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Risiken und Nebenwirkungen

Als Kassenkunde im Krankenhaus

Füße in einem Krankenbett

Stefan Moes

»Leiden Sie an Verstopfungen?«, will der junge Arzt bei der Aufnahme wissen. Wir stehen am Bett. Es gibt nicht mal einen Raum, in dem Arzt und Patient ungestört sprechen können. Mein Zimmergenosse ist ganz Ohr. »Jetzt erfahren Sie alles über mich«, sage ich.
Chefvisite. Im weißen Kittel mit vergoldeten Knöpfen erscheint der Chefarzt samt Entourage. Ich bin zittrig, die Stimme versagt. Was ich mir zurecht gelegt hatte, kommt nicht heraus. Es hätte ohnehin keinen Platz. Die Ärzte reden über meine Symptome als sei ich nicht da. Ich lasse es zu. Ärgere mich und kann es doch nicht ändern. (Foto © Francesca Schellhaas | photocase.de)

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Vor den Kopf gestoßen

Wie Parkinson das Regiment übernimmt

Ein verwirrter Mann

Stefan Moes

Das muss jetzt gesagt werden. Das ist wichtig. Das kann nicht warten. Es kommt vor, dass es mich um drei Uhr nachts, nach vier Stunden Schlaf, an den Schreibtisch zieht. Dann schreibe ich einem Freund, was mich an der Freundschaft stört …
Morbus Parkinson hieß früher Schüttellähmung. Die Erkrankten verlieren die Kontrolle über ihre Glieder. Noch kennzeichnender als das Zittern sei die Beeinträchtigung der Kommunikationsfähigkeit, las ich irgendwo. Im dritten Jahr nach der Parkinson-Diagnose dämmert mir der Umfang, in dem die Krankheit mein Bewusstsein in den Griff zu nehmen droht. (Foto © to-fo | photocase.de)

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»Lebbe gehd weider«

Mein Neustart mit Parkinson

Ein Mann arbeitet an einer Werkbank

Stefan Moes

Wir sind sieben, alle Ende fünfzig. Eine Woche haben wir frei genommen, um einen Stuhl des amerikanischen Star-Tischlers Sam Malouf nachzubauen. Einer stellt sich als Bankdirektor vor, einer ist Therapeut, die anderen haben ein Handwerk gelernt; allen gemeinsam: das Faible für Holz. Ein Graukopf berichtet stolz von dem drei Meter langen Eichenschrank, den er für sein neues Eigenheim gebaut hat. Er ist ein Jahr jünger als ich, von Beruf Schlosser. Gestandene Menschen. Und ich? Ich versuche, wieder Boden unter die Füße zu bekommen … (Foto © bokehlicious | photocase.de)

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Aufpassen beim Anpassen

Ein nicht geführtes Gespräch mit dem Vater über den Versuch, den Zumutungen der Realität auszuweichen.

Zwei Soldaten

Stefan Moes

Würde ich so alt wie mein Vater, bliebe mir noch ein Jahr. In diesem Sommer werde ich sechzig. Wie nie zuvor spüre ich die in mir angehäufte Zeit. Mein Vater kam vor mehr als einhundert Jahren zur Welt, wenige Tage vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Sein Vater war Bäckermeister, ein erfolgreicher Geschäftsmann, steif posierend mit Mittelscheitel und kaisertreuem Schnurrbart, wie ein Foto zeigt. Unvorstellbar weit weg und doch nur zwei Generationen entfernt.
Mein Großvater starb, als mein Vater fünfzehn war. Mein Vater starb, als ich neunzehn war. Nicht einmal ein Jahr danach begann ich, Germanistik zu studieren, ohne zu wissen, was einmal aus mir werden sollte. Das war nicht ungewöhnlich. Mitte der 70er Jahre war die Welt weniger verregelt, Umwege waren möglich… (Foto © Birne X. | photocase.de)

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