»Stichproben zur maskulinen Lage«

Radiofeature zu Jungen und Männern in Magdeburg.

Rückansicht eines kahlköpfigen, tättowierten Mannes

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Kindel Media, pexels.com


»Mann!« – das Wort ist Diagnose und Verzweiflungsruf. Und gegen Selbstzweifel hilft oft Abschottung, auch die Pflege der eigenen Muskulatur oder die Flucht in die Bro-Kultur, mit alten Idealen von Stärke, Stolz und Kameradschaft. Das männliche Geschlecht gilt heute als übernervös und schnell gekränkt, als von Komplexität überfordert und tendenziell gewalttätig. Zunehmend wird die Welt wieder von »echten Männern« regiert, zur wilden Begeisterung ihrer Anbeter – und zum wachsenden Entsetzen des aufgeklärten Rests. Aber wie sehen Jungen und Männer heute die Welt? Und wie geht es ihnen wirklich?

Tom Schimmeck – vielfach ausgezeichneter Journalist, Autor und Regisseur für Presse und Hörfunk – nimmt eine Stichprobe in Magdeburg, wo seit Jahrhunderten Herrscher zuhause waren und die AfD bald alleine regieren will, und erkundet in der Grundschule und im Stadion, im Jugendzentrum und im Landtag: Wann ist ein Mann ein Mann?

Das ca. 55-minütige Feature des Deutschlandfunk (Erstausstrahlung 09.01.26) gibt es online und als mp3.

Einmal durch den Kopf von Karl Ove Knausgård spazieren

Heute will alles fokussiert sein. Auf den Punkt gebracht, effektiv und zeitersparend. Um so besser, wenn man sich mal wieder verliert. Wohin auch immer.

Text: Frank Keil
Foto: ausdemweltall, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 2te KW. – »Im Augenblick« des norwegischen Romanciers Karl Ove Knausgård erweist sich als ein vergnüglich-praller Band mit Reportagen, Essays und Vorlesungen.

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Ist Stehlen gerecht?

Den Begüterten nehmen, den wirklich Bedürftigen geben. Der alte Robin-Hood-Mythos ist vor allem in linken Kreisen sehr beliebt. Aber stimmt das in jedem Fall? Wer zahlt zuletzt? Und welche Motive stecken wirklich dahinter?

Hand rafft Geldscheine zusammen

Text: Ralf Ruhl
Foto: Tima Miroshnichenko, pexels.com

 
Fragen über Fragen, in jeder Generation neu gestellt, und Nina Weger geht ihnen nach, in ihrem äußerst spannenden Jugendbuch »Fair. Ohne Kompromisse«, mit empathischem Blick für die Jungen und Mädchen.

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Und warten lernen

Per Daumen durch die Highlands.

Zwei Tramper an der Straße im Regen
Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Am Straßenrand, irgendwo in den schottischen Highlands, September 1981, abwechselnd den Daumen raus, und warten. Eine Viertelstunde, dann noch eine, und noch eine, und nochmals eine bis zwei. Was ist eine gute Wartestrategie, wie steht man da am besten herum? Kaum Verkehr, und doch muss man die Straße im Blick behalten, darf nicht hinter eine Kurve stehen, und bloß nicht abwenden, nachher denkt einer noch, wir sind zwei Wanderer, die Pause machen, und wir wollen gar nicht mitgenommen werden …
Die Klamotten nass, Beine vertreten, der Landschaft im Nieselregen irgendetwas abgewinnen, was die Laune hochhält. Mit dem Selbstauslöser der Kamera ein Bild machen. Und immer freundlich grinsen, ganz wichtig, falls doch mal jemand vorbeikommt. Und bis dahin: warten lernen.
Günstig wollten wir durch‘s Land, ein Abenteuer dazu musste es sein, Jungsein kennt ja kaum eine Grenze. Trampen im Regen, was für eine Schnapsidee! Am Ende kommt man weiter, natürlich. Irgendjemand wird halten. Und abends in der Herberge sich am warmen Kamin erzählen, was für ein scheißgeiler Tag das war.

Gewalt macht Männer krank

Sind psychisch kranke Männer per se gewalttätig? Und wieso wird Gewalt gegen Männer so selten beachtet? Prof. Dr. Anne Maria Möller-Leimkühler, Mitherausgeberin des sechsten Männergesundheitsberichts, geht im Interview diesen Fragen auf den Grund.

verletzte Hand eines Mannes, zur Faust geballt

Text: Ralf Ruhl
Foto: Mart Production, pexels.com

 
Der sechste Männergesundheitsbericht, vorgestellt am 19.11.25 von der Stiftung Männergesundheit, stellt »Gewalterfahrungen von Jungen und Männern und Folgen für ihre Gesundheit« – so der Titel – in den Fokus. »Gewalt macht krank – körperlich, psychisch und sozial. Doch wenn Jungen oder Männer Opfer werden, wird das selten gesehen, kaum erforscht und noch seltener thematisiert«, sagt Olaf Theuerkauf, Vorstand der Stiftung Männergesundheit. »Unser Ziel ist es, diese Unsichtbarkeit zu durchbrechen. Gewaltbetroffenheit ist keine Frage des Geschlechts, sondern ein Menschheitsthema.«

Mitherausgeberin Prof. Dr. Anne Maria Möller-Leimkühler widmet sich in einem ihrer Beiträge dem Gewaltverhalten von psychisch kranken Männern. In einem Interview für die Zeitschrift »Gesundheit und Gesellschaft« mit MännerWege-Autor Ralf Ruhl stellt sie klar, dass psychisch Kranke nicht gewalttätiger sind als gesunde Menschen. Ursachen lägen vor allem in der Sozialisation: »Der stärkste Risikofaktor sind psychische Traumatisierungen in der Kindheit durch körperliche und emotionale Vernachlässigung, Missbrauch oder Gewalterfahrungen.« Sie spricht dem Gesundheitssystem eine Schlüsselfunktion beim Erkennen von Gewaltfolgen zu und fordert, Hilfe- und Beratungsangebote für betroffene Männer möglichst flächendeckend auszubauen.

Hier geht es zum vollständigen Interview.

Aus hoher Höhe

Manchmal tröstet Literatur. Obwohl das nicht ihre Aufgabe ist, so gar nicht. Tröstet einen, baut einen (wieder) auf, gerade weil sie sich mit Macht allem Trostmöglichen verweigert, und damit quasi paradox interveniert, aus sich heraus, absichtslos, treffsicher.

Text: Frank Keil
Foto: Alexander Bentheim

 
Männerbuch der Woche, 1te KW. – Als Rausschmeißer des ja nicht gerade lustigen Jahres 2025 und als Begrüßung von 2026, das wohl auch nicht der Knaller werden wird, empfiehlt sich unbedingt der Erzählungen-Band »Kein Geld, kein Glück, kein Sprit« von good old Heinz Strunk.

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Die Umrisse des Glücks

Wie war das Leben der Mutter, bevor sie Mutter wurde? Und gelingt es, sich in dieses auch imaginierte Leben einzufühlen?

eine Tasse Tee steht auf einem Balkongeländer

Text: Frank Keil
Foto: Özgür Beşli, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 52te KW. – Fikri Anil Altintaş lässt in seinem bewegenden Roman »Zwischen uns liegt August« einen Sohn vom Sterben seiner Mutter erzählen – und von ihrem eigenen Leben in den Zeiten vor der Familie.

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Stiller Dialog

Begegnung im Essener Folkwang Museum

Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


»Dancing with myself« hieß die Sammelausstellung zahlreicher Künstler*innen, die wir im Dezember 2016 im Essener Folkwang Museum besuchten. Der Titel der Ausstellung war vielschichtig und ambitioniert, weil nicht unmittelbar zugänglich, insbesondere, als wir am Bild »Ohne Titel (Alpino 1976)« des Meraner Malers Rudolf Stingel vorbeikamen. »Tanzen mit mir selbst«: ein eigenes Statement, ein Auftragsthema, eine Aufforderung an das Publikum? Und es hing dort kein Fotografie, sondern ein hyperrealistisches Gemälde, auf der Grundlage eines Militär-Ausweisfotos, aufgenommen, als Stingel 20 Jahre alt war. »Die Kontraste der Schwarz-Weiß-Fotografie, die Verschmutzungen des Stempels, die Gebrauchsspuren, die Heftklammerlöcher und die Falten sind mit beunruhigender Genauigkeit auf einer großen Leinwand reproduziert«, heißt es erläuternd zum Werk.
Wir blieben bei der Aufforderung. Was der Künstler einem sagen will, wie man so sagt und manchmal fragt, rückte bald in den Hintergrund (er war nicht anwesend, warum also spekulieren) – vielmehr trieb uns um: geschlossene Augen oder nur gesenkter Blick? Ein mehr beiläufiger Schnappschuss in einem offiziellen italienischen Dokument ist schwer vorstellbar. So sieht auch kein »Vaterlandsstolz« aus, eher eine unangenehme Stimmung und Situation, die Stingel in diesem Moment an sich vorbeiziehen lässt.
Was also sehen wir? Und die Gedanken tanzen bei und mit uns selbst, bringen Bewegung in unsere pazifistische Grundhaltung. Hier zeigt sich ein in sich zurückgezogener junger Mann in Uniform, vielleicht ist er unsicher oder deprimiert oder beschämt, vielleicht will er gar nicht fotografiert werden. Es sind die sich abwendenden Augen, die unsere inneren Dialoge über Militär und Männlichkeit ins Bewusstsein holen.

Das weiße Rauschen des Universums

Ob man Weihnachten mag oder auch nicht so sehr – dass man etwas verschenkt, bleibt meist nicht aus. Vielleicht ein Buch? Oder zwei? Und gegebenenfalls an sich selbst?

Akrobatik im Garten

Text: Frank Keil
Foto: carlitos, photocase.de

 
Männerbücher der Woche, 51te KW. – Alles über die Liebe, die Geschichte des Bleistiftes, dazu ein (isländischer) Abschiedsblick auf Vaters Bibliothek und ein Ausflug in die postsowjetische Geisterwelt von Lettland – vier eigensinnige Titel empfehlen sich.

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Tiefensuche mit Heinz

Man meint, so gut wie alles über das Schicksal der so genannten Heimkinder zu wissen. Doch genauer hinzuschauen, noch genauer, lohnt immer.

Text: Frank Keil
Foto: Mikhail Nilov, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 50te KW. – Christiane Florin erzählt in »Keinzelfall«, wie Heinz ein katholisches Heim überlebte. Und berichtet von fortlaufender Deklassierung und der bis heute verschleppten Aufarbeitung der Leiden bundesdeutscher Heimkinder gleich mit.

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