pubertät ist schon hart genug, aber wie kann man als Transgender damit umgehen? Julian erzählt davon, wie er auf eigene Faust lernt zu kämpfen.
»Heul leise«: Isa trägt seine Emotionen weniger nach außen, er verarbeitet seine Erlebnisse und Gefühle, indem er Texte schreibt und rappt. Er redet über Freundschaft, Erwartungen und die Rollenbilder von Jungs und Mädchen.
»Wie Männer gesehen werden«: Toprak spricht im Interview über die Ausgrenzung und Demütigung, die er als schwuler Jugendlicher erleben musste. Er teilt seine Erfahrung darin, sich gegen Homophobie zu wehren und für sich selbst einzustehen.

Sechs von insgesamt 16 Filmen, bei denen es darum geht: Wie erleben und fühlen sich Jungen in ihren Geschlechterrollen? Und was verbinden sie damit, ein Mann/* zu werden? In der reflexiven, aus Kurzspielfilmen, Kurzdokus und Interviewfilmen bestehenden Filmreihe geht es um das Erleben der Geschlechterrollen von Jungen und jungen Männern. Mit ihren unterschiedlichen Hintergründen und Lebensentwürfen werden sie porträtiert und befragt: Was sind ihre Wünsche, Herausforderungen und Probleme? Was sind die Gründe für jeweils ihre Interpretationen der Geschlechterrollen? Was ist ihr Umgang mit gelernten Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten, z.B. anderen gefallen wollen, begehrt, geliebt, beliebt, attraktiv sein? Und wie ist das mit dem eigenen Körper und auch den damit verbundenen Rollenerwartungen, bis hin zu Social Media? Was bedeutet für ihr Leben Scham, Peinlichkeit und Selbsthass? Und wie verhalten sie sich zu Geschlechterungerechtigkeit und Privilegien?

Nach der erfolgreichen Kinofilmpremiere ist die dokumentarische Filmreihe »Junge-sein. Mann-werden« nun erhältlich als Streaming, zum Download, auch als Multistreaming zur Nutzung für Gruppen in Kursen und Lehrveranstaltungen, auf DVD zum Ankauf oder zur Ausleihe. Die professionell gestalteten Filme wurden von erfahrenen Filmemacher:innen als Bildungs- und Aufklärungsmittel produziert. Sie zeichnen sich durch eine besonders hohe und authentische inhaltliche Dichte und ästhetische Qualität aus. Einige Filme wurden auf Festivals ausgezeichnet und im Fernsehen gesendet

Mehr Infos zu den Inhalten, Lizenzen und Formaten gibt es – ebenso wie einen Trailer – hier.

Papa steht in der Zeitung

Dort der übermächtige Staat, hier der schützende Familien- und Freundeskreis: Bot in der DDR tatsächlich das Private einen verlässlichen Rückzugsraum?

Text: Frank Keil
Foto: carlitos, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 21te KW. – Der große Erzähler Christoph Hein schickt in seinem fulminanten Roman »Das Narrenschiff« eine illustre Gruppe Sozialismus-Gläubiger auf eine deutsche Reise.

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Bundesverband Männertrauer

Eine bestehende Lücke schließen, um trauernde Männer in unserer Gesellschaft besser zu unterstützen.

Mann sitzt am unteren Ende einer Treppe

Text: Martin Kreuels
Foto: sol-b, photocase.de

 
Wann, wenn nicht jetzt?!? In einer Welt, in der autoritäre Männer die Weltordnung neu und laut zu sortieren versuchen, gibt es auch eine stille, schnell zu überhörende Seite. Eine Bewegung ist es nicht, eher eine Wandlung, eine Veränderung, die sich dafür interessiert, was in uns Männern geschieht, wo wir vielleicht Schwächen haben, warum es uns manchmal nicht gut geht. Das Besondere: Diese Männer fangen an, es endlich und vernehmbar auch zu äußern …

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Vegan pupsender Bonus-Bruder mit Bartagame

Graphic Novel über ein Mädchen in Nöten, das sich dann auch noch mit einem neuen Bruder arrangieren muss.

Junger Mann mit Hut und gesenktem Kopf

Text: Ralf Ruhl
Foto: sto.E, photocase.de

 
Neue Schule. Angst vor Mobbing. Verlust der besten Freundin. Die eigene Herkunft kennen. Und dann noch eine Patchworkfamilie mit Bonus-Bruder. Ganz schön viel für ein zehnjähriges Mädchen. Und für die Graphic Novel »Der süßeste Bruder der Welt… und andere Irrtümer« von Elin Lindell. Die dabei gar nicht schwierig oder düster daherkommt. Sondern witzig, voller Situationskomik und mit viel Herz für alle ihre Figuren.

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Schraube locker

Wenn das erste Abenteuer schon kurz nach Reisebeginn im Motorraum stattfindet.

zwei Männer an der Motorklappe eines Autos

Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Drei junge Abenteurer auf Tour durch Dänemark, September 1976. Schon am dritten Morgen liegengeblieben auf einem Feldweg, nachdem der alte Käfer nachts zuvor aus einem Graben gehievt werden musste, weil ein Wendemanöver im Dunkeln misslang. Jao, Handbuch vergessen und kaum Werkzeug dabei, also jetzt irgendwie anders durchblicken, Problem kapieren, rettende Idee finden … Ich weiß nicht mehr, wie wir es hingekriegt haben, aber mittags ging es weiter, sicherheitshalber nur bis zur nächsten Werkstatt.
Der eine wurde später Urologe, der andere Veranstaltungsmanager – Jobs, in denen Konzentration, Geduld und Übersicht ebenfalls klar von Vorteil sind.



Mehr aus der Reihe »Bilder und ihre Geschichte« gibt’s im Archiv.

»Besser spät als nie und lieber erst einmal wenig als gar nichts.«

Hamburger Initiative für eine Schutzunterkunft für Männer und nicht-binäre Menschen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind

Mann an einer Wand von hinten fotografiert

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: froodmat, photocase.de


Wichtiger Impuls: die Hamburger GRÜNEN haben es geschafft, Gelder für eine Schutzwohnung für Männer und nicht-binäre Menschen im Haushalt 2025/26 bereitzustellen. Für die Umsetzung eines geplant zweijährigen Modellprojektes mit drei Schutzplätzen wird die Sozialbehörde zuständig sein, voraussichtlich wird es eine Ausschreibung geben, auf die sich Träger bewerben können. Wie Adrian Hector, Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft und Sprecher für geschlechtliche Vielfalt bei den GRÜNEN, in seinem Instagram-Kanal mitteilt, wird zugleich das Beratungsangebot für Jungen und Männer gestärkt, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. »Mehr als jedes vierte Opfer häuslicher Gewalt ist männlich: In absoluten Zahlen waren dies laut BKA-Bundeslagebild zur häuslichen Gewalt 28,9 Prozent im Jahr 2022. Insgesamt zeigten 69.471 Männer im Jahr 2022 eine erlebte Gewalttat im Bereich Partnerschaftsgewalt oder innerfamiliäre Gewalt an«, so Hector, und ergänzt: »Auch von Menschenhandel betroffene Männer und nicht-binäre Personen bedürfen des Schutzes«. Insgesamt gibt es nur wenige Schutzeinrichtungen für von Häuslicher Gewalt betroffene männliche Personen im Bundesgebiet (eine stets aktuelle Gesamtübersicht gibt es von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz) und in Hamburg fehlt bislang eine solche Schutzeinrichtung, sodass sich Schutzsuchende an Einrichtungen in anderen Bundesländern wenden müssen. Dem GRÜNEN-Vorhaben ist also maximaler Erfolg zu wünschen!

Schräge Brillen, blöde Blicke

Den ganzen Tag grast man eine Location nach der anderen ab und das beste Bild entsteht dann ganz woanders und spontan zum Schluss.

Vier Männer in einem Auto

Text und Foto: Markus Nicolini
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Ein Shooting mit befreundeten Kumpels, die gerade eine Rockband gegründet hatten und nun Bandfotos benötigten. Ich hatte mir entsprechend würdige Locations rausgesucht und wir machten uns wild entschlossen auf den Weg. Es war ein Heidenspaß und wir machten viele coole und witzige Fotos, aber das Bild wollte mir einfach nicht gelingen. Als wir zu vorgerückter Stunde wieder in unserem Heimatdorf ankamen, sagte ich nur: »Lass uns kurz nochmal auf einem Feldweg anhalten, ich hab noch eine letzte Idee! Quetscht euch doch alle vier mal auf den Rücksitz, zieht ne schräge Brille auf und guckt blöd aus der Wäsche.« Gesagt, getan, und – bäng! – ich hatte mein Bild! Die als Utensilie eingesetzte Whiskeyflasche wurde dann im Laufe des Abends bei einer Bildbesprechung entspannt und zufrieden vernichtet.
Ein Fototag, den ich nie vergessen werde. Mit der gleichen Band hatte ich ein paar Jahre später allerdings auch das traurigste und schlimmste Shooting, das man sich vorstellen kann, aber das ist eine andere Geschichte.

Mehr Bilder von Markus gibt es hier.


Und mehr aus der Reihe »Bilder und ihre Geschichte« gibt’s im Archiv.

Die Angst zum Freund machen

Angst ist richtig übel. Am allerübelsten ist Angst im Dunkeln. Aber wie Orion, der kleine Held der Geschichte, diese Angst zu seinem Freund macht, ist wirklich außergewöhnlich.

Junge im Lichtschatten einer Jalousie

Text: Ralf Ruhl
Foto: Elisabeth Bergdolt, photocase.de

 
Mama hat keine Ahnung, also von den Dingen, vor denen Orion Angst hat. Wie Spinnen, Gewitter, Monster, das Weltall, Mädchen, der Kleiderschrank. »Blühende Fantasie«, sagt Mama. Davor müsse man ja nun wirklich keine Angst haben. Hat Orion aber doch, und da nützt so ein Gerede rein gar nichts … »Orion und das Dunkel« ist ein witziges, wunderbar illustriertes Bilderbuch von Emma Yarlett für Kinder ab 3 Jahre.

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