Und warten lernen

Per Daumen durch die Highlands.

Zwei Tramper an der Straße im Regen
Text und Foto: Alexander Bentheim
Reihe »Bilder und ihre Geschichte«


Am Straßenrand, irgendwo in den schottischen Highlands, September 1981, abwechselnd den Daumen raus, und warten. Eine Viertelstunde, dann noch eine, und noch eine, und nochmals eine bis zwei. Was ist eine gute Wartestrategie, wie steht man da am besten herum? Kaum Verkehr, und doch muss man die Straße im Blick behalten, darf nicht hinter eine Kurve stehen, und bloß nicht abwenden, nachher denkt einer noch, wir sind zwei Wanderer, die Pause machen, und wir wollen gar nicht mitgenommen werden …
Die Klamotten nass, Beine vertreten, der Landschaft im Nieselregen irgendetwas abgewinnen, was die Laune hochhält. Mit dem Selbstauslöser der Kamera ein Bild machen. Und immer freundlich grinsen, ganz wichtig, falls doch mal jemand vorbeikommt. Und bis dahin: warten lernen.
Günstig wollten wir durch‘s Land, ein Abenteuer dazu musste es sein, Jungsein kennt ja kaum eine Grenze. Trampen im Regen, was für eine Schnapsidee! Am Ende kommt man weiter, natürlich. Irgendjemand wird halten. Und abends in der Herberge sich am warmen Kamin erzählen, was für ein scheißgeiler Tag das war.