Nach dem Schock

Sich einzugestehen, dass man mit seinen Einschätzungen falsch lag, dass man das offensichtliche Unheil nicht hat kommen sehen, obwohl man es hätte erkennen können, ist ein großes Vermögen. Und auch eine Kunst.

Winterlandschaft mit Dörfern von oben

Text: Frank Keil
Foto: Денис Лобанов (Denis Lobanov), pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 43te KW. – Der Historiker, Essayist und Osteuropa-Experte Karl Schlögel schaut in den beiden fulminanten Sammelbänden »Auf der Sandbank der Zeit« und »Entscheidung in Kiew – Ukrainische Lektionen« über die Ukraine und deren Geschichte und Gegenwart immer auch auf sich und wie er so lange unwissend auf dieses grundeuropäische Land geblickt hat.

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Zucker fürs Zockerhirn

Ein eindrücklicher Kinderroman über Armut, Mobbing und das tägliche Überleben in diesen Verhältnissen.

Hinterkopf einer Person vor dem laufenden Fernseher

Text: Ralf Ruhl
Foto: sör alex, photocase.de

 
Armut ist grausam. Das erfährt Jana tagtäglich. Schon, weil sich niemand in der Schule neben sie setzen will. Wie Armut das Familienleben mit Papa bestimmt und wie die clevere Zehnjährige einen Ausweg findet, das beschreibt Rachel van Kooij fast zärtlich in ihrem Kinderroman »Eher fällt der Mond vom Himmel«.

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Heldenreise über den Kniepsand

Fatih Akin hat die Kindheitserinnerungen von Hark Bohm überzeugend umgesetzt: AMRUM ist ein bewegender Film über die letzten Tage der NS-Diktatur in Nordfriesland, eine komplexe Jungenfreundschaft und eine verschlungene Heldenreise.

Text: Frank Keil
Foto: Gordon Timpen | bombero international GmbH & Co. KG | Rialto Film GmbH | Warner Bros. Entertainment GmbH

 
Morgen schon wird es aus dem Volksempfänger tönen: Der Führer ist tot! Ist gefallen in seinem unermüdlichen Kampf gegen den Bolschewismus. Bis zum letzten Atemzug habe er gerungen, doch es hat nicht geholfen. Nun muss das deutsche Volk ohne ihn auskommen; muss sehen, wie es klarkommt. Und während die einen sich für eine neue Zeit bereithalten, was immer sie auch bringen mag, packt die anderen eine Mischung aus brutalem Trotz und nicht mehr niederzuhaltender Verzweiflung.
Wir sind auf der nordfriesischen Insel Amrum, in stoischer Formation ziehen die alliierten Bomber ihrer Wege, lassen dann und wann noch eine Bombe ins Watt fallen, Ballast abwerfen, denn bald, so sieht es aus, ist es geschafft. Ihnen nach schauen Nanning und Hermann, beste Freunde sind sie, 12 Jahre jung und gerade damit beschäftigt, Kartoffeln zu stecken, statt in der Schule zu sein. Die Erde ist schwer und nass und kaum zu bändigen, der Frühling zeigt sich mürrisch und abweisend und gräulich …

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Durch die Schichten des Schweigens

Wenn etwas vorbei ist, beginnt bald etwas Neues. Das weiß man, auch wenn es nicht hilft, denn alles braucht seine Zeit.

Eine Frau und ein Mann gehen im Lichtkegel einer beschatteten Straße

Text: Frank Keil
Foto: N.O.B., photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 40te KW. – Sehr behutsam verknüpft Sylvain Prudhomme in seinem fabelhaften Roman »Der Junge im Taxi« eine Familiensuche mit dem Ende einer Liebe.

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»Und überall Affen«

Irgendwann kommt das Ende. Ist nicht mehr abzuhalten. Und was ist zu sehen und womöglich zu erkennen, was einen bis zuletzt trägt, tröstet oder schlicht beschäftigt?

Text: Frank Keil
Foto: Tina Ruisinger

 
Männerbuch der Woche, 35te KW. – Tina Ruisinger zeigt uns in ihrem Bilderband »Lebensbilder – Fotografie in der Palliative Care«, wie einem eigene Fotografien dabei helfen können, den bevorstehenden Tod zu begleiten, vielleicht ihn zu gestalten und für sich Abschied zu nehmen.

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Eine Wiederbegegnung

Wer hat nicht in seiner Jugend Hermann Hesse gelesen? Und später (angeblich erwachsen geworden) dessen Bücher wieder aussortiert? Zeit für eine (mögliche) Urteilsüberprüfung.

zwei Brüder Anfang des 20. Jahrhunderts

Text: Frank Keil
Foto: Brett Jordan, pexels.com

 
Männerbuch der Woche, 34te KW. – Hermann Hesse erzählt in seinem kleinen, kompakten Text »Erinnerung an Hans« vom Suizid seines jüngsten Bruders – und von einem anhaltenden Schuldgefühl.

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Voll auf Alarm

Wenn der Dino in Mikas Gehirn anspringt …

Text: Ralf Ruhl
Foto: manun, photocase.de

 
Normalerweise ist er ganz normal, der Mika. Nur manchmal eben nicht. Dann tickt er aus, brüllt herum, schreit andere an, macht Sachen kaputt, vielleicht schlägt und tritt er auch, vielleicht wird er aggressiv gegen andere Kinder. Dann finden ihn alle doof. Erwachsene wie Kinder. Verstehen nicht, was in ihm vorgeht. Machen ihm Vorhaltungen. Was ihn noch mehr verletzt, ausgrenzt und in seinem inneren Gefängnis hält. Und manchmal ist Mika auch extrem traurig. Verkriecht sich stundenlang. Fühlt sich allein, verlassen. Und weiß nicht, wieso.
Wie Kinder auf traumatisches Erleben reagieren und wie Erwachsene sie unterstützen können, zeigt das neue Kinderfachbuch »Wenn der innere Dino brüllt« auf pragmatische und einfühlsame Weise.

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Seele auf Halbmast

So wunderbar seitenstarke Bücher sein können … manchmal braucht es nur ein Bündel Seiten und man taucht anhaltend ein in eine komplex-illustrierte Welt.

Hand und Bein eines Mannes

Text: Frank Keil
Foto: Rein Van Oyen, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 33te KW. – Édouard Louis erzählt in »Wer hat meinen Vater umgebracht« unfassbar genau, zupackend und produktiv von einer Sohn-Vater-Hass-Liebe.

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Nach der Wut

Was brauchen Dreijährige, die einen satten Wutanfall hinlegen?

wütender Junge mit Kapuze

Text: Ralf Ruhl
Foto: LP, photocase.de

 
Keinesfalls Mecker oder Strafe. Sondern Platz und Raum für ihr Gefühl. Und später: einfach da sein. »Und dann?« von Heinz Janisch und Helga Bansch ist das beste Kinderbuch zum Thema Wut, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.

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Pech und Schwefel

Es gibt viele verständlich-verschlungene Gründe, in den Alkohol zu flüchten und ihn nicht mehr loszuwerden. Doch je nach Klassenlage sind sie sehr unterschiedlich angelegt.

ein Mann mit einem Glas hinter einer Rehe von Flaschen

Text: Frank Keil
Foto: Maxal Tamor, photocase.de

 
Männerbuch der Woche, 32te KW, im Doppelpack. – Alex Schulman erzählt in »Vergiss mich« von der tiefen Alkoholsucht seiner beruflich durchaus erfolgreichen Mutter und noch mehr von seinen eigenen Verstrickungen; Lena Schätte taucht in »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« in die keinesfalls eindimensionale Welt einer prekär-lebenden Kleinfamilie ein, in der es ebenfalls um Alkohol geht.

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