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0800 123 9900

Neue Hotline für von Gewalt betroffene Männer und Männer*

Ein nachdenklicher Mann

Alexander Bentheim (Redaktion)

Männer erleben Gewalt, erleiden Gewalt, erdulden Gewalt – in der Kindheit, auf der Straße, in Institutionen oder auch in der Partnerschaft. So weisen etwa die polizeilichen Kriminalstatistiken jährlich wiederkehrend aus, dass etwa 3/4 aller von körperlicher Gewalt betroffenen Menschen männlich sind.

Während Frauen sich bereits seit den 1970er Jahren auf breiter gesellschaftlicher Ebene für ihren Schutz, für Rat und Hilfe einsetzten, lautete ein traditionelles männliches Mantra zu oft noch: »Indianer kennen keinen Schmerz«, oder: »Was einen nicht umbringt, macht einen härter«. Die Geschichte der Kritik an solchen (pädagogischen) Überzeugungen ist lang und kennt insbesondere aus der Jungen- und Männer(bewegungs)arbeit viele Initiativen, Projekte und Förderungen mit dem Ziel, solch ungesunden Einstellungen praktisch und emphatisch entgegenzuwirken. – Daher nun äußerst erfreulich: mit dem »Hilfetelefon Gewalt an Männern« gibt es einmal mehr eine auch geschlechterpolitisch relevante Maßnahme, Rat und Hilfe für von Gewalt betroffene Männer zu bündeln und ein Unterstützungsnetz mit bundesweiter Bedeutung aufzubauen.

Das Hilfetelefon ist zu erreichen unter 0800 1239900 zu diesen Sprechzeiten: montags-donnerstags von 9-13 Uhr sowie 16-20 Uhr und freitags von 9-15 Uhr. Parallel gibt es die Möglichkeit, Kontakt auch per Mail an beratung@maennerhilfetelefon.de aufzunehmen und sich auf der Website www.maennerhilfetelefon.de vorab oder weiter zu informieren. Dort wird u.a. erläutert, was unter Gewalt verstanden wird und welche Formen und Dimensionen es gibt: Häusliche Gewalt, Gewalt im öffentlichen Raum, Sexualisierte Gewalt, physische Misshandlungen in der Kindheit, Zwangsheirat, Mobbing, Stalking/Cyberstalking, psychische Gewalt, Gewalt mit Diskriminierungsbezug.

Finanziell gefördert wird es von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Bayern, umgesetzt wird das Männerhilfetelefon von der man-o-mann männerberatung in Bielefeld und der Beratungsstelle »via – Auswege aus der Gewalt« der AWO Augsburg.
Neben der Beratung für direkt betroffene Männer gibt es eine Unterstützung für Angehörige oder Fachpersonal, sich über Hilfsmöglichkeiten für gewaltbetroffene Männer zu informieren; die Sprechstunde für Fachpersonal wird in Bielefeld montags von 9-10 Uhr unter der Telefonnummer 0521. 68676 angeboten, die in Augsburg gibt es mittwochs von 15-16 Uhr unter der Telefonnummer 0821. 45033920. (Foto © Meder | photocase.de)

Weitere Links:
> gemeinsame Pressemitteilung der Länder NRW und Bayern
> das Statement der NRW-Ministerin Ina Scharrenbach zum Start des Hilfetelefons
> Pilotstudie »Gewalt gegen Männer in Deutschland« (im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2004) als Kurzfassung oder als Langfassung