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Tag, Nacht, wieder Tag

Keine Wohnung haben. Auf der Straße leben müssen. Gibt es Schlimmeres für uns Büchermenschen? Vermutlich.

Ein nachdenklicher Mann am Tisch mit einem Glas und Flaschen

Frank Keil

Männerbuch der Woche, 6te KW. – Markus Ostermair gewährt in seinem Debütroman »Der Sandler« tiefe Einblicke in die Welten obdachloser Männer und formt daraus zugleich wahre Literatur. (Foto © Maxal Tamor | photocase.de)

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Hermanns Geschichte

Das Bild, das Wort: je eine Welt, in die wir geführt werden. Um so besser, wenn sich beiden Welten ergänzen, stützen, beleben.

Pistolen-Tattoo auf einem Unterarm

Frank Keil

Männerbuch der Woche, 3te KW. – Hannah Brinkmann erzählt in ihrer Graphic Novel »Gegen mein Gewissen« von der Geschichte der Kriegsdienstverweigerung in der einstigen BRD – und vor allem von ihrem Onkel Hermann. (Foto © Timmzie | photocase.de)

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Wenn Amseln glücklicher als Kinder sind

Ein Bilderbuch über sexualisierte Gewalt.

Hände Haare bröckelnder Ton

Ralf Ruhl

Nein, es ist kein Kinderbuch für alle. Radikal aus der Sicht eines etwa zehnjährigen Kindes geschrieben und illustriert ist »Die glückliche Amsel« von Stefan Moster und Nadia Faichney. Bedrückend, authentisch, hoffnungsvoll. Ein großartiges Buch – für Kinder, die sexuelle Gewalt erlebt haben und sich in psychotherapeutischer Begleitung befinden. Denn die ist dringend nötig, um mit dem durch die Gewalt ausgelösten Trauma umgehen zu lernen. (Foto © Frollein S. | photocase.de)

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12 Bier

Geschichten vom Wochenmarkt

Käsehandler Albrecht Dennemann

Albrecht Dennemann

Das Wesen des Wochenmarktes ist es, dass man seine Stammkunden zwar kennt, in der Regel jedoch nicht beim Namen. So war es auch lange mit Benno, ein dynamisch, sportlicher Mittsiebziger. Eines Tages kam er zu mir an den Stand und es presste sich förmlich aus ihm heraus: »Alle sagen zu Dir Albrecht – das will ich auch. Ich bin Benno!« Damit war das geklärt und fortan waren wir per Du.

Fast immer zeitgleich mit Benno kam ein anderer Herr. Sie kannten sich offenbar und gingen freundschaftlich miteinander um. Eines Tages erzählten sie mir ihre Geschichte. Sie waren zusammen zur Schule gegangen. Das Studium hatte beide in andere Städte verschlagen und das berufliche Leben hatte nur Benno wieder nach Lingen im Emsland zurückgeführt. Sein Schulkumpel ging in Düsseldorf seinem Broterwerb nach. Mit dem Ruhestand war dieser jedoch ebenfalls nach Lingen zurückgekehrt. Eines Tages trafen sie sich, tauschten Telefonnummern aus und gingen wieder ihrer Wege. Der »Düsseldorfer« schickte Benno alsbald eine SMS: »Sollen wir uns nicht mal auf 1-2 Bier treffen?«, fragte er. Woraufhin Benno antwortete: »12 schreibt man ohne Bindestrich«. Als sie mir das erzählten, rutschte es mir spontan raus: »Sag mal Benno, warst Du mal Lehrer?« – »Scheiße, erwischt!«, entfuhr es ihm und wir alle mussten herzlich lachen.

Seit inzwischen fast einem Jahr kommt leider nur noch der »Düsseldorfer«. Benno hatte ein übler Krebs heimgesucht. Damals hatte ich ihn eine Weile nicht gesehen und mir zunächst nichts dabei gedacht. Benno war sehr aktiv und viel auf Reisen und mit Radtouren unterwegs. Irgendwann wurde es mir jedoch unheimlich und ich fragte den »Düsseldorfer«. Woraufhin er eine Trauerkarte zückte. Darauf war ich nicht gefasst und musste mich erst einmal setzen.

Sicherlich war es nicht nur für seine Familie ein herber Verlust. Die vielen Nachrufe und auch einer in der Zeitung belegten, welch Rolle er für das Gemeinwesen gespielt hatte. Auch für mich ein Verlust. Hin und wieder sprechen der »Düsseldorfer« und ich über Benno und auch über 12 Bier… (Foto © privat)