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Gewalt und Männlichkeit

Klaus Theweleits »Männerphantasien« erscheinen nach 42 Jahren als Neuauflage. Ein Interview mit dem Autor.

Männer in Stiefeln

Thomas Gesterkamp (Interview)

Das ist sehr ungewöhnlich: Nach 42 Jahren erscheint die Neuauflage eines Buches von offenbar zeitloser Brisanz. Noch dazu handelt es sich um einen echten Wälzer: 1150 Seiten, plus 120 Seiten aktualisiertes Nachwort. Klaus Theweleits »Männerphantasien«, erstmals erschienen in zwei Bänden 1977 und 1978, war ein früher Klassiker der Männerliteratur, verkauft wurden insgesamt mehr als 100.000 Exemplare. Gestützt auf historische Selbstzeugnisse von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg analysiert der Autor den zerstörerischen Charakter männlicher Gewalt – und deren Ursachen. Das Interesse daran ist heute vielleicht größer denn je: Denn es geht um Erklärungen dafür, warum Männer rechtsradikal sind oder werden. (Foto © jala | photocase.de)

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Jungen weinen nicht

Ein Paradox: Obwohl sie im Schnitt über fünf Jahre kürzer leben als Frauen, ist der Umgang von Männern mit ihrer Gesundheit kaum Thema medizinischer Forschung

Ein muskulöser Mann breitet seine Arme aus

Thomas Gesterkamp

Die Medizin als akademisches Fach war stets eine männerdominierte Angelegenheit. In den Kliniken prägten einst Halbgötter in weiß die morgendlichen Visiten und erst recht die Operationssäle. Frauen assistierten als Krankenschwestern oder leisteten technische Hilfsdienste. Mindestens bis zur Jahrtausendwende agierte auch die pharmazeutische Industrie weitgehend geschlechtsblind: so erprobte sie Arzneimittel nicht selten ausschließlich an Männern – für Frauen konnte das lebensbedrohliche Folgen haben. Heute gibt es deutlich mehr Ärztinnen als noch vor ein paar Jahrzehnten. Doch von einer umfassend gendersensiblen Herangehensweise an das Thema Gesundheit kann nach wie vor keine Rede sein. (Foto © lz@larszahner.com | photocase.de)

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Die Männerbewegung als Forschungsgegenstand

Eine wissenschaftliche Analyse männlicher Emanzipation zwischen Privilegierung und Legitimationsdruck

Interview mit Mikrofon

Thomas Gesterkamp

Die Soziologin Mara Kastein untersucht in ihrer Dissertation, u.a. anhand von Interviews, verschiedene Strömungen und Ansprüche einer gleichstellungsorientierten Männerpolitik – um schließlich festzustellen, dass Männer, die sich zu geschlechterpolitischen Fragen äußern, sich wegen ihrer gesellschaftlichen »Privilegierung« erst einmal rechtfertigen müssten, um mit ihren Positionen gehört zu werden (Foto © sol-b | photocase.de)

Zur Rezension

Zur Einstimmung in das Thema gibt es einen Überblicksbeitrag der Autorin im Portal der Heinrich Böll Stiftung / Gunda Werner Institut.

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Die Legende von den faulen Säcken

Schlichte Stereotypen prägen Forschung und Berichterstattung über die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.

Ein Mann renoviert ein Zimmer

Thomas Gesterkamp

Der Vorschlag von Arbeitsminister Heil, mit Home-Office die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, ist eine gute Idee. Sie bietet neue Möglichkeiten, besonders wenn die Kinder älter sind. Während der Pubertät geht es weniger um Betreuung als um zurückhaltendes Begleiten, um Ansprechbarkeit. Auch das erfordert elterliche Präsenz, zeitweise Heimarbeit kann diese erleichtern. Nichts spricht dagegen, wenn sich Väter (und Mütter) daneben auch um berufliche Dinge kümmern – Teenager sind meist froh, wenn man sie in Ruhe lässt.
Der stereotype Anti-Männer-Reflex in Forschung und Berichterstattung aber ist kontraproduktiv. In der aktuellen Debatte geraten so die Chancen der privaten Vermischung von Beruf und Sorgearbeit ins Abseits. Statt dessen wird die Legende von den faulen Säcken in neuer Variante erzählt. Es braucht mehr Gelassenheit, um die – manchmal in der Tat quälend langsamen – Veränderungen der Männerrolle wahrzunehmen (Foto © complize | photocase.de)

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