Nach neuestem Wissensstand sind wesentlich mehr Männer von Depressionen betroffen als bislang bekannt. Die ARTE-Dokumentation zeigt, warum »männliche Depressionen« oft unentdeckt bleiben, beleuchtet aktuelle Erkenntnisse zur Diagnostik und Behandlung sowie Möglichkeiten, das mitunter tödlich endende Schweigen der Männer zu überwinden.
Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: Andrew Neel, pexels.com
In den meisten europäischen Ländern sind Frauen doppelt so häufig wegen Depressionen in Behandlung wie Männer. Zugleich gelten Depressionen als Hauptursache für Suizide und unter den jährlich 47.000 Menschen, die sich in der EU das Leben nehmen, befinden sich dreimal so viele Männer wie Frauen. Wie kann das sein?
Tatsächlich sind sehr viel mehr Männer depressiv. Ihre Krankheit wird jedoch häufig nicht diagnostiziert – unter anderem, weil sie sich als vermeintlich »starkes« Geschlecht keine Hilfe suchen. Alex McClintock aus Perth in Schottland will dieses Rollenbild überwinden; er hat eine Gruppe gegründet, in der Männer über ihre Gefühle sprechen.
Depressionen bei Männern bleiben oft auch unerkannt, weil sie sich häufig hinter unerwarteten Symptomen wie etwa aggressivem Verhalten verstecken. Eine Klinik in der Nähe von Paris bietet die Behandlung von aggressivem Verhalten bei »männlichen« Depressionen an. Dort hat sich Vincent Rouchère schon mehrmals behandeln lassen. »Meine Traurigkeit kann ich nicht rauslassen. Ich weiß nicht, wie man weint«, sagt er. »Dieser Überfluss an Traurigkeit ist in Wut umgeschlagen.« In der Klinik lernt er, seine Wut zu kanalisieren und wieder Zugang zu den dahinter liegenden Emotionen zu finden.
Depressionen bei Männern geraten zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Die Dokumentation von Ole Neugebauer (Deutschland 2024, 53 Minuten) blickt auf den aktuellen Stand der Depressionsforschung und zeigt, wie männliche Betroffene von einer geschlechtersensiblen Prävention sowie einer auf Männer zugeschnittenen Diagnostik und Behandlung profitieren. Der Film ist in der ARTE-Mediathek noch verfügbar bis zum 15.01.2026.









