»Fokus Jungs«

Neue Fachstelle für Jungenarbeit in Hessen

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Text: Marc Melcher
Foto: der_wichtig, photocase.de

Das Bild von Männlichkeiten, das Jungen gesellschaftlich und über die Medien vermittelt bekommen, beschreibt meist eine recht einseitige Rolle. Jungesein oder Mannsein wird dabei oft gleichgesetzt mit cool sein, körperlicher Fitness, Dominanz und Härte. Doch was brauchen Jungen wirklich, um ihre Potentiale entfalten und ein gutes, selbstbestimmtes Leben führen zu können?

»Fokus Jungs«, die neue Fachstelle für Jungenarbeit in Hessen (ein Projekt des Paritätischen Bildungswerkes Bundesverband e.V. mit Sitz in Frankfurt/M., unterstützt von »Aktion Mensch«), stellt die Förderung von Jungen in ihren Mittelpunkt. Denn förderlich für alle Jungen ist eine Perspektive auf die Vielfalt von Jungesein und (ihr) Jungenleben – mit Blick auf Spielräume, Alternativen, Unterschiedlichkeiten, jenseits von Stereotypen über »die« Jungen. Jungen brauchen einen guten und jungengerechten Zugang zu Bildung – formell wie informell, im Sinn von Selbstbildung und als »Geschlechterbildung«.
Das Vorhaben der Fachstelle richtet sich an Fachkräfte der pädagogischen Arbeit und im geplanten Praxis-Modellprojekt (Start 2017) an Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Durch Vernetzungen auf Landesebene werden Fachkräfte praxisnah und zielgruppenorientiert bei ihrer geschlechtsbezogenen Arbeit mit Jungen unterstützt. Dies beinhaltet die Arbeit mit Jungen vom KiTa-Alter bis in die junge Erwachsenen-Phase hinein. Die Fachstelle wird die zentrale landesweite Anlaufstelle zur Dokumentation, Information, Beratung, Vernetzung und Qualifizierung von geschlechterreflektierter Jungenarbeit in Hessen. Mit ihren Angeboten unterstützt die Fachstelle Kommunen, Städte und freie Träger in Hessen. Die Zusammenarbeit u.a. mit der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik in Hessen e.V. wird angestrebt.

Weitere Infos gibt es auf der Website »Fokus Jungs«.

Väter_aller*lei Geschlechts

Tagung über das Spiel mit Ambivalenz zwischen Generationen in Fernsehserien am 11./12. Dezember 2015 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden

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Text: Alexander Bentheim (Redaktion nach Quelle Stiftung DHMD)
Foto: Mrsnikon, photocase.de

In den letzten Jahren sind Fernsehserien zunehmend Gegenstand der Kultur- und Sozialwissenschaften geworden. Als »gesellschaftliche Agenturen« verhandeln serielle Fernsehformate politische, ethische, soziale und ökonomische Fragen. Die Tagung untersucht, wie das Medium Fernsehserie Familie als Instanz und Symbol von Gesellschaft verhandelt und dabei Vaterschaft (und durchaus auch Mutterschaft) inszeniert und reflektiert.

Beiträge gibt es u.a. von
_ Prof. Dr. Lars Koch (Institut für Germanistik, TU Dresden): »In Touch with Tomorrow. Konsolidierungen von Vaterschaft und symbolischer Ordnung nach 9/11«
_ Prof. Dr. Mark Arenhövel (Institut für Politikwissenschaft, TU Dresden): »Family Values in New Mexico. Patriarchale Eskalation in Serie«
_ Prof. Dr. Brigitte Georgi-Findlay (Institut für Anglistik und Amerikanistik, TU Dresden): »Ben Cartwright und andere Väter«
_ Prof. Dr. Christian Schwarke (Institut für Evangelische Theologie, TU Dresden): »Abraham, Agnew, McNulty und die anderen. Väter-Cops und ihre Opfer«
_ Prof. Dr. Katja Kanzler (Institut für Anglistik und Amerikanistik, TU Dresden): »Komische Väter? Das Lustige, das Lächerliche und Vorstellungen von der guten Familie in Sitcoms«
_ Prof. Dr. Anja Besand (Institut für Politikwissenschaft, TU Dresden): »Von einsamen Müttern und verzweifelten Vätern. Fernsehserien als Erziehungsratgeber«

Koordinaten zur Tagung | Ort Deutsches Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Marta-Fraenkel-Saal | Zeit Fr 11.12., 10.30h bis Sa, 12.12., 17h | Veranstalter Arbeitsgruppe »weiter sehen. Interdisziplinäre Beiträge der Dresdner Serienforschung« in Zusammenarbeit u.a. mit »weiterdenken. Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen« und Evangelische Akademie Meißen | Kosten 15 EUR für Vollzahler, 10 EUR für Ermäßigungsberechtigte | Weitere Infos, vollständiges Programm und Anmeldung (per Mail bis 5.12.15) im Kalender des DHMD.

Hauptsache gesund!

Wie tief Vorurteile und Ängste gegenüber Menschen sind, die eine Behinderung haben, offenbaren die aktuellen Debatten um die richtige, falsche oder überfordernde Inklusion

Text: Frank Keil
Foto: luxuz::., photocase.de

Männerbuch der Woche, 45ste KW. – Fabian Toulmé lässt mit seiner Graphic Novel »Dich hatte ich mir anders vorgestellt …« einem verschreckten Vater 250 Seiten und weit mehr Zeichnungen Zeit, sich an seine behinderte Tochter zu gewöhnen.

Zur Rezension

Rassismus und Männlichkeiten

Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung am 7. November in Berlin

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Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: kallejipp, photocase.de (Symbolbild)

Nicht nur angesichts der schwankenden Prognosen, wie viele Flüchtlinge aus Syrien, Nordafrika und Südosteuropa in Deutschland Schutz suchen, warnen rechtsextreme Organisationen wie Pegida oder die NPD vor der scheinbaren »Überfremdung« und schüren Ängste vor dem »frauenfeindlichen« Islam.
Doch Rassismus ist nicht ausschließlich ein Randphänomen: Rassistische Strukturen sind – offen oder unbewusst – auch in der Mitte der Gesellschaft wirksam und sorgen dafür, dass deren Effekte kulturell, sozial und politisch zum Tragen kommen. So zum Beispiel bei Entscheidungen darüber, wem Chancen zugeteilt oder verweigert, wessen Lebensrealitäten anerkannt werden oder nicht – Rassismus hierarchisiert Menschen nach Herkunft, Hautfarbe, Sprache, kulturellen und religiösen Praxen.

In der sozialen, pädagogischen und politischen (Männer-)Arbeit haben Fachkräfte mit Menschen zu tun, die von Rassismus und Sexismus profitieren oder betroffen sind. Die Situation in einer von zunehmender Migration und Geschlechtervielfalt geprägten Gesellschaft ist dabei komplex. Die Tagung »Rassismus und Männlichkeiten« bietet daher Akteur_innen aus der sozialen, pädagogischen und politischen Arbeit einen Reflexions- und Debattenraum, um ihre eigene Praxis kritisch zu hinterfragen und mit einem Fokus auf Männlichkeitsvorstellungen entlang verschiedener Fragestellungen das Verhältnis und Zusammenwirken von Rassismus und Geschlecht zu systematisieren: Welche Folgen hat ein sensibler Blick auf Migration und Geschlecht für die soziale und pädagogische Praxis? Weshalb werden die Kritik an Rassismus und Sexismus noch so oft getrennt voneinander verhandelt, auch in männerpolitischen Kreisen? Wie können eigene Privilegien als weiße, heterosexuelle Frauen und Männer der Mehrheitsgesellschaft in der Praxis selbstverständlicher hinterfragt werden? Wie kann eine antisexistische und antirassistische Praxis aus männerpolitischer Perspektive aussehen?

Die Tagung wird bereichert mit Impulsen u.a. von Inga Niehaus (Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung), Özcan Karadeniz (Projektkoordinator „Vaterzeit im Ramadan?!“, Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V.), Andreas Haase (Gender Coach und ehemaliger Leiter einer Notunterkunft, Detmold), Susanne Spindler (Professorin für migrationssensible Soziale Arbeit, Hochschule Darmstadt), Olaf Jantz (Jungenbildungsreferent bei mannigfaltig e.V., Hannover).

Koordinaten zur Tagung: Samstag, 7. November 2015, 9.00 – 17.00 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin. Ein detailliertes Programm und die erforderliche Anmeldung gibt es hier.

Der vorgezeichnete Weg?

Fachtag zu Geschlechtskonstruktionen nach sexualisierter Gewalt gegen Jungen am 23. Oktober in Berlin-Kreuzberg

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Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: momosu, photocase.de

20 Jahre »Tauwetter. Anlaufstelle für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren« – Anlass für die Anlaufstelle, einen Fachtag zum Thema »Geschlechtskonstruktionen nach sexualisierter Gewalt« zu gestalten und sich in zwei Vorträgen (Jörg Schuh & Thomas Schlingmann, Dirk Bange) sowie einer »Workshoprallye» mit 12 Stationen diesen Fragen zu widmen: Wie können Jungen sexualisierte Gewalt bewältigen und bearbeiten? Müssen sie ihre Erlebnisse ewig mitschleppen und zu »Mackern«, Tätern oder »Loosern« werden? Welche Auswege gibt es?
Der Fachtag wird bereichert von erfahrenen Expert_innen im Thema: Sabine Fries (Gehörlosenverband Berlin, HU), Thomas Viola Rieske (Dissens Institut für Bildung und Forschung), Martina Hävernick (Selbsthilfe und Beratung Wildwasser Berlin), Peter Mosser (kibs München), Franz-Gerd Ottemeier-Glücks (Mannigfaltig Minden), Maren Kolshorn (Frauennotruf Göttingen), Volker Mörchen (Bremer jungenbüro), Lukas Weber (Hilfe-für-Jungs, Berlin), Ursula Enders (Zartbitter Köln), Torsten Kettritz (Ampel Dessau), Mari Günther (Queer leben Berlin), Barbara Kavemann (Sozialwissenschaftliches FrauenForschungsInstitut Freiburg, Kath. Hochschule Berlin).

Alle Koordinaten zum Fachtag: Freitag, 23. Oktober, 9-17 Uhr, Alte Feuerwache Kreuzberg, Axel-Springer-Str. 41/42, 10967 Berlin. Kosten 25 Euro inkl. Verpflegung. Weitere Informationen und > Anmeldung.

Süße Prinzessinnen und starke Helden

TU-Berlin-Projekt analysiert Sprüche auf Kinder-Shirts – Viele Motive tragen zu geschlechterstereotypen Rollenbildern bei

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Text: Alexander Bentheim (Redaktion nach Quelle IDW)
Foto: crashed life, photocase.de

»In Mathe bin ich Deko« – ist das witzig? Wenn es nach einem Hersteller und einem Versandhaus geht, die ein Mädchen-T-Shirt mit diesem Aufdruck anboten, offenbar. Doch in den sozialen Netzwerken gab es richtig Ärger dafür. Und auch Soziolog_innen beklagen derartige Rollenzuschreibungen schon lange, denn sie haben nachweisen können, dass negative Leistungserwartungen, die jemandem entgegengebracht werden (z.B. zu blöd für Mathe zu sein), zu tatsächlich schlechteren Leistungen führen können. Jedoch haben die Erkenntnisse der Soziologie über Rollenzuschreibungen keineswegs zu einer Revolutionierung der Motive auf der Kinderkleidung geführt. Das geht aus der Untersuchung von Studierenden am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin (ZIFG) hervor. Sie haben 501 Kindersprüche auf T-Shirts für Jungen und für Mädchen analysiert. Und das Ergebnis war in diesem Ausmaß für sie selbst überraschend: Geschlechterstereotype Rollenbilder fanden sich bei allen elf untersuchten Marken in allen Preissegmenten.

»Little«, »sweet«, »happy«, »cute«, »lovely« waren die häufigsten Adjektive, »Love«, »Girl«, »Star«, »Princess« die Substantive auf Mädchen-T-Shirts – bei den Jungs-Shirts waren es die Adjektive »crazy«, »cool«, »wild«, »strong« und die Substantive »Life«, »Team«, »King«, »Rebel«. Als Leitmotive für die Mädchen-Shirts fanden sich die Themen Märchen und Träume, Unschuld und Naivität, Schönheit und Selbstbewusstsein – bei den Jungs-Shirts waren Sport, Wettkampf, Teamgeist die Leitmotive, ebenso wie Abenteuer, Natur, Reisen sowie Superhelden und Superkräfte oder Rebellion und Grenzüberschreitungen.

Stereotype Geschlechterbilder – auch diese Erkenntnis konnten die Studierenden mit ihrer Studie untermauern – gelangen auf vielfältigsten Wegen mittels Gesten oder alltäglichen Entscheidungen in die Köpfe von Kindern und beeinflussen so auch die Art, wie sie sich selbst empfinden. Kann es aber sein, dass Männer gar nicht »süß« sein möchten und Mädchen keine »Superheldin«? Die Genderforschung sieht das anders. »Die geschlechtsbedingten Vorurteile sind den meisten in unserer Gesellschaft gar nicht bewusst«, erklärt Dr. Petra Lucht, Soziologin und Gastprofessorin am ZIFG. »Männer dürfen nicht ,süß‘ sein, solange es die geschlechtsbezogenen Rollenbilder nicht vorsehen. Geschlechterstereotype – das sieht man sehr eindrücklich an den T-Shirt-Sprüchen – werden uns übergestreift wie eine zweite Haut. Hier sollten wir auch an die Mitverantwortung der Unternehmen appellieren.«

Das Versandhaus, dass das T-Shirt mit dem diskriminierenden Mathe-Spruch anbot, hat es inzwischen aus dem Sortiment entfernt.

Münsteraner Männertag

Am 7. November gibt es vom Männerforum Münster e.V. die bereits 21. Ausgabe

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Text: Alexander Bentheim (Redaktion)
Foto: David-W-, photocase.de

Mit dem Motto und Rahmen »… das ist doch männschlich!« veranstaltet das Männerforum Münster e.V. am 7. November seinen alljährlichen Männertag, nunmehr bereits in der 21. Ausgabe. Eingeladen sind alle »Männer ab 14«.
Beim Männertag gibt es Gelegenheit, sich in Workshops und Gesprächen mit Fragen wie diesen auseinanderzusetzen: »Was ist typisch männlich?«, »Wie beeinflussen vorherrschende Männerbilder mein Leben?«, »Wie finde ich meine männliche Identität?«, »Wie kann ich als Mann ein menschlich erfülltes Leben führen?«
Der Männertag lebt von den Angeboten der Teilnehmer, jeder kann einen Workshop anbieten, entweder vorangemeldet per Mail oder spontan am Tag selbst. Infos zu den bereits angemeldeten Workshops gibt es auf dem Portal des Männerforum Münster.
Die Vorbereitungsgruppe trifft sich am Dienstag, 13.10., 19h, im Gesundheitshaus Münster, Raum 402 – Interessenten, die die Organisation unterstützen möchten, sind willkommen.

Koordinaten zum Männertag: Samstag, 7. November 2015, 12.30 bis ca. 21.00h, Gesundheitshaus, Gasselstiege 13. Kosten: 18 Euro (5 Euro Jugendliche und Mitglieder) inkl. Kaffee, Kuchen & Imbiss. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Infos: www.maennerforum-muenster.de.
Zum Flyer (PDF)

Meine Mutter ging in den Westen, mein Onkel blieb im Osten

Erinnerungen an meine frühen Verwandtenreisen in die DDR

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Text: Frank Keil
Foto: Rick., photocase.de
Special: 25 Jahre Wiedervereinigung

»Das mit den langen Haaren musst du aber ändern«, sagt mein DDR-Onkel Günther und gibt mir die Hand. »Wir hier im Sozialismus haben gute Frisöre«, sagt er. Ich bin 14 Jahre alt, ich habe langes, dünnes Haar, auf das ich sehr stolz bin. Es hat mich viele Kämpfe gekostet, bis mein Vater es aufgegeben hat, mich zu dem Frisör zu schicken, zu dem auch er immer geht.
Ich bin das zweite Mal in der DDR. Ich besuche meine Verwandten, es ist meine Idee, ich besuche sie eine Woche lang, und ich habe West-Kaffee mit und West-Schokolade …

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Manchmal muss man auf den Mond zeigen

Die deutsche Geschichte – wie oft ist sie erzählt worden. Was nur gut gelingen kann, wenn man auch auf ihre wechselseitigen Bedingtheiten zurückschaut.

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Text: Frank Keil
Foto: Alexander Bentheim
Special: 25 Jahre Wiedervereinigung

Männerbuch der Woche, 41ste KW. – André Herzberg entwirft in »Alle Nähe fern« ein jüdisch-deutsches Familienepos mit deutlichen biografischen Bezügen. Und er fragt nicht zuletzt nach den Bedingungen jüdischen Lebens in der einstigen DDR.

Zur Rezension

»Pegida? 40 Jahre degeneriertes Bewusstsein von Geschichte«

Gedankensplitter des Dresdner Künstlers Via Lewandowsky, der zurzeit in der Kunsthalle Kiel ausstellt

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Text und Foto: Frank Keil
Special: 25 Jahre Wiedervereinigung

Via Lewandowsky, gebürtiger und kunststudierter Dresdner, gehörte Ende der 80er-Jahre zu der Künstlergruppe »Autoperforationsartisten«, die mit ihren Performanceaktionen gegen die offiziellen Vorstellungen von Kunst in der DDR agierte. Wie viele andere Künstler seiner Generation verließ auch er die DDR.

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