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Kleiner Schnitt, GEWALTige Wirkung

Eine folgenreiche Entscheidung, ein Buch und ein Interview

Mann hält sich den Handrücken vor den Mund

Alexander Bentheim

Ein Aufsehen erregendes Urteil des Kölner Landgerichts vom Mai 2012, das – Kindeswohl vor Elternrecht – die rituelle Beschneidung von Jungen zur Straftat erklärte, ein hastig schon im darauf folgenden Dezember verabschiedetes religionsfreundliches Gesetz zur Beschneidung des männlichen Kindes (§ 1631d BGB) und eine seitdem andauernde, teils heftige – in Teilen auch »unterdrückte« – gesellschaftliche Debatte darüber bilden den Hintergrund des Buches »Ent-hüllt!«, das im letzten Mai erschien. Und das unmittelbar sowie mittelbar Beschneidungsbetroffene zu Stimmen verhilft, die auch zukünftig gehört werden wollen – und müssen. Denn das Thema Beschneidung von Jungen hat sich nicht erledigt, nur weil es keine Schlagzeile mehr bekommt.

Der unter Pseudonym schreibende Autor Clemens Bergner berichtet von seiner eigenen Beschneidung in der Kindheit aus vorgeblich medizinischen Gründen, versammelt in seinem Buch aber auch viele Geschichten von anderen Männern, die über ihre meist ebenfalls im Kindesalter erfolgte Beschneidung der Vorhaut (Amputation, Zirkumzision, Verstümmelung) erzählen, und die – wie er – unter körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen ihr Leben lang leiden.

Nun kann man ein Buch wissenschaftlich, auch empathisch rezensieren. Aber es gibt Ausnahmen, wo es sich anbietet, den Autor selbst zu hören, weil er am eindrücklichsten beschreiben kann, worum es ihm – auch über das Buch und in diesem Fall die Betroffenengeschichten hinaus – mit seiner Publikation geht. Ein Interview aus dem letzten Jahr, das der Religionskritiker und Blogger Stefan Schritt (»Abgeblogged«) mit dem Autor führte, durften für die MännerWege dankenswerterweise neuveröffentlicht werden. (Foto © dommy.de | photocase.de)

Zum Interview.

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Wenn Papa weg ist

Manche Väter sind abwesend. Wegen Arbeit oder Krankheit. Oder wegen Trennung.

Vater zieht Kind auf einem Schlitten durch den Schnee

Ralf Ruhl

Jedenfalls sind diese Väter für die Kinder nicht oder kaum erreichbar. Was für Kinder äußerst schmerzhaft ist. Das Bilderbuch »Mondpapas« hilft, über die Lücke zu sprechen, die abwesende Väter hinterlassen. (Foto © Fotoline | photocase.de)

Zur Rezension

Video

»Beschneidung als Disziplinierungsmaßnahme«

Video-Dokumentation eines Symposiums zur genitalen Autonomie von Jungen, Mai 2014 in Köln

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Alexander Bentheim (Redaktion)

Seit Inkrafttreten des §1631d BGB im Dezember 2012, welcher die Beschneidung von Jungen in Deutschland gesetzlich erlaubt, wird die Debatte – die im Vorfeld der gesetzlichen Regelung, schon aus Zeitgründen, viel zu kurz kam – zumindest in Fachkreisen immer wieder geführt. Dem Verein »MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene« und »pro familia NRW« ist es zu verdanken, dass im Mai 2014 nicht nur eine namhaft besetzte Veranstaltung in der Universität Köln stattfand, sondern sämtliche Beiträge als auch Videomitschnitte vorliegen – was schon deshalb wichtig ist, weil mit diesen nicht nur deren Inhalte, sondern auch Stimmungen transportiert werden.

Ein ausführlicher Kongressbericht von Gislinde Nauy und Walter Otte vom »Humanistischen Pressedienst« (hpd) gibt einen prägnanten Überblick des wissenschaftlichen Symposiums »Genitale Autonomie: Körperliche Unversehrtheit, Religionsfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung – von der Theorie zur Praxis«, aber es lohnt auch, die Beiträge im O-Ton mitzuverfolgen, etwa von Prof. Dr. Jörg Fegert (»Eltern als beste Garanten der Kindesinteressen?«), Prof. Dr. Maximilian Stehr (»Zur medizinischen Tragweite einer Zirkumzision«), Prof. Dr. Matthias Franz (»Psychotraumatologische und psychoanalytische Aspekte der Jungenbeschneidung«), Dr. Jörg Scheinfeld (»Beschneidungserlaubnis und Verfassungsrecht«), Hans-Joachim Lenz (»Männliche Beschneidung als sexualisierte Gewalt«) und Dr. Jérôme Segal (»Die Beschneidung aus jüdisch-humanistischer Perspektive«). Alle weiteren Beiträge sind einzusehen über das Videoverzeichnis des »Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V.«.

Gislinde Nauy und Walter Otte resümieren in ihrem Bericht, dass das Symposium nachdrücklich aufzeigte, »wie sehr sich Menschen unterschiedlichen kulturellen Hintergrundes darüber einig sind, dass der §1631d BGB nicht in ein modernes Rechtssystem mit einem ausgeprägten gesellschaftlichen Bewusstsein für Kinderrechte passt« und »Religionsfreiheit heute kein Freibrief mehr für Gewalt gegenüber Jungen sein [kann], die als Minderjährige ohne Einwilligungsfähigkeit beschnitten werden. Belastende körperliche, sexuelle und seelische Langzeitfolgen einer Beschneidung im Kindesalter sind belegt.« (Foto © Fiebke | photocase.de)

Audio

Grenzenlose Liebe

Binationale Ehen und deren besonderen Herausforderungen – Radio-Diskussion am 20. August mit Expert_innen und Gästen

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Alexander Bentheim (Redaktion)

Ein Paar, zwei Nationalitäten, zwei Sprachen mindestens: In Deutschland werden immer mehr binationale Ehen geschlossen. Das ist gelebte Globalisierung und doch auch eine ganz eigene Herausforderung. Zu den normalen Beziehungskonflikten kommen kulturelle und kommunikative Stolperfallen hinzu. Wenn unterschiedliche kulturell geprägte Vorstellungen von Familie und Zukunft aufeinanderprallen, ist Liebe keine Garantie, dass zeigt die stark erhöhte Scheidungsrate.
Was also können Paare tun, damit ihre Beziehung Bestand hat? Wo können sie sich beraten lassen, wenn Vorstellungen über Kultur, Tradition oder Religion auseinanderklaffen? Welche rechtlichen Fragen gilt es zu bedenken, wenn Partner unterschiedlicher Herkunft heiraten oder eine Lebenspartnerschaft eingehen wollen? Und welche, wenn es doch zur Trennung kommt, vielleicht sogar Kinder davon betroffen sind? (Quelle: DLF, Foto © hlehnerer | photocase.de)

Sendung: Donnerstag, 20.8.15, 10:10h, Deutschlandfunk, Reihe »Marktplatz«, Moderation: Sarah Zerback, kostenfreies Hörer_innen-Tel.: 00800. 4464 4464, Mail-Beteiligung: marktplatz@deutschlandfunk.de (bis 11:30h)