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Abends Kneipe

Wenn politisch-rigide Systeme zu fallen drohen, muss das nicht gut ausgehen und auch nicht friedlich enden. Falls aber doch, winken die Zumutungen der Freiheit (möglicherweise).

Mann mit Glas in der Hand und Flasche im Hintergrund

Frank Keil

Männerbuch der Woche, 15te KW. – Zu erinnern an und vor allem wieder zu lesen ist Thomas Rosenlöchers so kluges wie offenherziges Journal »Die verkauften Pflastersteine – Dresdner Tagebuch« über die letzten Tage der DDR und die neuen Tage des neuen Deutschland; erstmalig erschienen 1990, danach immer wieder aufgelegt. Und warum es lesen? Nicht aus Nostalgie heraus (oder meinetwegen auch das), sondern weil es mal wieder zurückführt in Zeiten, in denen so vieles möglich scheint, im Guten wie im zu Befürchteten. Denn als Rosenlöcher seine Notizen um sich herum versammelt, ist noch völlig offen, wie die Staatsmacht auf die wachsenden Proteste ihrer real-sozialistischen Bürger reagieren wird. Umso erstaunter kann man noch einmal lesend verfolgen, wie schnell die Dämme brechen, wie ein über Jahrzehnte eingespieltes System aus latenter Bevormundung, beständiger Einschüchterung bei gleichzeitigen Lockangeboten regelrecht implodiert, wie Rosenlöcher eine Zeit lang recht ungläubig protokolliert – wobei Dresden immer eben eine kleinere Hausnummer ist als das stets rebellischere Leipzig … (Foto © andreas mang | photocase.de)

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