Die Umrisse des Glücks

Wie war das Leben der Mutter, bevor sie Mutter wurde? Und gelingt es, sich in dieses auch imaginierte Leben einzufühlen?

eine Tasse Tee steht auf einem Balkongeländer

Text: Frank Keil
Foto: Özgür Beşli, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 52te KW. – Fikri Anil Altintaş lässt in seinem bewegenden Roman »Zwischen uns liegt August« einen Sohn vom Sterben seiner Mutter erzählen – und von ihrem eigenen Leben in den Zeiten vor der Familie.

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Das weiße Rauschen des Universums

Ob man Weihnachten mag oder auch nicht so sehr – dass man etwas verschenkt, bleibt meist nicht aus. Vielleicht ein Buch? Oder zwei? Und gegebenenfalls an sich selbst?

Akrobatik im Garten

Text: Frank Keil
Foto: carlitos, photocase.de

 
Männerbücher der Woche, 51te KW. – Alles über die Liebe, die Geschichte des Bleistiftes, dazu ein (isländischer) Abschiedsblick auf Vaters Bibliothek und ein Ausflug in die postsowjetische Geisterwelt von Lettland – vier eigensinnige Titel empfehlen sich.

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Vaterschaft, die stille Revolution im Körper

Vater zu werden ist ein sowohl emotional als auch körperlich einschneidendes Ereignis im Leben eines Mannes; Neurobiologie und Anthropologie befassen sich zunehmend mit diesen Zusammenhängen. Eine ARTE-Dokumentation zeigt, dass Männer in einem förderlichen gesellschaftlichen Rahmen ihr väterliches Potenzial voll entfalten können.

zwei Männer pflegen ein Kleinkind

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Karola G, pexels.com


Seit 1965 verbringen Väter in Deutschland, Frankreich und vielen anderen westlichen Ländern viermal so viel Zeit mit ihren Kindern wie früher. Doch was bedeutet das für sie? Mit dem wissenschaftlich lange vernachlässigten Thema Vaterschaft befassen sich heute Forschende verschiedener Disziplinen, von der Neurobiologie bis zur Anthropologie.
Der US-Anthropologe Lee Gettler hat herausgefunden, dass sich bei Männern, die kürzlich Väter wurden, der Hormonhaushalt verändert: Der Testosteronspiegel sinkt, während das Stresshormon Cortisol und das »Bindungshormon« Oxytocin ansteigen. Noch überraschender: Je mehr sich ein Vater um sein Kind kümmert, desto stärker fällt dieser Effekt aus – und über die Epigenetik können diese Veränderungen sogar an die nächsten Generationen weitergegeben werden.

Doch nicht nur Biologie prägt die Vaterschaft. Der französische Bioakustiker Nicolas Mathevon widerlegt das Klischee, dass nur Mütter das Weinen ihres Babys sicher erkennen. Entscheidend dafür ist allein, wie viel Zeit ein Elternteil mit dem Kind verbringt.
Und die israelische Neurobiologin Ruth Feldman zeigt: Bei schwulen Vätern, die gemeinsam ein Kind großziehen, aktivieren sich im Gehirn sowohl typisch »mütterliche« als auch »väterliche« Areale. Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy bestätigt diese Hypothese und betont die Bedeutung der sogenannten »Allo-Eltern«, die die biologischen Erzeuger beim Großziehen des Nachwuchses unterstützen.

Dass Väter für die Entwicklung ihrer Kinder wichtig sind, ist kein modernes Phänomen. Studien an Baumsteigerfröschen und Nachtaffen belegen, dass väterliche Fürsorge in der Evolution schon früh überlebenswichtig war. Beim Menschen kommt es jedoch auf den gesellschaftlichen Rahmen an: In tansanischen Ethnien, wo Väter stark in die Kindererziehung eingebunden sind, haben sie messbar weniger Testosteron als kinderlose Männer.
Die Botschaft der Forschung ist damit klar: Väter sind nicht nur »Helfer«, sondern prägen ihre Kinder biologisch und emotional – wenn die Umstände es zulassen (was im Umkehrschluss aber auch bedeutet: wenn es die Umstände nicht zulassen oder verhindern, hat dies ebenso Auswirkungen). Die Dokumentation von Jacqueline Framer zeigt, wie Vaterschaft Männer tiefgreifend prägt und warum die Bindung zwischen Vater und Kind für unsere Gesellschaft essenziell ist.

Die ARTE-Dokumentation wird gesendet am 06.12.25 und ist dort in der Mediathek verfügbar bis einschließlich 05.02.26.

Papa mit Herz und Hand

Eine Depression betrifft die gesamte Familie – in diesem Kinderbuch kümmert sich der Vater um alles, was die Situation erträglicher macht.

Vater versorgt die Wunde des Sohnes mit einem Pflaster

Text: Ralf Ruhl
Foto: Pavel Danilyuk, pexels.com

 
Eine seelische Krankheit, vor allem eine Depression, betrifft die gesamte Familie. Im sehr realistisch illustrierten Bilderbuch »Wilmo« von Francis Kaiser kümmert sich der Vater mit viel Herz und Hand um die Kinder und seine erkrankte Frau. Und hält damit die Familie zusammen.

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Schlafanzüge für die Ewigkeit

Ein Bild mit zehn Geschwistern.

10 Geschwister im Schlafanzug

Text und Foto: Georg Schierling
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Die zehn (!) Kinder aus dem Hause Schierling, 1936, mein Vater ist Kind #7 in der Reihe. Alle haben ihren Schlafanzug an. Warum das Familienfoto in Schlafanzügen gemacht wurde – niemand kann sich an den Grund dafür erinnern. Es weiß auch niemand mehr, aus welchem Anlass das Foto der Kinder gemacht wurde. Immerhin wurde dafür extra ein Fotograf nach Hause geholt.
Die Mutter der zehn Kinder, meine Oma, hat das Foto immer in Ehren gehalten. Es hing in ihrem Wohnzimmer. Auch etliche der anderen Geschwister meines Vaters haben das Foto geliebt, denn es hing stets an prominenter Stelle in den jeweiligen Wohnungen. Zuletzt habe ich es 2024 gesehen in der Wohnung meines inzwischen 91-jährigen Onkels in den USA. Er ist Kind #8 und zusammen mit der Schwester, Kind #10, sind beide die letzten noch lebenden Geschwister.
Die drei großen Brüder waren als Soldaten im Krieg und kamen allesamt lebend zurück nach Hause, ein Wunder. Mein Vater ist gegen Kriegsende als vierter Sohn knapp an der Einziehung zum Volkssturm vorbeigekommen, weil er gerade eben noch etwas zu jung dafür war.
Dieses Foto ist das einzige überlieferte Foto aller Kinder. Es ist danach nie mehr gelungen, alle zehn Geschwister noch einmal zu einem Foto zusammenzubringen. Gerade deshalb war den Geschwistern das Bild von 1936 so wertvoll!


Mehr Bilder aus der Reihe »Bilder und ihre Geschichte« gibt’s im Archiv.

»Während mein Bruder sich betrank, schrieb ich.«

Was bestimmt unser Leben? Die Herkunft, die Klasse, dazu die Eltern und die Familie, in der wir aufwachsen, und dann das Umfeld – oder das, was wir daraus machen?

ein Mann am Fenster stützt seinen Kopf in die Hand

Text: Frank Keil
Foto: Andrea Piacquadio, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 45te KW. – Édouard Louis nähert sich in seinem nächsten autofiktionalen Roman »Der Absturz« mal wütend, mal emphatisch seinem älteren Bruder und seiner (eigenen) sozialen Herkunft.

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Heldenreise über den Kniepsand

Fatih Akin hat die Kindheitserinnerungen von Hark Bohm überzeugend umgesetzt: AMRUM ist ein bewegender Film über die letzten Tage der NS-Diktatur in Nordfriesland, eine komplexe Jungenfreundschaft und eine verschlungene Heldenreise.

Text: Frank Keil
Foto: Gordon Timpen | bombero international GmbH & Co. KG | Rialto Film GmbH | Warner Bros. Entertainment GmbH

 
Morgen schon wird es aus dem Volksempfänger tönen: Der Führer ist tot! Ist gefallen in seinem unermüdlichen Kampf gegen den Bolschewismus. Bis zum letzten Atemzug habe er gerungen, doch es hat nicht geholfen. Nun muss das deutsche Volk ohne ihn auskommen; muss sehen, wie es klarkommt. Und während die einen sich für eine neue Zeit bereithalten, was immer sie auch bringen mag, packt die anderen eine Mischung aus brutalem Trotz und nicht mehr niederzuhaltender Verzweiflung.
Wir sind auf der nordfriesischen Insel Amrum, in stoischer Formation ziehen die alliierten Bomber ihrer Wege, lassen dann und wann noch eine Bombe ins Watt fallen, Ballast abwerfen, denn bald, so sieht es aus, ist es geschafft. Ihnen nach schauen Nanning und Hermann, beste Freunde sind sie, 12 Jahre jung und gerade damit beschäftigt, Kartoffeln zu stecken, statt in der Schule zu sein. Die Erde ist schwer und nass und kaum zu bändigen, der Frühling zeigt sich mürrisch und abweisend und gräulich …

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Kinder als Mitbetroffene im Männergewaltschutz

Eine neue Publikation der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz in Dresden stellt Projekte und Perspektiven in verschiedenen europäischen Ländern vor.

ängstlicher Junge am Fenster

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Tanya Gorelova, pexels.com


Kinder erleben häusliche Gewalt zwischen Eltern oder anderen familiären Bezugspersonen direkt oder indirekt mit, sie sind damit Mitbetroffene und haben spezifische Unterstützungsbedarfe. Die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) hat aus diesem Grund Berichte von Fachakteur*innen aus Deutschland, Finnland, der Schweiz, Liechtenstein, den Niederlanden und Luxemburg zusammengetragen.
Die Publikation geht zunächst auf grundlegende Definitionen, Formen, Ursachen, Risiko- und Schutzfaktoren sowie Folgen von häuslicher Gewalt für Kinder ein. Sie liefert auch einen Überblick dazu, wie häufig und auf welche Weise Kinder von häuslicher Gewalt betroffen sind, wie häufig sie mit ihren Eltern in Schutzeinrichtungen unterkommen und welche rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland bestehen. Ergänzend werden Berichte und Beispiele aus den genannten europäischen Ländern präsentiert, die betroffenen Vätern und ihren Kindern in MSE Schutz und Ruhe sowie Beratung und Unterstützung bieten. Die Publikation beleuchtet dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Hilfesystemen. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass und wie Männer und ihre Kinder in den untersuchten Ländern von häuslicher Gewalt betroffen sind und Hilfsangebote in Anspruch nehmen, und dass Väter bisher nur selten gemeinsam mit ihren Kindern in eine Männerschutzeinrichtung (MSE) einziehen – ein deutlicher Unterschied zu den Strukturen im Frauengewaltschutz.

Die Veröffentlichung versteht sich als Ergänzung zur etablierten Expertise des Frauengewaltschutzes und verdeutlicht, dass Kinder, die Gewalt im häuslichen Umfeld erleben, eigene Unterstützungsangebote zur Verarbeitung des Erlebten benötigen. Auch Väter brauchen Hilfen, um ihre Rolle als präsente und verantwortungsvolle Bezugsperson zu gestalten. Zudem wird kritisch beleuchtet, wie stereotype Vorstellungen von Geschlechterrollen in Institutionen – etwa Polizei oder Jugendämtern – Entscheidungen beeinflussen können, die gravierende Folgen für Kinder haben. Daher richtet sich die Publikation insbesondere an Fachkräfte des Gewaltschutzes, an Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher Gewalt und deren Kinder, und an Mitarbeiter*innen der ministerialen und Verwaltungsebene. Ziel ist nicht nur, die Bedarfe und Bedürfnisse betroffener Kinder sichtbar zu machen und zu zeigen, wie Kinder in MSE Unterstützung erfahren, sondern auch empfehlend auf bestehende Entwicklungspotenziale hinzuweisen, etwa geschlechtergerechte Sensibilisierungsmaßnahmen für mit dem Thema befasste Berufsgruppen.

Zur Publikation »Kinder als Mitbetroffene im Männergewaltschutz«, die von Jana Peters und Clemens Göhler erarbeitet und im September 2025 als Nummer 7 der BFKM-Publikationsreihe veröffentlicht wurde.

Durch die Schichten des Schweigens

Wenn etwas vorbei ist, beginnt bald etwas Neues. Das weiß man, auch wenn es nicht hilft, denn alles braucht seine Zeit.

Eine Frau und ein Mann gehen im Lichtkegel einer beschatteten Straße

Text: Frank Keil
Foto: N.O.B., photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 40te KW. – Sehr behutsam verknüpft Sylvain Prudhomme in seinem fabelhaften Roman »Der Junge im Taxi« eine Familiensuche mit dem Ende einer Liebe.

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»Und überall Affen«

Irgendwann kommt das Ende. Ist nicht mehr abzuhalten. Und was ist zu sehen und womöglich zu erkennen, was einen bis zuletzt trägt, tröstet oder schlicht beschäftigt?

Text: Frank Keil
Foto: Tina Ruisinger

 
Männerbuch der Woche, 35te KW. – Tina Ruisinger zeigt uns in ihrem Bilderband »Lebensbilder – Fotografie in der Palliative Care«, wie einem eigene Fotografien dabei helfen können, den bevorstehenden Tod zu begleiten, vielleicht ihn zu gestalten und für sich Abschied zu nehmen.

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