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Mit Risiken und Nebenwirkungen

Zu den Folgen des Dopings in Fitness-Studios und anderen urologischen Gefahren in Sport und Freizeit

Ein Skater liegt auf dem Boden

Alexander Bentheim (Redaktion)

Der Medikamentenmissbrauch im Leistungs- und Kraftsportbereich ist nicht neu, doch auch viele Freizeitsportler haben die leistungssteigernden Präparate sowie die schmerzlindernden Medikamente für sich entdeckt. Schätzungsweise zwischen 200.000 und 400.000 Kraftsportler in Deutschland bauen auf Steroide und Anabolika; die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Und die Nebenwirkungen können für Männer verheerend sein: »Steroid-Akne, Missstimmungen bis hin zur Depression sind hier noch die mildesten Folgen des Steroidmissbrauchs«, so Prof. Dr. med. Christian Wülfing von der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU). Die Männer finden ihren Weg zum Urologen meist erst, wenn ihnen Brüste wachsen (die sogenannte Gynäkomastie) oder wenn Erektionsstörungen auftreten. Aber: »Das Problem des Missbrauchs von leistungssteigernden Substanzen im Sport- und Freizeitbereich ist durch Urologen allein nicht zu lösen. Hier ist vor allem die Politik gefragt, mehr für die Prävention an Schulen zu sorgen sowie die Schwarzmärkte für Anabolika auszutrocknen«, fordert Prof. Wülfing.

Der Anabolika-Missbrauch ist aus urologischer Sicht das größte Problem im Sport- und Freizeitbereich, doch es gibt weitere Gefahren. Eine besondere Rolle spielt dabei die Intimpflege, etwa dadurch, dass das tägliche Duschen mit aggressiven Seifen und die Verwendung von Intimsprays den Schutzmantel der Haut zerstören und die Schleimhäute im Genital- und Analbereich reizen. Bakterien haben so leichtes Spiel und lösen beispielsweise Harnwegsinfekte aus. Ähnlich verhält es sich mit der Intimrasur. Es wirkt optisch alles viel hygienischer im Genitalbereich, doch die Rasur führt zu kleinsten Verletzungen der Haut. Solche Mikroläsionen dienen Viren und Bakterien als Eintrittspforten in den Körper. In der Folge kommt es z.B. sehr viel leichter zu Infektionen mit Herpes-Viren oder Humanen Papillomaviren (HPV), von denen letztere unter anderem die unangenehmen Feigwarzen oder sogar Krebs verursachen können. Ebenso bergen Intimpiercings manche Verletzungsgefahr bei Männern wie auch Frauen. Es kann zu Blutungen kommen, die das Infektionsrisiko erhöhen. Nerven und Schwellkörper des Penis können geschädigt werden, Kondome reißen. Aus urologischer Sicht ist Intimschmuck daher nicht zu empfehlen. Wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, sollte sich der Verletzungsrisiken für sich selbst und den Partner bewusst sein.

Jedoch auch ohne Schmuck kann es beim Sport zu Reibungen und Irritationen im Intimbereich kommen, wie Fälle der sogenannten Joggerphimose zeigen. »Sie ist ein klassischer Fall von falscher Sportbekleidung. Die Joggerphimose tritt zwar lediglich in Einzelfällen auf, ist dann aber umso schmerzhafter«, weiß Dr. med. Frank Oberpenning, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am St. Agnes-Hospital Bocholt. »Nylonhosen sehen sicher trendy aus, doch führt der Stoff auf der Haut zu gesteigerter Reibung. Die Vorhaut des betroffenen Mannes kann sich in der Folge entzünden, anschwellen und die Eichel durch Narbenbildung verengen.« Vermeidbar ist dieses Krankheitsbild, indem statt Nylon Baumwoll-Bekleidung verwendet wird.

Beim Fahrradfahren haben die meisten Männer kein relevantes Risiko, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. med. Kurt Miller. »Wenn beim Radfahren allerdings lange Zeit Druck auf den Damm ausgeübt wird, kann das die Nerven, die auch die Schwellkörper versorgen, beeinträchtigen.« Das könne vor allem bei Männern ein Problem werden, die länger als drei Stunden pro Woche Fahrrad fahren. Treten Taubheitsgefühle im Dammbereich auf oder strahlen diese in den Penis aus, sollte man definitiv etwas ändern, rät Prof. Miller. Maßgeblich sind etwa der Sattel und die Sitzposition. »Aber, wenn man es richtig macht, hat Fahrradfahren einen positiven Effekt auf die Potenz, denn es fördert die Durchblutung im Beckenbereich.«

Wichtig sei es, so die Urologen, bei allen Veränderungen im männlichen Genitalbereich einen Facharzt aufzusuchen. Nicht immer sind die Probleme schmerzhaft, wie im Falle einer Phimose oder einer Hodenprellung durch Stoßverletzungen beim Fußball oder Hockey. »Von Selbstversuchen mit Kühlakkus rät die Deutsche Gesellschaft für Urologie generell ab, denn der Penis und insbesondere die Hoden sind sehr empfindlich gegenüber Temperaturen, sodass selbst mit haushaltsüblichen Eisakkus bereits nach kürzester Zeit Erfrierungserscheinungen drohen können«, ergänzt Prof. Wülfing abschließend und verweist auf die 68. DGU-Jahrestagung, welche vom 28. September bis 1. Oktober im Congress Center Leipzig stattfinden wird. Dort erwarten die Besucher des öffentlichen DGU-Patientenforums am 1. Oktober zwischen 10:30 Uhr und 12:30 Uhr weitere Informationen zu urologischen Erkrankungen.
 (Quelle: DGU-Pressestelle; Foto © info@vnz-art.de | photocase.de).

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