Seele auf Halbmast

So wunderbar seitenstarke Bücher sein können … manchmal braucht es nur ein Bündel Seiten und man taucht anhaltend ein in eine komplex-illustrierte Welt.

Hand und Bein eines Mannes

Text: Frank Keil
Foto: Rein Van Oyen, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 33te KW. – Édouard Louis erzählt in »Wer hat meinen Vater umgebracht« unfassbar genau, zupackend und produktiv von einer Sohn-Vater-Hass-Liebe.

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Junge-sein. Mann-werden.

Neue Filmreihe des renommierten Medienprojekt Wuppertal mit Kurzspielfilmen und Kurzdokus als Streaming, Download, DVD.

4 Jungs im Stadtbild

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Kat Wilcox, pexels.com


»Verantwortung«: Cool sein, sensibel sein und später das Geld ranschaffen: Welchen Erwartungen sind Jungs und junge Männer heute ausgesetzt? Im Interview sprechen sie über ihr Bild vom Mann sein und das Erwachsenwerden und ihre persönliche Erfahrung.
»Nordstadt Junge«: In dem Coming-of-Age-Film begleiten wir den 14-jährigen Semih, der in der Dortmunder Nordstadt lebt und seine Urlaubsvideos aus der Türkei mit seinem Leben in der Nordstadt vergleicht. Durch inszenierte Szenen mit den Blickwinkeln seines kleinen Bruders wird Semihs Geschichte lebendig. Durch Einblicke in sein Familienleben und seine Zukunftsvisionen versucht der Film zu zeigen, wie das Aufwachsen in einem multikulturellen Umfeld von Kontrasten und Hoffnungen geprägt sein kann.
»Am Ende sind wir alle nur Knochen«: Almir hat sich früher sehr für sein Körpergewicht und seinen Bauch geschämt. Heute fühlt er sich wohl und erzählt, wie er es geschafft hat, seine große Scham zu überwinden. Auch Connor kennt ähnliche Schamgefühle. Er versucht diese aber nicht zu ernst zu nehmen und schlüpft gerne beim Kostümieren charakterlich und körperlich in die unterschiedlichsten Rollen.
»Eine eigene Art von Body Horror«: Die Pubertät ist schon hart genug, aber wie kann man als Transgender damit umgehen? Julian erzählt davon, wie er auf eigene Faust lernt zu kämpfen.
»Heul leise«: Isa trägt seine Emotionen weniger nach außen, er verarbeitet seine Erlebnisse und Gefühle, indem er Texte schreibt und rappt. Er redet über Freundschaft, Erwartungen und die Rollenbilder von Jungs und Mädchen.
»Wie Männer gesehen werden«: Toprak spricht im Interview über die Ausgrenzung und Demütigung, die er als schwuler Jugendlicher erleben musste. Er teilt seine Erfahrung darin, sich gegen Homophobie zu wehren und für sich selbst einzustehen.

Sechs von insgesamt 16 Filmen, bei denen es darum geht: Wie erleben und fühlen sich Jungen in ihren Geschlechterrollen? Und was verbinden sie damit, ein Mann/* zu werden? In der reflexiven, aus Kurzspielfilmen, Kurzdokus und Interviewfilmen bestehenden Filmreihe geht es um das Erleben der Geschlechterrollen von Jungen und jungen Männern. Mit ihren unterschiedlichen Hintergründen und Lebensentwürfen werden sie porträtiert und befragt: Was sind ihre Wünsche, Herausforderungen und Probleme? Was sind die Gründe für jeweils ihre Interpretationen der Geschlechterrollen? Was ist ihr Umgang mit gelernten Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten, z.B. anderen gefallen wollen, begehrt, geliebt, beliebt, attraktiv sein? Und wie ist das mit dem eigenen Körper und auch den damit verbundenen Rollenerwartungen, bis hin zu Social Media? Was bedeutet für ihr Leben Scham, Peinlichkeit und Selbsthass? Und wie verhalten sie sich zu Geschlechterungerechtigkeit und Privilegien?

Nach der erfolgreichen Kinofilmpremiere ist die dokumentarische Filmreihe »Junge-sein. Mann-werden« nun erhältlich als Streaming, zum Download, auch als Multistreaming zur Nutzung für Gruppen in Kursen und Lehrveranstaltungen, auf DVD zum Ankauf oder zur Ausleihe. Die professionell gestalteten Filme wurden von erfahrenen Filmemacher:innen als Bildungs- und Aufklärungsmittel produziert. Sie zeichnen sich durch eine besonders hohe und authentische inhaltliche Dichte und ästhetische Qualität aus. Einige Filme wurden auf Festivals ausgezeichnet und im Fernsehen gesendet

Mehr Infos zu den Inhalten, Lizenzen und Formaten gibt es – ebenso wie einen Trailer – hier.

Männliche Teilnehmer für sprachtherapeutische Studie gesucht

Untersuchung zur Entwicklung diagnostischer Verfahren in einfacher Sprache und über visuelle Mittel für Menschen mit Sprachproblemen.

ein Mann mit Sonnenbrille sitzt an einem Computer

Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Mikhail Nilov, pexels.com


Für eine Promotion im Bereich der Sprachtherapie und Psychologie an der Universität Bielefeld führt Louise Nagel-Held aktuell eine Studie zur Erfassung negativer Befindlichkeiten durch, für die sie dringend noch sprachlich gesunde männliche Teilnehmer sucht, weil aktuell ein sehr großes Ungleichgewicht hinsichtlich der Geschlechterverteilung innerhalb der Stichprobe vorliegt. Zum Verständnis und Hintergrund: eine Beeinträchtigung der sprachlichen Gesundheit bezieht sich auf Störungen, die beispielsweise durch einen Schlaganfall ausgelöst werden können und dann z.B. die Wortfindung und/oder das Sprachverständnis betreffen. Stottern, lispeln, Aussprachestörungen etc. gehören ausdrücklich nicht dazu! Insofern kann fast jeder Mann an der Studie teilnehmen; als Teilnahmevoraussetzungen gelten nur Deutsch als Erst-/Muttersprache und ein Mindestalter von 16 Jahren.

Es handelt sich um eine Vorstudie zur Entwicklung diagnostischer Verfahren in einfacher Sprache oder über visuelle Mittel für Menschen mit Sprachproblemen, zum Beispiel im Rahmen einer Aphasie nach Schlaganfall. Die an der Befragung Teilnehmenden können dabei helfen, ein zuverlässiges Verfahren zu entwickeln, mit dessen Hilfe Menschen mit einer Sprachstörung (Aphasie) zu ihrer Befindlichkeit befragt werden können. In der Studie wird untersucht, inwiefern der Fragebogen zur Patientengesundheit (Patient Health Questionnaire PHQ) mit einer sprachlich vereinfachten Version desselben Fragebogens vergleichbar ist. Außerdem wird untersucht, inwiefern Zeichnungen die Symptome einer depressiven Verstimmung messen können.

Die Umfrage kann online ausgefüllt werden, dauert ungefähr 10-15 Minuten und erfolgt anonym. Die Studie ist leider nur auf einem Computer/Tablet durchführbar, weil die Antwortmöglichkeiten auf Mobilgeräten teilweise nicht mehr richtig zugeordnet sind.

Weitere Infos und einen Kontakt für Rückfragen gibt es im Vortext zur online-Befragung, die bis einschließlich 26. Mai hier abrufbar ist:

https://ww3.unipark.de/uc/nagel-held_Universit__t_Bielefel/dcd9/

Voll ungelogen

Männer, das sind … tja, was? Und warum sind sie so seltsam und so schwierig und was man so hört: auch so verschlossen? Und los geht die Suche.

ein Mann kämpft gegen fliegende Zeitungen an

Text: Frank Keil
Foto: kallejipp, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 31te KW. – Die literarisch grundierte Anthologie »Oh Boy« versammelt sehr intensiv so kluge wie offene Entwürfe von – hoppla! – Männlichkeit*en.

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Ständiges Auf und Ab

Der Historiker Benno Gammerl erzählt die wechselhafte Geschichte von Homo- und Transsexuellen in Deutschland.

Wand mit Farbverläufen

Text: Thomas Gesterkamp
Foto: Godjes, photocase.de

 
Im Januar 2023 standen bei der jährlichen Holocaust-Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages zum ersten Mal jene Opfer im Mittelpunkt, die von den Nationalsozialisten wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden. Dieser erinnerungspolitische Erfolg verdankt sich dem beharrlichen Insistieren queerer Bewegungen. Er musste gegen teils heftige Widerstände vor allem konservativer Abgeordneter durchgesetzt werden – und bedeutete einen weiteren Schritt, der zur gesellschaftlichen Akzeptanz von geschlechtlicher Vielfalt und gender-nonkonformer Lebensweisen beigetragen hat …

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Gesehen werden und sehen

Was sind eigentlich die Unterschiede zwischen trans*, inter* und non-binär? Was genau ist queer? Und wie hat alles einst angefangen: Wann und warum definierten die ersten Menschen ihr Geschlecht als nicht definierbar, wann gab es die ersten geschlechtsangleichenden Operationen und wer führte sie durch? Fragen über Fragen – die weiterführen.

Transvestiten 1921

Text: Frank Keil
Foto: bpk / Kunstbibliothek, SMB, Photothek Willy Römer

Männerbuch der Woche, 18te KW. – Eine sehenswerte Ausstellung und der begleitende Katalog dazu: »TO BE SEEN« im NS-Dokumentationszentrum München bietet einen ersten, wichtigen Überblick über die Geschichte queeren Lebens in Deutschland von der Kaiserzeit bis in die Nachkriegsjahre.

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Erektion auf Rezept

Vor 25 Jahren wurde das Potenzmittel Viagra zugelassen, damals eine pharmazeutische Sensation. Medizin und Sexualtherapie streiten aber bis heute über die Wirksamkeit.

ein Mann macht eine Fingerbewegung für einen Größenvergleich

Text: Thomas Gesterkamp
Foto: fabsn, photocase.de


Erektionsprobleme sind nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu. Den betroffenen Männern sind ihre Schwierigkeiten oft peinlich, sie reden darüber nicht mal mit engen Freunden. Stattdessen kaufen und schlucken sie heimlich potenzfördernde Mittel, oft ohne jede medizinische Beratung. Dieser rein pharmakologische Zugang war wissenschaftlich stets umstritten. Wichtiger als die Einnahme von Medikamenten sei die psychische Auseinandersetzung mit den eigenen Schwierigkeiten, kritisieren vor allem Sexualtherapeuten. Hinter der Kontroverse steckt auch die Rivalität der heilenden Professionen. Während die Medizin auf physiologische Befunde wie verengte Blutgefäße verweist, betont die Psychologie die vorrangige Rolle der Seele. Zum Wesen der Sexualität gehöre ihre Unkalkulierbarkeit, kein Mann könne die körperlichen Anzeichen von Erregung willkürlich hervorrufen.

Zum Beitrag

Klassenfahrt des Grauens

Ein Jugendroman über das buntdramatische Leben von 15jährigen.

Jugendliche auf einem Hügel gegen das Abendlicht

Text: Ralf Ruhl
Foto: Alexander Bentheim

Eine Klasse voller Mädchen, Jungen, Sternchen. Biodeutsch, ausländischdeutsch, migriert. Alle Personen in diesem Roman sind irgendwie Loser, fühlen sich verloren – aber sie arbeiten daran, zurecht zu kommen mit dem Leben. Und der Liebe.

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Und dann wird alles anders

Plätschert es nicht einfach so dahin, das Leben? Mit Höhen, Tiefen, Verlusten, Gewinnen? Es sei denn, man schaut sich selbst einmal genauer beim Leben erleben zu.

Mann sitzt schreibend in einem lost place

Text: Frank Keil
Foto: JoeEsco, photocase.de

Männerbuch der Woche, 6te KW. – Peter Stamm lässt in seinem neuen Roman »In einer dunkelblauen Stunde« virtuos eine glücklose Filmemacherin nach einem Mann, dem Leben und der Liebe suchen.

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Entdeckte Leben

Man* denkt, vieles sei gut bekannt und gründlich erforscht. Und dann macht sich jemand auf und entdeckt doch noch Unbekanntes, Verschwundenes, Verdrängtes.

Zwei Frauen abends unterwegs

Text: Frank Keil
Foto: katdoubleve, photocase.de

Männerbuch der Woche, 2te KW. – Raimund Wolfert erzählt in der Biografie »Charlotte Charlaque« doppelt bewegend von einem queeren Leben. Dazu passend lohnend die aktuelle Nummer der »Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.«.

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