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Risiken und Nebenwirkungen

Als Kassenkunde im Krankenhaus

Füße in einem Krankenbett

Stefan Moes

»Leiden Sie an Verstopfungen?«, will der junge Arzt bei der Aufnahme wissen. Wir stehen am Bett. Es gibt nicht mal einen Raum, in dem Arzt und Patient ungestört sprechen können. Mein Zimmergenosse ist ganz Ohr. »Jetzt erfahren Sie alles über mich«, sage ich.
Chefvisite. Im weißen Kittel mit vergoldeten Knöpfen erscheint der Chefarzt samt Entourage. Ich bin zittrig, die Stimme versagt. Was ich mir zurecht gelegt hatte, kommt nicht heraus. Es hätte ohnehin keinen Platz. Die Ärzte reden über meine Symptome als sei ich nicht da. Ich lasse es zu. Ärgere mich und kann es doch nicht ändern. (Foto © Francesca Schellhaas | photocase.de)

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Hinter den Mauern von San Quentin

Eine Radio-Nacht über das kalifornische Staatsgefängnis – von Arndt Peltner und Rita Höhne am 21. Mai im DLF

Gefängnismauer

Alexander Bentheim (Redaktion)

Das älteste Gefängnis in Kalifornien wurde 1852 am Rande der San Francisco Bay eröffnet und ist reich an Geschichten. Sie handeln von Gangs, die sich hinter den Mauern einen brutalen Krieg liefern, aber auch von Johnny Cash, der hier legendäre Konzerte spielte, und von einem der größten und beeindruckendsten Wandbilder im ganzen Land, das hier – verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit – entstand. Dutzende von Programmen werden den Gefangenen in San Quentin angeboten, sie reichen von Sozial- und Kunstprogrammen, über eine Shakespeare Theatergruppe, eine eigene Zeitung, bis hin zu einem seit 1920 bestehenden Baseballteam.
Die Radio-Nacht erzählt über das weltbekannte Gefängnis »Bastille by the Bay«, wie San Quentin auch genannt wird, und von den Geschichten seiner Insassen und Besucher. (Foto © owik2 | photocase.de)

Sendung: Samstag, 21.5.16, 23:05h, Deutschlandfunk, Reihe »Lange Nacht« (180 Min.)

Artikel

Kleiner Schnitt, GEWALTige Wirkung

Eine folgenreiche Entscheidung, ein Buch und ein Interview

Mann hält sich den Handrücken vor den Mund

Alexander Bentheim

Ein Aufsehen erregendes Urteil des Kölner Landgerichts vom Mai 2012, das – Kindeswohl vor Elternrecht – die rituelle Beschneidung von Jungen zur Straftat erklärte, ein hastig schon im darauf folgenden Dezember verabschiedetes religionsfreundliches Gesetz zur Beschneidung des männlichen Kindes (§ 1631d BGB) und eine seitdem andauernde, teils heftige – in Teilen auch »unterdrückte« – gesellschaftliche Debatte darüber bilden den Hintergrund des Buches »Ent-hüllt!«, das im letzten Mai erschien. Und das unmittelbar sowie mittelbar Beschneidungsbetroffene zu Stimmen verhilft, die auch zukünftig gehört werden wollen – und müssen. Denn das Thema Beschneidung von Jungen hat sich nicht erledigt, nur weil es keine Schlagzeile mehr bekommt.

Der unter Pseudonym schreibende Autor Clemens Bergner berichtet von seiner eigenen Beschneidung in der Kindheit aus vorgeblich medizinischen Gründen, versammelt in seinem Buch aber auch viele Geschichten von anderen Männern, die über ihre meist ebenfalls im Kindesalter erfolgte Beschneidung der Vorhaut (Amputation, Zirkumzision, Verstümmelung) erzählen, und die – wie er – unter körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen ihr Leben lang leiden.

Nun kann man ein Buch wissenschaftlich, auch empathisch rezensieren. Aber es gibt Ausnahmen, wo es sich anbietet, den Autor selbst zu hören, weil er am eindrücklichsten beschreiben kann, worum es ihm – auch über das Buch und in diesem Fall die Betroffenengeschichten hinaus – mit seiner Publikation geht. Ein Interview aus dem letzten Jahr, das der Religionskritiker und Blogger Stefan Schritt (»Abgeblogged«) mit dem Autor führte, durften für die MännerWege dankenswerterweise neuveröffentlicht werden. (Foto © dommy.de | photocase.de)

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Video

»Keiner von euch Spacken wird an mir rumoperieren!«

Viviane Andereggen‘s Kinofilm »Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut« spielt mit dem Schauer des Akts der Beschneidung.

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Frank Keil

Es gibt Themen, die ploppen plötzlich auf und entfachen aus dem Stand eine wuchtige Debatte – und Jahre später reibt man sich verwundert die Augen, ob der Heftigkeit, an die man sich noch vage erinnert. So war das mit dem Thema »Beschneidung«, das im Jahr 2012 plötzlich die Zeitungsseiten füllte und für turbulente Talkshow-Einlagen sorgte.
Und so ist »Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut« denn auch zunächst ein durchaus humorvoller Beitrag auf der Folie der Beschneidungsdebatte (und ein Spielfilm ist kein Dokumentarfilm, sondern wird getragen von ausgedachten Charakteren und konstruierten Begegnungen, die aus verständlichen Gründen nicht unserer Alltagslogik folgen müssen), allerdings stellt sich auf die Dauer der Strecke eine gewisse Abnutzung ein und man schaut immer unbeteiligter den inszenierten Irrungen und Wirrungen zu, in denen sich die Protagonisten verheddern. (Foto © element e filmproduktion gmbh)

Zur Rezension
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Der Film wurde am 19.11.15 im Sender N3 ausgestrahlt; er ist in der dortigen Mediathek noch bis zum 27.12.15 zu sehen, aus Jugendschutzgründen von 20 Uhr bis 6 Uhr. Der Kinostart folgt.