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Die Kommissare sind müde

Von der Tat lebt der Krimi, und von der anschließenden Suche nach dem Täter. Doch wenn er richtig gut ist, der Krimi, erzählt er noch mehr vom Zustand unserer Welt.

Ein Mann der müde am Tisch sitzt

Frank Keil

Männerbuch der Woche, 28te KW. – Friedrich Ani lässt in seinem Roman »All die unbewohnten Zimmer« gleich vier Kommissare durch das Leben irren. Auch wird aus gutem Grund recht viel getrunken. (Foto © Patrick John | photocase.de)

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Wickel-Challenge, Alterssimulation, Rolli-Ralley und auch mal die base chillen …

80 Schüler erlebten am Hamburger Boys’ Day im Landesinstitut ein abwechslungsreiches Programm aus den Berufsfeldern Pflege, Erziehung, Bildung, Betreuung

Jungen wickeln unter Anleitung Babypuppen

Alexander Bentheim

»Ich würde die Veranstaltung anderen Jungs empfehlen, weil es interessant zu wissen ist, wie es als Mann in einem Pflege- oder Erzieherberuf ist«, sagt Moritz (12), und Henry (13) ergänzt: »Es war mal etwas ganz anderes, als in der Schule abzuhängen, und ich habe mal etwas ganz anderes gesehen und ausprobiert«.

Zur Veranstaltung »Den Pflege- und Erzieherberuf spielerisch erkunden« waren 80 Schüler zwischen 11 und 15 Jahren von 48 verschiedenen Schulen ins Landesinstitut gekommen. Sie erlebten in zehn Workshops, wie man mit technischer Unterstützung kranken Menschen gezielt helfen kann, Blutdruck und Blutzucker misst, was man in der Ersten Hilfe macht oder wie man mit Kindern ins Erzählen kommen und Konflikte lösen kann. Weitere Workshops waren eine Rollstuhl-Ralley, das Ausprobieren eines Alterssimulationsanzugs, Wissenswertes über den Sinn von Ritualen mit Kindern, eine Wickel-Challenge und das Bauen und Basteln an »Kitopia«, einer Traum-Kita aus Lego.

In Zusammenarbeit mit Fachkräften und Auszubildenden des Arbeiter-Samariter-Bundes und der Staatlichen Fachschule für Sozialpädagogik BS21, die die Workshops fachkundig, engagiert und hier und da auch geduldig durchführten, organisierten Marcus Thieme (Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung) und Alexander Bentheim (»Soziale Jungs Hamburg« / »Was für Jungs!«) diese für Hamburg erstmals größere Veranstaltung zum Boys Day. Nachdem für jeweils 20 Schüler an den Boys Days 2013-2015 der Erzieherberuf und 2016-2018 der Pflegeberuf im Mittelpunkt standen, wurden nun 2019 die Highlights der Vorjahre zusammengestellt – und verfehlten ihre Wirkung nicht: »An den Workshops hat mir sehr gut gefallen, dass wir selbst aktiv waren und Dinge ausprobieren konnten« freute sich Michel (13) am Ende und Benjamin (13) befand: »Die Coaches waren sehr nett und sympathisch, die Themen interessant … Vielen Dank für die tolle Veranstaltung!«.

Der Boys’ Day ist, wie der Girls’ Day, ein bundesweiter, vom BMFSFJ geförderter Aktionstag zur Berufsorientierung mit dem Ziel, Mädchen und Jungen Einblicke in Berufsfelder zu vermitteln, in denen der gleichgeschlechtliche Anteil unter den Auszubildenden, Studierenden und Beschäftigten weniger als 40% beträgt. Absicht dieses Aktionstages ist damit, Mädchen und Jungen durch praktische Erkundungen in eher geschlechtsuntypische Ausbildungsberufe zu ermutigen, mehr persönliche Interessen, Neigungen und Kompetenzen (neu) zu entdecken – was bei der späteren Berufswahl zu einem breiteren Spektrum an Optionen führen kann. Zugleich lernen Mädchen und Jungen an den Aktionstagen sich partiell in neuen Rollen kennen, die die Berufsfelder vermittels ihrer spezifischen Tätigkeiten anzubieten haben. (Foto © Alexander Bentheim)

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Die Legende von den faulen Säcken

Schlichte Stereotypen prägen Forschung und Berichterstattung über die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.

Ein Mann renoviert ein Zimmer

Thomas Gesterkamp

Der Vorschlag von Arbeitsminister Heil, mit Home-Office die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, ist eine gute Idee. Sie bietet neue Möglichkeiten, besonders wenn die Kinder älter sind. Während der Pubertät geht es weniger um Betreuung als um zurückhaltendes Begleiten, um Ansprechbarkeit. Auch das erfordert elterliche Präsenz, zeitweise Heimarbeit kann diese erleichtern. Nichts spricht dagegen, wenn sich Väter (und Mütter) daneben auch um berufliche Dinge kümmern – Teenager sind meist froh, wenn man sie in Ruhe lässt.
Der stereotype Anti-Männer-Reflex in Forschung und Berichterstattung aber ist kontraproduktiv. In der aktuellen Debatte geraten so die Chancen der privaten Vermischung von Beruf und Sorgearbeit ins Abseits. Statt dessen wird die Legende von den faulen Säcken in neuer Variante erzählt. Es braucht mehr Gelassenheit, um die – manchmal in der Tat quälend langsamen – Veränderungen der Männerrolle wahrzunehmen (Foto © complize | photocase.de)

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»Wach sein, bereit sein und anpacken – nur rumstehen geht nicht.«

Max Schütze, 8b der Hamburger Irena-Sendler-Schule und Teilnehmer am Projekt »Soziale Jungs Hamburg«, über seine ersten Erfahrungen im ehrenamtlichen Praktikum bei der »Tiertafel Hamburg e.V.«

schlafende Hunde

Alexander Bentheim

»Manche der Kunden, wie sie genannt werden und die etwas weiter weg wohnen, kommen nur alle vier Wochen, und dann wird ein bisschen mehr für die eingepackt. Aber die meisten kommen alle zwei Wochen. Da sind jedes Mal richtig viele Leute, die auch schon mal bis zur nächsten Straße anstehen. Und es kommen viele immer wieder, das sind Stammkunden. Man muss eine Visitenkarte oder Berechtigungskarte haben. Und man muss auch jedes Mal selbst eine kleine Spende geben. Dass nur Obdachlose kommen, stimmt nicht. Es kommen auch Leute, die in ihrem Job nicht viel Geld verdienen oder arbeitsunfähig sind oder eine geringe Rente haben. (…) Man steht hinter einem Tresen, und hinter einem sind mehrere Regale an den Wänden, wo halt vor allem Hundefutter drin ist, in verschiedenen Sorten. Es gibt Hunde, die haben eine Getreideallergie. Es gibt Katzen, die haben Nieren- oder Magenprobleme, die kriegen spezielles Futter. Die Kunden wissen um den Gesundheitszustand ihrer Tiere. Aber wir haben nicht nur die Ausgabe, sondern es gibt auch einen Tierarzt nebenan und Physiotherapeuten für die Tiere. Meine wesentliche Aufgabe ist die Ausgabe von Trockenfutter und Nassfutter. Wir haben auch Spielsachen für Tiere und es gibt auch ein Lager, da gibt es Halsbänder, Leinen, Körbchen in allen Arten, Katzenklos, was ein Tier halt so braucht. Aber wenn Kunden Wünsche haben, die wir unten nicht bedienen können, gehe ich zum Lager hoch und frage dort, ob wir das haben, was jemand braucht.« (Foto © no more lookism | photocase.de)

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