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Fußball zwischen Buchdeckeln

Man kann Fußball gucken. Und sich aufregen. Man kann Fußball auch lesen. Und sich anders bestens unterhalten. Zwei aktuelle Bücher schaffen das.

Opa und Enkel spielen Fußball auf einer Wiese

Frank Keil

Männerbücher der Woche, 26te KW. – Karl Ove Knausgard und Fredrik Ekelund erzählen sich in »Kein Heimspiel« im Schatten der Fußball-WM 2014 gegenseitig aus ihrem Alltag wie aus ihrem Leben. Rainer Moritz dagegen berichtet in »Als der Ball noch rund war« auf angenehm heitere Art über große Fußballmomente; wobei sein Herz entschieden für die Verlierer und Unglücksraben schlägt. (Foto © der_wichtig | photocase.de)

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»Aufgenommen, das gefiel mir sehr«

Mein ganz persönlicher Nachruf auf Michael Rutschky

Cover der Zeitschrift ALLTAG

Frank Keil

Damals schrieb man sich noch, Briefe oder Postkarten. Es ist also lange her, sehr lange sogar, Anfang der 1990er Jahre. Und ich erhielt eine Postkarte mit der Bitte, mich telefonisch zu melden; eine Postkarte also mit nicht mehr als einer kurzer Anrede und einer Telefonnummer und eben der Aufforderung, mich zu melden. Unter der angegebenen Nummer. Und ich rief Michael Rutschky an, mit leichtem Herzklopfen, natürlich, das gehört sich auch so für einen jungen Journalisten. Es klingelte nicht lange, er war gleich »am Apparat«, wie man damals sagte. Und ein paar Tage später trafen wir uns im »Cafe unter den Linden« im Hamburger Schanzenviertel, das damals noch ein liebens- und lebenswertes Wohn- und ein wenig auch schon Ausgehviertel war, manches war früher doch etwas besser… (Foto © Frank Keil)

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Superheld mit brauner Farbe

Wenn jemand fehlt, der rechtzeitig gebraucht wird.

Radfahrer bei Nacht und Schnee

Ralf Ruhl

Er ist klein, schmächtig und ein Rächer in eigener Sache: Wenn Bruno den Pinsel in den Farbeimer taucht, wird alles braun. Das ist rein farblich gemeint! Und so wird das Superheldenformat auf Normalmaß zusammengestutzt (Foto © time. | photocase.de – Alexander Bentheim)

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Schon anstrengend, aber auch ein gutes Gefühl

Das berufsorientierende Jungenförderprojekt »Soziale Jungs Hamburg«

Ein Kind zeigt einem Erwachsenen einen Stein

Alexander Bentheim

»Die haben mehrmals gefragt, ob ich morgen wiederkomme…« meint Fabian, als ich – Projektleiter der »Sozialen Jungs« – wissen will, wie sein erster Tag in der Kita war. »Und?« frage ich. »Ja, klar, ich mach ja mein Praktikum da«. Fabian scheint nicht zu ahnen, dass diese Frage der Kinder ein Kompliment für ihn war und – in Kindersprache – wahrscheinlich auch ein Dank. »Dank wofür?« Dass er seine Zeit mit ihnen geteilt hat, ihnen vorgelesen und Ball mit ihnen gespielt und etwas gebaut hat, vielleicht auch einen Ärger beruhigt oder jemanden getröstet hat. So genau weiß man das am Ende des Tages ja nicht mehr, denn in einer Kita ist immer viel los. Aber Fabian war für die Kinder da, richtig da, hat sich interessiert für sie, sie begleitet und betreut, und das haben die Kinder gespürt. »Hast du nicht gemerkt?« – »Nee«, sagt Fabian und schaut etwas irritiert: »Echt? Deswegen?«

Die »Sozialen Jungs Hamburg« gibt es seit 2010, getragen von den Sozialeinrichtungen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB Hamburg), durchgeführt von der Agentur MännerWege und in den ersten vier Jahren maßgeblich gefördert durch den Europäischen Sozialfonds (ESF). Und danach dann in kleinerem Umfang weiter gefördert von der Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI), weil das Projekt recht erfolgreich war und ist: Über 400 Schüler im Alter von 12-18 Jahren haben – teils mehrfach – Praktika und Freiwilligendienste in zumeist Kitas und Einrichtungen zur Betreuung von Menschen mit Assistenzbedarf abgeschlossen. 16 Schulen nehmen am Projekt teil, mehr als 100 Organisationen und Betriebe der Sozialen Arbeit stellen als Kooperationspartner – je nach aktueller Möglichkeit – Praktikumsplätze zur Verfügung. Und bislang kamen über 27.700 Zeitstunden Mitarbeit der »Sozialen Jungs« zusammen, ein beachtliches Volumen. Auch für 2018 ist geplant, dass Projekt fortzusetzen.

Warum entscheiden sich Jungen für ein Praktikum oder einen Freiwilligendienst in der Kita? Ob laut Auskunft von Kita-Fachkräften oder nach den Vorstellungen von Schülern, die am Ende schulischer Infoveranstaltungen am Projekt »Soziale Jungs Hamburg« teilnehmen möchten – die Antworten ähneln sich und das ist eine gute Voraussetzung für die gegenseitigen Erwartungen aneinander:
__ weil man Vorbild sein kann und darf, aber auch muss;
__ weil man eigene Ideen weitergeben und Kindern etwas beibringen kann;
__ weil man den Umgang mit kleinen Geschwistern verbessern kann;
__ weil man auch etwas für das eigene Leben dabei lernen kann;
__ und nicht zuletzt: weil das Kita-Leben abwechslungsreich und nie langweilig ist.

Alle Schüler machen viele angenehme, manchmal auch konträre, in der Regel aber meist nachhaltige Erfahrungen während ihrer Praktika und gelangen zu neuen Erkenntnissen über den Kita-Alltag und sich selbst:
__ »Besonders schön finde ich, wenn man den Kindern ansehen kann, dass sie glücklich sind. Ich wurde vom Team sehr herzlich aufgenommen und sie haben sich viel Mühe gegeben, mir alles zu zeigen und zu erklären.« (Mehmet, 14)
__ »Wenn drei Kinder gleichzeitig an einem zerren und fünf weitere laut durch den Spielraum laufen, da braucht man schon gute Nerven.« (Max, 16)
__ »Interessant fand ich, die Struktur und Regeln der Einrichtung kennen zu lernen. Die Kinder haben dort sehr viel Freiraum, aber auch klare Regeln, an die sie sich halten müssen!« (Kevin, 15)
__ »Am Ende des Tages habe ich ein sehr positives Feedback bekommen, was mir sehr gut getan hat.« (Philipp, 13)
__ »Die Erzieherin wollte, dass wir mal eben auf fünf Kinder gleichzeitig aufpassen. Das klappte aber nicht, weil einige echt unruhig waren. Da sind der andere Praktikant und ich zu ihr hin und haben gesagt, das geht nicht. Das hat sie dann auch eingesehen.« (Kai, 14)
__ »Ich habe gute Einblicke in den Beruf der Kindergartenerzieher bekommen. Zudem habe ich gelernt, dass Kindergartenerzieher mehr bedeutet als Kindern die Schuhe zubinden, Essen aufzutragen, oder mit den Kindern zu spielen. Es bedeutet den Kindern mit der richtigen Mischung aus Entschlossenheit, Verständnis und Vertrauen zu begegnen.« (Paul, 15)

Die meisten Fachkräfte, die Schülern ein Praktikum ermöglichen, freuen sich über Jungs, die das Arbeitsfeld Kita kennen lernen möchten. Die Kitas erleben sie als Bereicherung, wenn sie motiviert sind und vor allem bleiben: weil die Kinder neugierig auf die großen Jungs sind, die als kurzzeitige `Mitarbeiter´ eher noch die Ausnahme sind, weil sie die Kinder teils anders ansprechen und auf sie eingehen als ihre Mitschülerinnen usw. In einem Interview sagt die Leiterin des Internationalen Kinderladen in Hamburg etwa auf die Frage, ob die Schülerpraktikanten heutzutage etwas anders machen als früher: »Auf jeden Fall … Ich sehe sie hier nicht mit dem Klischee ‚toben, kämpfen, Fußball spielen‘. Ich sehe sie hier viel mehr auch … zärtlich, ich sehe sie weicher werden, auch die großen kompakten Jungs. Aber die Kinder gleich auf den Arm und kuscheln, das tun sie nicht, jedenfalls am Anfang nicht. Die Jungs sind da einfach zurückhaltender. Die Kinder gehen dann auf sie zu, und dann findet der Kontaktaufbau so Schritt für Schritt statt. Erst dann werden die Jungs mutiger und übernehmen Verantwortung, und darüber freue ich mich immer. Sie überfordern die Kinder nicht dadurch, dass sie sie gleich ’so süß‘ finden.«

Fabian hat mittlerweile »irgendwie« verstanden, was ihm die Kinder sagen wollten: Sie freuen sich, dass er mit ihnen morgen weiterspielt, ihnen wieder vorliest oder in der Bauecke die nächsten Türme mit ihnen errichtet, die man dann so schön zum Einstürzen bringen kann. Daran, dass das Spaß macht, obwohl es zugleich anstrengend sein kann, muss er sich aber immer noch gewöhnen: Denn bisher hat er meist nur Lob bekommen, wenn ihm etwas besonders gelungen ist oder er eine Leistung vorweisen konnte – eine gute Schulnote, ein neuer Level in einem Computerspiel, ein verwandelter Elfmeter auf dem Bolzplatz. Dass zählbare Erfolge nicht alles im Leben sind, erschließt sich dem 14jährigen erst nach und nach. Einfach nur Zeit für die Kinder haben, hier und da kleine Hilfestellungen geben, ein Spiel anleiten oder einen Streit schlichten – und nur dafür schon gemocht werden? Aber es fühlt sich »irgendwie« gut an.

Ob er das mal beruflich machen möchte? Das weiß Fabian noch nicht. Bis dahin dauert es noch ja noch eine Weile. Aber jetzt, wo er in eine neue Rolle hineinwächst, die etwas mit Umsicht, Respekt und Verantwortung zu tun hat, wird es zumindest vorstellbarer für ihn. »Hier spielt das wahre Leben, Fabian«, hat eine Gruppenleiterin zu ihm gesagt. Und das hat ihn schon beeindruckt, »irgendwie«. (Foto © joto | photocase.de)

Weitere Infos „Soziale Jungs Hamburg“:
Projektportal
Video John in der Kita Koppelstieg (November 2012)
Video Mustafa und Nasser im Projekt Wesselyring »Schüler helfen Schülern« (Januar 2013)
Video Paul in der Kita Wernigeroder Weg (April 2012)
Video David im KTH St. Michaelis (August 2012)
Video Omed und Murat in der Kita Monetastraße (Februar 2011)